Gemeinde Huy l Die Gemeinde Huy hat seit Kurzem eine eigene "Supernanny". Zumindest war die Protagonistin des gleichnamigen TV-Formats eine Studienkollegin von Michael Nippgen, verrät der Diplom-Psychologe lachend. Die Unterstützung, die er anbietet, geht jedoch über die "stille Treppe" und Streitschlichtung im Kinderzimmer hinaus. Als erster Behindertenbeauftragter der Region ist er vielmehr eine Anlaufstelle für alle, die Fragen zum Leben mit einem Handicap haben.

Gemeindebürgermeister Thomas Krüger bat Nippgen um Unterstützung für ein Projekt des Landkreises zur Barriere-Freiheit. Daraus entwickelte sich die Idee zu einer Beratungsstelle im Huy. Der 43-Jährige hilft nun Betroffenen und deren Familien ebenso wie Gemeinderäten und Ortsbürgermeistern, die ihren Ort barrierefreier gestalten wollen. "Man muss wissen, dass beispielsweise Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben", erklärt Michael Nippgen.

Rampen seien zum Beispiel für Menschen, die eine Gehhilfe benötigen hilfreich, für Erblindete jedoch eine Stolperstelle. "Schon mit Kleinigkeiten kann man viel ausrichten. Zum Beispiel wurden einige Bushaltestellen mit neuen, komplett glatten Scheiben ausgestattet. Sehbehinderte, die nur Schatten wahrnehmen können, laufen jedoch schnell gegen die Fenster, wenn sie nicht mit Aufklebern versehen sind", so Nippgen.

Er berät ebenso zu möglichen Betreuungsformen für Menschen mit verschieden stark ausgeprägten geistigen und körperlichen Behinderungen. Dabei widmet er sich auch dem Tabu-Thema "Sexualität mit Behinderung". "Damit beschäftigte ich mich schon in meiner Diplom-Arbeit. Vielen ist das Thema peinlich, den Eltern ebenso wie den Kindern und sogar Betreuern. Um so wichtiger ist die richtige Aufklärung", sagt Michael Nippgen. Er ist Gründungsmitglied eines Projekts, dass Behinderte unterstützt, die Kinder bekommen.

Es ist wichtig, Verständnis für die Erkrankten zu schaffen."

Michael Nippgen

Auch Suchtberatung und psychische Erkrankungen gehören zu seinem Repertoire. "Die nehmen seit einigen Jahren stark zu. Es ist wichtig, Verständnis für die Erkrankten zu schaffen", betont Michael Nippgen. "Oft fallen in unserer heutigen Zeit im ländlichen Raum soziale Netzwerke weg. Früher war der Zusammenhalt in den Familien und Dorfgemeinschaften stärker ausgeprägt. Erkrankte wurden eher aufgenommen", informiert der Pädagoge, der eine zusätzliche Ausbildung zum Erziehungsberater absolviert hat.

Grund dafür sei unter anderem die Veränderung der Struktur in Dörfern: Wegzug, Schulschließungen, fehlende Einkaufsmöglichkeiten und das Vereinssterben. "Man kennt sich weniger gut als früher. Menschen mit Behinderung werden da eher ausgegrenzt, weil sie anders sind oder sie schließen sich selbst von der Gemeinschaft aus, weil sie nicht auffallen wollen", erläutert Nippgen. Durch seine Arbeit möchte er diesen Zustand ein Stück weit ändern.

Das Bedürfnis, sich in diesem Berufszweig zu engagieren, wurde während seines Zivildienstes geweckt. "Eigentlich wollte ich in die Wirtschaft gehen. Aber bei der Arbeit mit querschnittsgelähmten Kindern habe ich gemerkt, wieviel einem das geben kann", erinnert sich Nippgen, der aus einem Dorf nahe Mainz aufwuchs. Während seines Studiums absolvierte er unterschiedliche Praktika. "Menschen mit Behinderung war der Bereich, der mir am meisten am Herzen lag." Seit 1998 ist er beim Internationalen Bund (IB) beschäftigt, zuletzt in Frankfurt am Main.

"Nach 15 Jahren Großstadt wollte ich wieder das Landleben genießen", so Nippgen. Deshalb nutzte er die Gelegenheit, eine Heilpädagogische Wohneinrichtung im ehemaligen Kloster in Badersleben aufzubauen. In Anderbeck fand er schnell ein neues Zuhause. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn Felix lebt er dort im ehemaligen Pfarrhaus. Auch die Tochter aus erster Ehe und die verschiedenen Haustiere - Enten, drei Katzen, Kamerun-Schafe und ein Hund - fühlen sich in dem Huy-Dorf wohl.

Kontakt Michael Nippgen unter Telefon: (0160)90734815 und per E-Mail: mnippgen@web.de