Dingelstedt/Röderhof l Dichtes Gedränge herrschte im Künstlerhaus in Röderhof, das dieser Tage mit einer besonderen Überraschung aufwartete. Neben vielen Stammgästen aus Halberstadt und der Region hatten sich auch Künstler wie Kunstfreunde von Magdeburg bis Braunschweig auf den Weg in den Huy-Ortsteil gemacht.

Zu sehen war nicht nur die neue Ausstellung des Kunstvereins Röderhof. Dank des offenen Ateliers konnten junge wie ältere Besucher auch zwei Künstlern bei der Arbeit über die Schultern schauen. Diese Kombination wurde als sehr angenehm empfunden. Einerseits bei Gertrud Neuhaus (Münster) und Mario BieRende (Weimar) - beide sind Stipendiaten in Röderhof - das Werk im Entstehen zu erleben, und andererseits bei Susann Dietrich und Martin Vorwerk das fertige Kunstwerk auf sich wirken zu lassen.

Unterschiedlicher hätten die gezeigten Objekte kaum ausfallen können. Im Erdgeschoss werden Arbeiten von Susann Dietrich, der "Jägerin längst verloren geglaubter Schätze" vorgestellt, im hinteren rechten Raum der ersten Etage werden Maskenfragmente aus dem Südosten der Demokratischen Republik Kongo gezeigt. Dann folgen ebenfalls in der ersten Etage die Ateliers von Gertrud Neuhaus, die sich im Huy traditioneller Landschaftsmalerei widmet, und von Mario BieRende, für den der Arbeitsprozess und das Entstehen eines Werkes oftmals wichtiger sind das fertige Objekt selbst. Unter anderem sind Papier- und Scherenschnitte eines Zeppelins und der Kathedrale von Beauvais, einer der bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs, zu sehen.

Susann Dietrich, die in Halberstadt und Braunschweig lebt, zeigt Zeichnungen, Fotografien und Installationen. Grundlagen ihres Schaffens sind "Sammeln, Aufbewahren, Erinnern, Transformieren und Präsentieren". "Dabei entstehen Fotografien, Objekte, Zeichnungen oder Radierungen, in denen die Fundstücke in verdichteter, verwandelter Form ein neues, von einer sehr eigenen Poesie durchdrungenes Leben beginnen", wie die Künstlerin eindrucksvoll nachweist.

Martin Vorwerk lebt in Schermke im Bördekreis. Seit 2012 studiert er an der Freien Universität Berlin die Kunst Afrikas. In seinem Beitrag für die aktuelle Ausstellung wird der Versuch gewagt, sich Maskenfragmenten des Kifwebe- Phänomens aus dem Südosten der Demokratischen Republik Kongo über Kosmologie und Aspekte von Status und über Gender, dem sozialem Geschlecht einer Person, zu nähern.

Der Magie dieser 19 Masken des Kifwebe-Bundes - sie zählen zu den großartigsten in Afrika - aus dem Gebiet der Songye, die in der Präsentation mit Klangeräuschen untermalt wurden, konnte sich in der Ausstellung kaum ein Besucher entziehen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Oktober in Röderhof zu sehen. Am 20. Oktober gibt es auch wieder ein "Offenes Atelier". Diesem folgt am 23. November der Kunstmarkt.

Weiterführende Informationen zum Kunstverein Röderhof gibt es im Internet unter www.Kunstverein-roederhof.de.

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