Die Schopsdorfer haben gestern in einer Bürger-anhörung mit großer Mehrheit ihren Willen kundgetan, wohin ihr kommunaler Weg ab dem 1. Juli 2012 gehen soll: nach Genthin.

Schopsdorf l Der Wille der Schopsdorfer ist eindeutig. Ab dem 1. Juli 2012, so es das Innenministerium will, gehört die rund 280 Seelen zählende Gemeinde zur Stadt Genthin. In der gestrigen Bürgeranhörung sprachen sich 92,77 Prozent der Bürger dafür aus. 5,59 Prozent der Bürger wollen weiter zur Stadt Möckern gehören. Damit wurde bestätigt, was Claudia Borschinsky schon im Vorfeld vorausgesagt hatte: "Wir gehen ja nicht mit fliegenden Fahnen nach Genthin. Aber Möckern lässt uns gar keine andere Wahl."

Trotz dieses überaus deutlichen Ergebnisses hat wohl so mancher Schopsdorfer noch im Hinterkopf, dass diese Entscheidung vielleicht nicht greifen muss. Denn eigentlich wollen die Schopsdorfer nirgendwo eingegliedert werden. Sie wollen ihre Eigenständigkeit behalten.

Möckerns Bürgermeister Frank von Holly glaubte schon vor der Bürgeranhörung nicht an einen positiven Ausgang mit einem Verbleib in der Stadt Möckern. "Die Schopsdorfer haben mit dem Bauch gewählt, nicht mit dem Kopf."

Das Interesse der Medien an dieser Bürgeranhörung war groß. Das mdr-Fernsehen und Radio Sachsen-Anhalt machten sich gestern ein Bild von der Wahlbeteiligung der Bürger aus dem "gallischen Dorf". Und wurden nicht enttäuscht, denn die Wahlbeteiligung lag bei 77,21 Prozent. Der erste Wähler kurz nach 8 Uhr war Gemeinderat Sven Mehlhase.

Votum ist eine Entscheidung für die eigene Zukunft

Für Schopsdorfs Bürgermeister Thomas Barz ist das Ergebnis der Bürgeranhörung "ein klarer Auftrag für den Gemeinderat". Den Schopsdorfern habe es im Vorfeld der Bürgeranhörung gut getan, dass sich die Fraktionen des Stadtrates Möckern für einen Verbleib Schopsdorfs ausgesprochen hatten. Er betonte: "Wir haben uns nicht gegen Möckern entschieden, sondern für unsere Zukunft. Die Schopsdorfer haben nicht nach Gutdünken entschieden, sondern sich Gedanken gemacht. Wir freuen uns auf Genthin."

Ex-Bürgermeister Rudi Heise zeigte sich erleichtert: "Ich glaube, dass Genthin für uns das Beste ist. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden."

Genthins Bürgermeister Wolfgang Bernicke zeigte sich vom Ergebnis beeindruckt. "Ich hoffe, dass wir jetzt gemeinsam mit der Kommunalaufsicht und dem Innenministerium eine Vereinbarung hinbekommen, mit der alle Beteiligten leben können." Er stellte klar, dass "die Schopsdorfer Schopsdorfer bleiben werden". Er erhofft sich eine konstruktive Zusammenarbeit und eine gegenseitige Wertschätzung.

Keinen Wahlkampf für Schopsdorf gemacht

Genthins Stadtrat Horst Leiste wollte die deutliche Entscheidung der Schopsdorfer pro Genthin nicht hoch genug einschätzen. "Wir haben keinen Wahlkampf für Schopsdorf gemacht. Deshalb ziehe ich den Hut vor dieser klaren Entscheidung." Für ihn ist es jetzt wichtig, dass im Zuge der zu schließenden Vereinbarung zwischen Genthin und Schopsdorf "gewisse positive Kompromisse geschlossen werden".

In der heutigen Sitzung des Gemeinderates werden sich die Gemeinderäte mit der Ergebnis der Bürgeranhörung befassen und eine Grundsatzentscheidung treffen.