Gemeinde Huy/Badersleben l Manfred Müller aus Badersleben ist sauer. Sauer auf den Stromnetz-Betreiber im Huy, die E.on-Avacon AG. Immer wieder, so Müller, komme es in den Ortsteilen der Gemeinde Huy zu plötzlichen Stromausfällen. Erst vor wenigen Tagen - am Mittwoch, dem 7. Dezember - sei es wieder einmal extrem gewesen. "Etwa zehn Mal ist die Stromversorgung an diesem Tag schlagartig zusammengebrochen", schildert der verärgerte Kunde die jüngsten Erfahrungen.

Ein Umstand, der auch bei den monatlichen Lese-Geschichten in der alten Mühle für einige Probleme gesorgt habe, wie Organisator Peter Neumann berichtet. Während sich hier die Auswirkungen in Grenzen hielten - "wir besorgten uns in der Nachbarschaft einfach ein paar Kerzen und machten es uns mit Tee, Lektüre und Gebäck im Kerzenschein gemütlich", plaudert Peter Neumann - waren die Folgen bei Manfred Müller weitaus größer: "Ich muss nach solchen Stromausfällen immer sieben Zeitschaltuhren neu programmieren, und auf die elektronischen Geräte wirkt sich das bestimmt auch nicht gerade positiv aus", erinnert er. Beim letzten Stromausfall sei auch der Computer beim Windows-Update auf der Strecke geblieben.

Empört ist Manfred Müller obendrein, dass es beim Netzanbieter E.on-Avacon geheißen habe, dass "höhere Gewalt" Schuld gewesen sei am Stromausfall. "Gibt es bald Abhilfe von E.on-Avacon, indem ins Netz investiert wird, um solche Ausfälle zu verhindern? Und wer kommt für eventuelle Schäden an den Geräten und den Aufwand der Kunden auf? Darf die Rechnung deshalb gekürzt werden? Fragen, die sich Manfred Müller mit Blick auf die "gehäuften Stromausfälle" stellt.

Nach Angaben von E.on-Avacon-Pressesprecherin Corinna Hinkel war das stürmische Wetter am besagten Mittwoch im Bereich Huy Auslöser der Havarien im Energienetz: "Aufgrund des heftigen Windes schlugen entweder Leiterseile der betroffenen Mittelspannungs-Freileitungen direkt zusammen oder wurden mit Ästen überbrückt." Dies habe wiederum so genannte automatische Wiedereinschaltungen (AWE) nach sich gezogen, so Corinna Hinkel.

Bei einer solchen AWE handele es sich um ein kurzzeitiges Aus- und Wieder-Einschalten der Versorgung. Weil die Ausschaltzeit letztlich im Millisekunden-Bereich liege, werde der Stromausfall meist nur als Flackern des Lichtes wahrgenommen.

Allerdings sei es beim Sturm am vergangenen Mittwoch leider nicht bei solchen extrem kurzzeitigen Ausfällen geblieben, sondern zwischen 14.45 Uhr und 15.15 Uhr zu einer längeren Stromunterbrechung gekommen. "Betroffen waren davon die Ortschaften Dardesheim, Badersleben, Vogelsdorf, Dedeleben und Pabstorf", bestätigt Corinna Hinkel. Nachdem ein Großteil der Kunden bereits um 15 Uhr wieder Strom hatte, seien die letzten Abnehmer um 15.15 Uhr wieder am Netz gewesen.

Auch für die von Manfred Müller geschilderten mehrfachen längeren Ausfälle - der Baderslebener spricht von etwa zehn - liefert Corinna Hinkel eine mögliche Ursache: "Aufgrund von Schaltungen zur Fehlereingrenzung kann es - wie vom Kunden geschildert - innerhalb dieser Störung zu wiederholten, mehrfachen Unterbrechungen gekommen sein."

"Wir bedauern die Unannehmlichkeiten. Bei höherer Gewalt - wie in diesem Fall dem Sturm - haften wir allerdings nicht für eingetretene Schäden"

E.on-Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel

Das sei für die betroffenen Kunden zwar ärgerlich - allerdings sei es dem Netzbetreiber nur mit Hilfe solcher "Suchschaltungen" möglich, die relevante Fehlerstelle schnell einzugrenzen, um das Gros der Kunden durch Heraustrennen dieses fehlerhaften Netzabschnitts innerhalb kurzer Zeit wieder zu versorgen.

"Wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr, die ein solcher Stromausfall bei den Kunden verursacht. Bei höherer Gewalt - wie in diesem Fall dem Sturm - haften wir allerdings nicht für eingetretene Schäden", betont die Sprecherin des Energieversorgers. Gehaftet werde für Sachschäden bei den Kunden nur dann, wenn die Versorgungsunterbrechung aufgrund von Vorsatz oder Fahrlässigkeit seitens des Netzbetreibers verursacht worden sei.

Damit dürfte auch die von Manfred Müller formulierte Frage hinsichtlich einer Kürzung der Stromrechnung beantwortet sein - dies ist bei sturmbedingten Havarien nicht möglich und würde vom Versorger wohl nicht toleriert werden.

Bleibt die von Manfred Müller angeschnittene Frage des Netzausbaus. E.on-Avacon will - unter anderem mit Blick auf die Einspeisungen von regenerativ erzeugter Energie - das Netz im Huy ausbauen. Zudem soll die Versorgungssicherheit erhöht werden, indem das bestehende Mittelspannungs-Ringleitungsnetz im Huy ausgebaut wird und zusätzliche Anbindungspunkte ans Hochspannungsnetz erhält - die Volksstimme berichtete am 14. September ausführlich über diese Pläne.

Sturmbedingte Havarien wie das Zusammenschlagen von Seilen der Freileitungen dürften sich allerdings auch damit nicht gänzlich verhindern lassen.