Geschätzte über 10 000 Pappeln stehen im Osterwiecker Stadtgebiet. Sie sind überwiegend fällreif, aber andererseits auch das Landschaftsbild prägend. Und sie bereiten teils große Probleme, wie am Ellernweg östlich von Osterwieck.

Osterwieck. Nach der Ankündigung im Osterwiecker Umweltausschuss vor einem dreiviertel Jahr, dass die Bäume am Ellern gefällt werden sollen, hatten die dort tätigen Landwirte gehofft, dass es nun angeht. Doch alle 500 Pappeln stehen dort immer noch und schränken die Landwirtschaft ein. Dabei geht es weniger um abbrechende Äste. Die Probleme liegen tiefer - unter der Erde, wie Frank Försterling, Geschäftsführer der Firma Landboden Osterwieck, und der selbständige Berßeler Landwirt Karl-Rainer Anteboth erläuterten.

Die Wurzeln beschädigen den Weg massiv, etliche Betonplatten wurden zentimeterweit angehoben. Auf dem Acker verstopfen die Wurzeln die parallel zum Weg verlaufende Drainage. Jährlich muss Landboden aufwändig Entwässerungsrohre von den Wurzeln befreien oder gar erneuern. Kostenaufwand jährlich 5000 bis 10 000 Euro, wie Försterling schätzte. Außerdem entstehen hier Schlammlöcher - Ackerboden, auf dem nichts wächst oder der nicht abgeerntet werden kann.

Auf dem etwa 15 Meter breiten Ackerstreifen zwischen Weg und Drainage wachsen die Rüben kaum noch, weil Wurzeln der Pappeln die Bodenfeuchte aufsaugen. Jene kleinwüchsigen Rüben kann die Erntemaschine nicht greifen. Und schließlich führte Frank Försterling noch die Probleme für externe Transportunternehmen bei der Abfuhr der Rüben auf, wenn der Weg immer schlechter wird.

Karl-Rainer Anteboth baut auf der anderen Seite der Pappelreihe schon gar keine Rüben mehr an. Als er vor wenigen Wochen sein Getreide abfuhr, brachen auf dem holprigen Weg Halterungen an seinem Traktor. Schaden: 600 Euro. Solch große Probleme wie an diesem Weg haben die Landwirte nach ihren Angaben anderswo nicht. Um so mehr hofften sie nach der Ankündigung voriges Jahr, dass die Bäume nun gefällt werden.

"Das ist keine Wirtschaftsförderung, sondern Wirtschaftsbehinderung"

Doch noch ist keine Genehmigung dafür vorhanden. Genehmigungsbehörde ist die Harzer Kreisverwaltung. Bei solch großen Fällmaßnahmen benötigt sie von der Stadt ein Konzept, das sich zum Beispiel mit den notwendigen Ersatzpflanzungen beschäftigt. Das ist bisher nicht erarbeitet worden, wie Rüdiger Brandt, Leiter des Osterwiecker Ordnungsamtes, bestätigte. Für die Stadt sollen die Fällaktionen - es sind noch vier weitere beantragt - kostenneutral erfolgen. Die beauftragte Firma soll aus ihrem Holzerlös also auch die Ausgleichsmaßnahmen bezahlen - und über ein Fachbüro eben das vorher nötige Konzept erstellen lassen. "Das lief etwas schleppend", räumte Brandt ein.

Für die Bauern ist es hingegen unverständlich, dass wieder ein Herbst hingeht, ohne dass etwas passiert. Seit zwei Jahren machen sie die Stadtverwaltung auf die Pappelprobleme am städtischen Ellernweg aufmerksam. "Das ist keine Wirtschaftsförderung, sondern Wirtschaftsbehinderung", findet Landwirt Anteboth klare Worte.

"Das muss kein teures Konzept sein", sagte Steffi Schreiner, die im Harzer Umweltamt dieses Fällvorhaben bearbeitet. Der Landkreis müsse aber wissen, wie und wo die Pappelreihe durch anderen standortheimischen Baumbestand ersetzt wird. Sie wäre dafür, die Reihe über mehrere Jahre abschnittsweise zu fällen, auch weil dort zum Beispiel viele Rotmilane ihre Nester zu haben. Die Genehmigung dafür stehe in Aussicht, wenn das Konzept vorliegt.

Andere Pappelfällungen im Stadtgebiet sollen hingegen noch in diesem Herbst beginnen. So am Klärwerk Osterwieck, am Berßeler Sportplatz und im Deersheimer Park.

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