Martin Hentrich hat sich der Geschichte seiner Heimat verschrieben. Er sammelt und forscht nach Sagen und Erzählungen aus dem Huy, die er der Nachwelt erhalten will. Dabei stößt er immer wieder auf Kurioses.

Röderhof/Magdeburg l Sein Hobby erinnert an die Arbeit eines Detektivs. Er sucht nach Hinweisen, durchforstet Archive und befragt Zeitzeugen und Ortsansässige. Martin Hentrich investiert seine Freizeit in die Erforschung der Geschichte seiner Heimat.

Er wurde 1959 in Röderhof geboren. 1970 verließ er für sein Studium den Huy-Ortsteil und lebt seitdem in Magdeburg. Doch vergessen hat er den Huy nicht. Im Gegenteil: Der Vater dreier erwachsener Töchter engagiert sich im Geschichtsverein Halberstadt und im Förderverein der Huysburg. Im Verein "Zwischen Huy und Bruch" und dem Kunstverein Röderhof sitzt er sogar im Vorstand.

Er bleibt bei diesen Tätigkeiten jedoch lieber im Hintergrund, sagt Martin Hentrich bescheiden. In Erscheinung treten hingegen die Geschichten, die er über den Huy sammelt und veröffentlicht. Seit einem Jahr bringt er eigene Hefte heraus. "Damit werde ich jedoch kein Geld verdienen", so der Doktor der Physik lachend. "Es geht mir darum, die Erinnerung an Vergangenes und Erlebnisse festzuhalten."

Neben der Historie der Region, Geschichten um die Brauerei in Röderhof, Bauwerke und Denkmäler forscht er nach unbekannteren Gedichten sowie Sagen und ihren Abwandlungen. "Die Hefte sollen die unterschiedlichsten Leser ansprechen", erklärt der Softeware-Entwickler. Illustriert werden sie mit den Bildern und Kupferstichen von ortsansässigen und oft zeitgenössischen Künstlern. Der 61-Jährige fasst außerdem Hintergrundinformationen zu den Autoren zusammen.

Ideen und Anregungen erhält er unter anderem durch historische Postkarten aus der Umgebung, die er sammelt. Zuletzt ergatterte er eine, die 1943 ein junger Mann aus dem "Ertüchtigungslager" nahe Röderhof an seine Freundin schickte. "Ich wusste gar nicht, dass es hier existierte. Auch konnte sich niemand, den ich befragte, bislang daran erinnern." Interessant findet Hentrich auch Schriften, die belegen, das Pastor Hildebrand (1848 verstorben) aus Eilenstedt beim König um finanzielle Unterstützung bat. Der Geistliche veröffentlichte mehr als 100 Romane.

Die Themen recherchiert Hentrich in alten Büchern und im Internet. Hilfreich sind auch die Gespräche vor Ort. "Ich frage Bekannte, die wiederum bei ihren Bekannten nachhaken. Die Tätigkeit in den Vereinen kommt mir dabei zu gute", sagt der Magdeburger. Sogar seine ehemalige Lehrerin unterstützt die Nachforschungen. Sie leitet Seniorennachmittage und befragt deren Teilnehmer.

Bei seiner Arbeit stößt Martin Hentrich auf Skeptiker. "Lohnt sich das?" und "Warum machst du dir die Mühe?" sind Fragen, die er schon oft gehört hat. Seine Antwort darauf ist pragmatisch: "Weil es sonst niemand macht." Über den Huy gäbe es nur wenige, vereinzelte Aufzeichnungen. "Ich wollte den Leuten zeigen, was es hier alles gab und gibt. Es interessiert mich selbst und sollte auch für die Zukunft erhalten bleiben", betont der Heimatkundler.

Seine Ergebnisse präsentiert er auf Veranstaltungen. So will er das Heft mit zwei Erzählungen über den berüchtigten Räuber Daneil zur Eröffnung des Huysburg-Rundweges am Sonnabend, dem 11. Mai, vorstellen.

Überblick über bisherige Veröffentlichungen im Internet unter: www.edition-huy.de