Gestern 13.52 Uhr: Am Mail-Rechner der Redaktion läuft eine brandneue Meldung von den Genthinern Elly Kern (27) und Thomas Dietert (28) aus Budapest auf, die sich am 29. April von Ulm aus mit dem Kanu auf einen Globalen Triathlon aufgemacht haben. Auf der ersten Etappe sind sie 2500 Kilometer auf der Donau unterwegs und durchqueren zehn Länder.

Genthin/Budapest l "Uns geht es weiterhin gut, wir haben nun doch schon ein ordentliches Stück geschafft", schrieb gestern Thomas Dietert im Telegrammstil an die Volksstimme-Leser. Die neuesten Mitteilungen des 28-Jährigen sind nicht gerade weitschweifend. Seit Österreich gebe es kaum noch Schleusen. Die Donau werde breiter und deren Ufer verunreinigter, gibt Thomas Dieter die Eindrücke der Reise verkürzt wieder. Auch die Ortschaften würden seltener werden, bei denen es kein Problem sei, an Häusern anzuhalten, um nach Wasser zu fragen.

Inzwischen haben die beiden Abenteurer über Wien und Bratislava Budapest erreicht, wo sie für heute einen Stadtbummel geplant haben. Dazu sollen Fahrräder besorgt werden, um die historische Altstadt zu erkunden.

Nach wie vor ist Opa Otto, der Namensgeber für das Kanu, mit dem die Beiden unterwegs sind, voll am Geschehen dran. Fast täglich telefonieren die jungen Leute und der Senior miteinander. "Das klappt ganz gut", sagte gestern Otto Dietert im Gespräch mit der Volksstimme.

Opa ist beim Globalen Triathlon allgegenwärtig und über alle Details informiert. Die Beiden kämen ganz gut zurecht. Diesen Eindruck hat der alte Herr mittlerweile gewonnen.

Otto Dieterts 91. Geburtstag, den er am Sonnabend gefeiert hat, wurde auch in Ungarn nicht vergessen. Enkel Thomas berichtet, dass sie ihn zum Anlass genommen hätten, ein Brot zu backen. Anstatt eines Kuchens. "Wir haben es mit einem Topf und einer Feuerstelle ausprobiert und waren recht erfolgreich", schreibt Thomas Dietert.

Schon in der vergangenen Woche, am Donnerstag, erreichten die Genthiner mit ihrem Kanu die Slowakei. Es gibt in diesem Land keine Staustufen, die den Genthiner Kanuten zwar kleine Pausen verschafft hätten, aber zugleich auch Zeit raubten. So konnten sie am Tag nun Etappen über stattliche 40 bis 45 Kilometer zurücklegen.

Die folgenden Tage führten die Abenteurer die Donau als Grenze zwischen der Slowakei und Ungarn entlang.

Thomas Dietert spaßt einwenig: "Wir hatten täglich die schwervorstellbare Wahl, in welchem Land wir unser Zelt aufbauen. Heute Ungarn. Morgen Slowakei." Bis zum Kilometer 1708. Dort endet das linke Ufer als slowakisches Festland und die Genthiner waren in Ungarn angekommen. "Als Begrüßung riss dann der Seilzug der Steueranlage, das aber sofort und problemlos ausgetauscht werden konnte". An dem Ufer der Donau werde in Ungarn geangelt, die ganze Familie verbringe den Tag am Wasser. Man sehe hier oft Feuersstellen, schon tagsüber, die mit einem Dreibein und einem typischen Kessel benutzt würden, schreiben Elvira Kern und Thomas Dietert in ihrer Mail. "Leider haben wir es noch nicht geschafft, den hochgelobten Kesselgulasch zu kosten".

Als nächstes Ziel haben sich die zukünftige Lehrerin und der Landschaftsökologe im Juli das rumänische Tulcea am Schwarzen Meer gestellt. Ein Höhepunkt wird zuvor der Donau-Tag am 29. Juni sein, der von allen Anrainerstaaten begangen wird. Das Genthiner Team wird sich nach Absprache mit dem Internationalen Komitee zum Schutz der Donau unter die Aktiven mischen.