Gemeinsam mit Klaus Kuhn hatten Schüler begonnen, rund um den Bolzplatz der Grünen Mitte die Flächen zu bemalen. Nun muss das Projekt abgebrochen werden - Vandalen haben alles zerstört, was bislang geschaffen wurde. Auch in der Schützenstraße wurden Malereien von Klaus Kuhn beschädigt.

Halberstadt. Mitte September begann Klaus Kuhn mit seiner Malerkollegin Helga Petersohn im Auftrag des Stadtteilbüros ein Projekt im Wohngebiet Richard-Wagner-Straße. Gemeinsam mit zehn- bis zwölfjährigen Schülern der Gemm- und der Spiegel-Sekundarschule sollten dort am Bolzplatz 80 umlaufende Meter Fläche mit Sport-, Freizeit- und Naturmotiven gestaltet werden.

Kaum war mit der Arbeit begonnen worden, ,verirrte\' sich ein Fußball und ließ den Eimer mit der Grundierungsfarbe kippen. "Unserer Bitte, doch woanders zu spielen, wurde nur mit Hohn und Spott begegnet", erinnert sich Klaus Kuhn, "wir mussten uns einige Sprüche anhören". "Komm doch Alter, wenn du den Ball haben willst", war noch der harmloseste. Einer der Jungen sagte, dass das sowieso alles kaputt gemacht wird. "Von wem denn?", fragte der Maler. "Na, von uns", bekam er zu hören.

Dass es nicht bei diesem "coolen Spruch" bleiben sollte, mussten die Erwachsenen und ihre fleißigen jungen Mitstreiter am nächsten Tag feststellen. Alle mit den Schülern angefangenen Arbeiten waren bekritzelt, verwischt und mit dreckigen Fußabtritten verunstaltet worden. Durch das Abreißen sämtlicher Abklebebänder war auch die Grundierung zerstört. "Die Kinder waren genauso geschockt wie wir. Ein Mädchen hat sogar geweint, als sie das gesehen hat."

"Ich hoffe, dass wir das nicht noch einmal erleben müssen"

Das Projekt wurde erst einmal abgebrochen. In dieser Woche soll mit den Schülern ein erneuter Versuch gestartet werden. "Ich hoffe, dass wir nicht noch einmal erleben müssen, wie wenig die Arbeit anderer geachtet wird", sagt der enttäuschte Halberstädter, den eigentlich nichts aus der Ruhe bringt, der stets optimistisch ist und andere mit seinem Humor ansteckt.

Doch es sollte nicht das einzige negative Erlebnis in diesen Tagen bleiben.

Seit acht Wochen arbeitet Klaus Kuhn in seinem Freiluft-Atelier in der Parkanlage an der Schützenstraße. Im Auftrag der Halberstadtwerke schmückt er dort vier Wände des einst trist-grauen Trafohäuschens mit riesigen Bildern. Auf jeder Seite öffnet er ein "Zeitfenster", so das Motto des Gesamtwerkes, und gibt den Blick frei auf das Stadtzentrum von einst und heute.

Die dritte großformatige Wandmalerei steht kurz vor der Vollendung. "Dann werde ich das Mal-Zeitfenster erst einmal schließen und es im Frühjahr wieder öffnen", so der Kunstmaler, der sich an den kalten Tagen in sein Atelier zurückziehen wird, wo "einiges an Arbeit liegengeblieben ist".

Denn für das Trafohäuschen, das von seiner Dimension die beiden von ihm gestalteten Vorgänger am Freizeit- und Sportzentrum und das in Bahnhofsnähe um einiges übertrifft, muss er nicht nur mehr Farbe, sondern auch wesentlich mehr Zeit investieren. "An den vergangenen Tagen hat das eher sommerliche Herbstwetter mir erlaubt, noch ein großes Stück voranzukommen", freut er sich. Er hätte aber noch weiter sein können, wären da nicht unplanmäßige "Nebenarbeiten" zu erledigen gewesen.

Musste Kuhn in den vergangenen Wochen das neben dem Trafohaus stationierte Dixiklo dreimal wieder aufrichten und vor Arbeitsbeginn immer wieder leere Schnapsflaschen und anderen Müll beseitigen, passierte nun etwas, womit er nie gerechnet hatte und was an seinen beiden anderen Trafohäusern während der Bemalung und danach nie geschehen ist.

"Als ich in der vergangenen Woche montags kam, musste ich feststellen, dass das Bild mit der Zentrumsbebauung als Zielscheibe missbraucht wurde", berichtet der Maler. Es galt nicht nur eine Menge Scherben wegzuschaffen, sondern die Beschädigungen zu beseitigen, darunter die Spuren von Kräuterlikör. "Das hat mich einiges an Zeit gekostet."

Kuhn, dem auch bei dieser Arbeit immer wieder Passanten über die Schulter schauen und sich mit ihm unterhalten, bekommt nicht nur viel Lob für seine Bilder zu hören, manchmal erfährt er sehr persönliche Geschichten, die mit dem alten Halberstadt verbunden sind.

Ab und zu vernimmt er auch Zweifel. So sagte eine alte Dame vor zwei Wochen: "Wer weiß, wie lange das so schön aussieht." Damals beschwichtigte Kuhn sie, denn die Erfahrung, die er bald danach machen musste, kannte er bis dato nicht.