Halberstadt l Auch ein Jahr nach Ende der Internationalen Bauausstellung 2010 (IBA) dreht sich in Halberstadt noch vieles um die "Kultivierung der Leere". Grund zum Feiern gab es für die Organisatoren nämlich auch noch ein Jahr danach: Die "IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010", an der sich 19 Städte des Landes, darunter auch Halberstadt, beteiligten, wurde mit einem internationalen Architekturpreis ausgezeichnet. Der "City to City Barcelona FAD Award" zeichnet urbane Prozesse aus, die eine positive Wirkung auf Städte und Regionen haben. Der international anerkannte Preis wird von der Stadt Barcelona und der FAD (Fostering Arts and Design), einer Organisation zur Förderung von Kunst, Design und Architektur, verliehen.

170 Projekte hatten sich um die Auszeichnung beworben, 29 kamen in die engere Wahl und zu den strahlenden Siegern gehörte am Ende der deutsche Beitrag.

Bevölkerungsschwund fordert Strategien für die Zukunft

Jens Klaus, Halberstadts Abteilungsleiter Stadtentwicklung, sieht sich und das Halberstädter IBA-Projekt dadurch bestätigt. Städtebaulich sei jahrelang ausschließlich Wachstum das Thema gewesen. Weil der Fokus der IBA auf sinkenden Einwohnerzahlen und den Umgang mit der so entstandenen Leere gelegen hätte, wären neue Wege beschritten worden. Denn, so Klaus: "Durch den Bevölkerungsschwund ist es nun umso wichtiger, Strategien für die Zukunft zu haben."

Dem pflichtete auch Oberbürgermeister Andreas Henke bei. "Die Themenstellung der IBA ist nach wie vor wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Hier geht es darum, wie kann ich nachhaltig mit der ¿Schrumpfung\' umgehen", so das Stadtoberhaupt. Die Auszeichnung mit einem Architekturpreis, der sich normalerweise nicht mit Leere und dem städtebaulichen Umgang mit ihr beschäftige, sei eine nachträgliche Bestätigung, dass sich das "zähe Ringen" gelohnt habe.

Alle beteiligten Städte haben eine Plakette bekommen, die sie als Preisträger kennzeichnet. In Halberstadt hat sich Henke dafür entschieden, diese Auszeichnung im Eingangsbereich des Rathauses aufzuhängen, wo sie jeder sehen kann.

Dass man im Stadtbild Halberstadts Folgen der IBA aber auch ganz praktisch sehen kann, freut Jens Klaus besonders. "Dieses Thema mit hohem intellektuellem Anspruch hat Spuren hinterlassen", sagt der Städtebauer. So nennt er beispielsweise den neuen WGH-Komplex in der Schmiedestraße, die Neugestaltung des Domhangs und die Pläne für den Abtshof, auch wenn letzterer noch nicht umgesetzt worden ist.