Mit Leim, alten Zeitungen und Lumpen basteln Frauen aus Vogelsdorf lebensgroße Puppen und Vogelscheuchen. Die neuen "Einwohner" sollen zum Ortsjubiläum die Gäste begrüßen. Bis zur Festwoche im September gibt es jedoch noch viel zu tun.

Vogelsdorf l Gegen geburtenschwache Jahrgänge und Abwanderung aus dem ländlichen Raum haben die Vogelsdorfer ein einfaches Rezept gefunden. Knapp 250 Einwohner zählt ihr Dorf bislang, doch bis zu ihrem Ortsjubiläum soll diese Zahl rasant ansteigen. Sie basteln sich kurzerhand neue Nachbarn.

Aus alten Zeitungen, einer Menge Leim, Lumpen und Stroh gestalten die Frauen lebensgroße Puppen und - angelehnt an ihren Ortsnamen - Vogelscheuchen. Für ihre Kreationen verwenden die Damen, fast alle Mitglieder des Vereins "Vogelsdorf (er) leben", Materialien, die jeder zu Hause hat. "Wir mussten kaum etwas kaufen. Viele haben Material gespendet", sagt Carmen Böhme. Sie gibt die Anleitung während der Bastelstunden. "Alle sagen, ich habe die besten Ideen und gaben mir deshalb den Posten", sagt die 57-Jährige bescheiden.

Ihre Einfälle bekommt sie nachts beim Grübeln, berichtet die Vogelsdorferin. Sie schaut sich jedoch auch Tricks und Kniffe aus dem Fernsehen ab. So entstehen die Puppengesichter mithilfe eines Glaskopfes, auf dem normalerweise Kopfhörer im Geschäft ausgestellt werden. Schicht für Schicht klebt sie Zeitung darauf und lässt es trocknen. "Anschließend schneide ich die Hülle auf, um den Glaskopf herauszuholen", erklärt Carmen Böhme. Wieder verklebt und gut lackiert werden die Gesichter mit Nagellack aufgetragen, der auch Regen standhält.

Die Körper der Figuren werden aus alten Strumpfhosen, gefüllt mit Stroh und Lumpen, hergestellt. Damit möglichst viele Puppen gefertigt werden können, ist die Mithilfe der Vogelsdorfer gefragt. "Wir brauchen noch mehr Strumpfhosen, vor allem dickere. Auch ausgediente Sakkos können wir gebrauchen", informiert Carmen Böhme. Basteln zählte schon immer zu den Hobbys der gelernten Köchin. Ihre beiden Kinder teilten ihre Leidenschaft jedoch nicht. "Erst als Erwachsene bastelt meine Tochter Nadine mit mir", verrät Carmen Böhme lachend. "Für die filigranen Tätigkeiten ist sie zuständig, dafür hat sie mehr Talent."

Mit Unterstützung näht das Mutter-Tochter-Gespann einmal die Woche Wimpel aus Bettlaken, Tischdecken und Stoffresten. "Bisher haben wir zu dritt 71 Ketten gefertigt, die jeweils 13 Meter lang sind", berichtet Nadine Böhme. "Unser Dorf soll richtig schön bunt aussehen", ergänzt ihre Mutter.

"So langsam wird die Zeit auch knapp", erinnert Beatrice Schmidt. Die Vogelsdorferin lädt deshalb zu den Aktivitäten im Ort ein. "Wir können jede helfende Hand und Unterstützung gebrauchen. Noch fehlen uns auch große Bilderrahmen für eine Fotoausstellung." Diese ist nur ein Programmpunkt, den die Vogelsdorfer für die 875-Jahr-Feier ihres Ortes vom 5. bis zum 8. September geplant haben.

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