Schlanstedt/Athenstedt l Für Probleme von Gleichgesinnten haben die Mitglieder des Pflege- und Adoptivelternvereins immer ein offenes Ohr. Sie unterstützen einander und bieten eine Plattform, sich auszutauschen.

Kindern aus oftmals zerrütteten Familienverhältnissen ein neues Zuhause zu geben, ist keine leichte Aufgabe. "Eltern, die mit dem Gedanken spielen, ein Kind zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen, sollten bedenken, das es ein 24-Stunden-Job ist - ohne Urlaub", berichtet Kathrin Kube aus Schlanstedt.

Als Mutter von drei leiblichen und derzeit zwei Pflegekindern weiß die Schlanstedterin, wovon sie spricht. "Gerade die älteren Kinder haben schon viel erlebt, das lässt sich nur schwer reparieren." Rivalitäten mit den neuen Geschwistern, Aufsässigkeit und Grenzen ausreizen sind nur einige Dinge, auf die sich Eltern einstellen müssten. Mit ihrem Erfahrungsschatz gibt sie als Vorsitzende des Vereins der Pflege-und Adoptiveltern mit Sitz in Schlanstedt anderen Hilfe und Unterstützung.

So auch ihrer Schwester Steffi Erdmann. Als die 46-Dingelstedterin einen Jungen mit Behinderungen in Pflege nahm, reagierte das Umfeld mit negativen Äußerungen. "Viele fragten, wieso wir uns das zumuten", berichtet sie. Auch wenn sie bis heute mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen haben, bereue sie die Entscheidung nicht. "Er gehört zur Familie", betont die Hausfrau.

"Jedes Kind ist anders und hat eine andere Geschichte, doch viele der Probleme ähneln sich", sagt Vinzenz-Nico Ermrich. Er gehörte 1996 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins mit Sitz in Schlanstedt. "Bis dahin war das Jugendamt unser einziger Ansprechpartner", erinnert sich der Eilenstedter. "Wir suchten nach einer Möglichkeit, uns unabhängig vom Amt auszutauschen." Die Zusammenarbeit mit den Beamten sei jedoch ausnahmslos gut, versicherten alle Vereinsvorsitzenden. "Sie haben immer ein offenes Ohr. Wir helfen uns gegenseitig", betont Kathrin Kube.

Derzeit gehören 21 Familien aus dem Altkreis Halberstadt dem Verein an. Neben dem monatlichen Stammtisch für Eltern finden regelmäßig Veranstaltungen für die ganze Familie statt. Gemeinsam wird so ein Kennenlerntag für Geschwister und eine Weihnachtsfeier veranstaltet, Schwimmen gegangen und eine mehrtägige Fahrt unternommen.

"Auch die Kinder sollen eine Möglichkeit haben, sich auszutauschen und sehen, dass sie nicht allein sind", berichtet Jana Hartmann. Sie ist Mutter eines leiblichen und eines adoptierten Kindes. Ihr ist es wichtig, dass die Kinder frühzeitig ihre Herkunft kennen. "Jeder hat das Recht zu wissen, wer seine leiblichen Eltern sind", betont die Dedeleberin. "Wenn sie zu fragen beginnen, sollte man die Kinder nicht belügen."

Ein Seminar zur Biografie-Arbeit findet am Sonnabend, dem 4. Mai, statt. Zu den monatlichen Treffen des Vereins in Athenstedt sind Interessierte außerdem jederzeit willkommen. "Der Bedarf an Pflegefamilien ist groß", so die Vorsitzende. Allein im Harzkreis lebten 2012 rund 250 Kinder bei Pflegeeltern.

Familien werden geprüft und geschult, bevor sie ein Kind aufnehmen dürfen, informieren die Vereinsmitglieder. "Nicht jeder ist dafür geeignet. Es passiert, dass Kinder und Familien einfach nicht zusammenpassen, so sehr man sich auch bemüht", gibt Vinzenz-Nico Ermrich zu bedenken. Dennoch würde sich eine Adoption oder Pflegschaft lohnen. "Man bekommt Dankbarkeit - zumindest ein wenig. Außerdem ist es schön, jeden noch so kleinen Fortschritt mitzuerleben", berichtet Kathrin Kube.

Weitere Informationen erhalten Sie hier: www.pflegeeltern-hbs.eu.ki