Statt einem dicken Briefumschlag mit Beschlussvorlagen könnten die Genthiner Stadträte ihre Unterlagen künftig auf elektronischem Wege erhalten. Das würde der Stadt viel Aufwand und Geld sparen. Von Bürgermeister Bernicke stammt der Vorschlag, alle Stadträte mit einem Tablet-PC auszurüsten.

Genthin l Moderne Technik hin oder her: 386 Seiten auszudrucken, kostet Zeit, Nerven und viel, viel Papier. 386? So viele Seiten umfasst der Haushaltsplan 2012 der Stadt Genthin. 28 Mitglieder zählt der Stadtrat: 10 808 Seiten müssten also zur Verfügung gestellt werden. Das entspricht nicht weniger als 56 Kilogramm Papier oder knapp 22 herkömmlichen Paketen Klopierpapier. Und das ist noch nicht alles: Das Haushaltskonsolidierungskonzept mit mehr als 100 Seiten kommt noch dazu. Kein Wunder also, dass Bürgermeister Wolfgang Bernicke schon mehrmals angeregt hat, den Haushaltsplan künftig nur noch elektronisch auszureichen. "Das ist viel unkomplizierter und der Plan lässt sich im Gebrauch auch viel einfacher korrigieren." Von den Stadträten, die bislang noch auf Papier bestehen, wünschte er sich, dass sie ihre Entscheidung nochmal überdenken.

"Den Kreis-Haushalt gibt es auch nur noch auf CD", unterstützte Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen), Stadtrat und Kreistagsmitglied, auf der gemeinsamen Sitzung des Haupt- sowie Rechnungsprüfungs- und Finanzausschusses das Ansinnen des Bürgermeisters.

Die Diskussion, Daten verstärkt elektronisch zu nutzen, war im Ausschuss entstanden, weil nicht alle Mitglieder über alle Unterlagen verfügten. Ohne das Versehen entschuldigen zu wollen, wies Wolfgang Bernicke auf die derzeitige komplizierte Regelung hin: Die einen Ratsmitglieder wollen alles auf Papier, den anderen reicht es digital. Dass es da mal zu Verwechslungen komme, sei nicht verwunderlich.

Den ersten Schritt, systematisch Papier einzusparen, unternahm die Stadt vor anderthalb Jahren mit der Nutzung der überarbeiteten Internetseite der Stadt. Diese ist mit einem geschützten Bereich ausgestattet. Per Nutzerkennung und Passwort erhalten die Stadträte Zugriff auf die Unterlagen.

Zu Beginn hatten gerade einmal sechs Stadträte ihre Bereitschaft erklärt, sich Einladungen und Unterlagen per Email zusenden zu lassen. 16 der insgesamt 28 Mandatsträger sind es inzwischen.

Ganz ohne Papier ginge es in Zukunft aber auch nicht: Großflächige Zeichnungen oder Pläne würde es weiterhin in Papierform geben. Im Gegenzug könnte jedes Ratsmitglied aber Zugriff auf Fotografien oder umfangreiche Dokumentationen haben. Diese 28 Mal zu kopieren, ist zu teuer. Noch werden deshalb nur geringe Stückzahlen in Umlauf gebracht.

Zudem gibt es eine Vielzahl von Beschlüssen, die nur aus formellen Gründen gefasst werden müssen. Einen Ausdruck davon braucht eigentlich keiner, und wenn ein Ratsmitglied doch mal Unterlagen, Beschlüsse oder Niederschriften benötigt, kann er die zentrale Ablage der Stadt nutzen.

Selbst wenn die Stadt jedem Stadtrat einen Tablet-PC zur Verfügung stellen würde, kämen im Jahr noch Einsparungen zusammen, hat Wolfgang Bernicke ausgerechnet. Es würde im Rathaus eine Datentankstelle eingerichtet werden, von der sich alle mit Beschlüssen, Protokollen, Unterlagen etc. versorgen könnten.

Apropos Tankstelle. Stromzufuhr hätte das Notebook von Franz Schuster (LWG Fiener) auf der gemeinsamen Sitzung des Haupt- sowie Rechnungsprüfungs- und Finanzausschusses im Sitzungssaal des Rathauses gut gebrauchen können. Die Leistung des Akkus neigte sich dem Ende zu.

Steckdosen sind im Sitzungsgrund aber nicht vorhanden. Diese zu verlegen, wäre kein Problem, erklärte Wolfgang Bernicke. Allerdings hätten die Installation den Nachteil, dass künftig die Tische und Stühle festständen und nicht mehr für jede Veranstaltung passend umgeräumt werden könnten.