Mit einem Rekord von schätzungsweise fast 1000 Besuchern ist die siebte Auflage des Wald- und Wiesenfestes an der "Blechbude" in Wilhelmshall zu Ende gegangen. Über so viele Gäste wie noch nie freute sich Hauptorganisator Werner Gringmuth.

Huy/Wilhelmshall l Rund um das ehemalige Eisenbahnerhäuschen - jene legendäre Wilhelmshaller "Blechbuuudªe", die längst Kultstatus besitzt - lockte ein buntes Programm. Für die Jüngsten bot die Sportjugend aus Wernigerode eine Reihe von Attraktionen an.

Bereits am frühen Morgen waren das große Zelt und die Tische davor zum Hausschlachtefrühstück gut besetzt. Bevor im Wilhelmshaller Tal aber das Feiern so richtig beginnen konnte, ging es mit ohrenbetäubendem Lärm zur Sache. Die Anderbecker Böllerschützen sorgten dafür, dass der Partyauftakt auch in den Nachbar-Ortsteilen zu hören war. Danach ließen es die Jagdhornbläser aus Eilenstedt stimmungsvoll angehen.

Mit dabei: Rudolf Hußock. Der 88-Jährige ist seit Gründung Mitglied der Jagdhornbläsergruppe. "Wir treffen uns jeden Freitag. Vor dem Fest hier in Wilhelmshall wurde auch noch mittwochs geübt", sagte er.

Der Europa-Abgeordnete Horst Schnellhardt (CDU) hatte diesmal für Festorganisator Werner Gringmuth einen Fußball als Präsent dabei. "Damit Wilhelmshall auch mal eine Fußballmannschaft bilden kann", wie Schnellhardt scherzte. Was bei gerade mal 19 Einwohnern im kleinsten Huy-Ortsteil freilich ein mittleres Kunststück wäre.

Das allgegenwärtige Thema Wahl spielte am Sonntag eine wichtige Rolle in den Diskussionen. Gesprochen wurde aber auch über die Weiterentwicklung der Huy-Region. Ortsbürgermeister Klaus Moetefindt (CDU) aus Eilsdorf wies auf die neue Informationstafel am Festplatz hin. Der Förderverein "Zwischen Huy und Bruch" lade verstärkt zu Wanderungen durch den Huywald ein und baue schrittweise die Kennzeichnung der Wanderwege aus.

Neue Schilder für Huy-Wanderwege

"Hier ist doch ein schöner Rastplatz entstanden", sagte Moetefindt erfreut. Die Tafel sei so aufgebaut, dass zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten noch ergänzende Informationen angebracht werden können.

Inzwischen herrschte an den Ständen der Gastronomie längst Hochbetrieb. Zahlreiche Gäste schauten zum Spanferkel im Grill, das Harti Kirsch und Marion Remmer zubereiteten. "Im vorigen Jahr war unser Exemplar zu schnell verkauft, deshalb haben wir das größte hier im Grill einsetzbare Tier mit 57 Kilo mitgebracht", berichtete der Verwandte des Dingelstedter Fleischermeisters.

Bis zum Nachmittag füllten sich die Parkplätze entlang der früheren Fabrikmauer zusehends. Viele Besucher reisten mit dem Fahrrad an, andere kletterten auf einen der Planwagen und nahmen in der Kutsche Platz. Wenig später starteten die Anhaltiner Musikanten ihr Frühschoppen-Konzert. Sie erhielten am Nachmittag Unterstützung vom Alphorn-Trio Anhaltinio. Viel Beifall gab es anschließend für die Halberstädter "Dancing Kids". Die beliebten Peitschenknaller aus Heudeber waren auch in diesem Jahr ein Höhepunkt beim Blechbuden-Fest.

"Solch ein Fest in einem Ortsteil mit nur 19 Einwohnern zu organisieren, ist nur dank des Einsatzes vieler Helfer möglich", sagte Werner Gringmuth. "Insbesondere haben wir den Familien Schulze senior und junior sowie Margret Schröder zu danken", betonte er. Auch den Sponsoren, die mit Sachleistungen und finanziell geholfen haben sowie den Helfern vor Ort sei zu danken. Obwohl gesundheitlich etwas angeschlagen, denkt Familie Gringmuth nicht ans Aufhören. Zahlreiche Besucher machten Mut und motivierten die beiden: "Wir kommen nächstes Jahr wieder", wurde immer wieder versprochen.

Die Geschichte Wilhelmshalls ist eng mit dem einstigen Kalibergbau verbunden. Im Jahre 1884 wurden am Huy nahe Anderbeck Kalisalze entdeckt, welche später mit dem Schacht Wilhelmshall aufgeschlossen wurden. Am 24. Juni 1889 gab es dort den ersten Spatenstich. Damals entstanden vor Ort eine Chlorkalium- und eine Sulfatfabrik. 1890 wurde Wilhelmshall über Anderbeck an das nationale Streckennetz der Bahn angeschlossen. In den Gruben waren im Jahr 1900 schon rund 1300 Arbeitskräfte beschäftigt, heißt es in der Anderbecker Chronik.

Ab April 1946 wurden dann einige Gebäude der früheren Betriebe als Tuberkulose-Heilstätte genutzt. Über 100 Patienten fanden hier einst Unterkunft und Betreuung. Im Dezember 1970 kam jedoch der Bescheid, dass die Untersuchungen der Schachtbehörde Staßfurt für den Schacht eine akute Einsturzgefahr ergeben hätten. Deshalb mussten die Kranken bis Ende Januar 1971 verlegt werden.

Anschließend wurden die Gebäude der Ex-Schachtanlage viele Jahre lang als Möbellager und für den Großhandel benutzt. Noch kurze Zeit nach der Wende gab es hier einen Möbelverkauf. Heute werden Teile der früheren Firmengebäude noch sporadisch für Konzerte und Szenepartys genutzt.

Öffentlich zugänglich geblieben ist jene kleine "Blechbude", die einst von den Weichenstellern der Anschlussbahn genutzt wurde. Vor einigen Jahren sollte die Hütte demontiert werden. Einwohner retteten das Objekt, das an den einstigen Industriestandort erinnern soll. Heute sind die Einwohner von Wilhelmshall froh über ihre ruhigen Wohnbedingungen in der Abgeschiedenheit. Einmal im September - stets am vorletzten Sonntag im Monat - sind sie gern Gastgeber für zahlreiche Interessierte.

   

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