Heftig wird seit Monaten um die Zukunft des Nordharzer Städtebundtheaters gestritten und gerungen. Jürgen Jüling, Vorsitzender des Kulturausschusses des Stadtrates Halberstadt, fordert, dass der gesamte Harzkreis sich für den Erhalt der Kultureinrichtung engagieren müsse.

Halberstadt l Die Zukunft des Nordharzer Städtebundtheaters ist akut bedroht. Ab 2013 steht die Finanzierung auf tönernen Füßen. Sowohl der Landkreis Harz als auch die Städte Halberstadt und Quedlinburg haben den Rotstift bei den Zuschüssen für die Kultureinrichtung angesetzt. Andere Städte des Harzkreises ziehen eine Mitfinanzierung des Theaters erst gar nicht in Erwägung, obwohl sich das Haus als Spielstätte für die Harzregion aufgestellt hat.

"Wir, die Besitzer des Theaters, haben es in Schwierigkeiten gebracht ..."

"So geht es nicht weiter. Es ist nicht fünf vor 12, sondern bereits halb eins, wenn es um die Zukunft des Theaters geht", warnt Jürgen Jüling, Vorsitzender des Kulturausschusses des Stadtrates Halberstadt und Mitglied der Verbandsversammlung des Nordharzer Städtebundtheaters. Und eines müsse klar gestellt werden, "wir, die Besitzer des Theaters, haben es in Schwierigkeiten gebracht, weil wir das Geld streichen, das Theater hat sich nicht selbst in diese Lage manövriert", stellt der Linke-Politiker klar.

Vorschlägen, das Dreisparten-Theater zu beschneiden, also zum Beispiel nur Schauspiel in Quedlinburg oder nur Musik in Halberstadt, erteilt Jürgen Jüling eine klare Absage. "Das Haus hat nur eine Chance mit allen Sparten, etwas anderes würde nicht funktionieren." Vor allem müsse man begreifen, dass das Nordharzer Städtebundtheater ein Theater der Harzregion sei und dass dieses Kulturangebot eine Stärke der Region ist. Wenn es im Landkreis Harz ein Wir-Gefühl gebe, dann hätte man das schon längst begriffen, kritisiert der Halberstädter. Die Liebenswürdigkeit einer Region, die sie auch für Touristen aus nah und fern interessant mache, bestünde aus einer Vielzahl von Angeboten. "Wir können Gäste nicht nur mit frischer Luft für den Harzkreis interessieren. Doch wir kämpfen bisher gar nicht um den Erhalt des Hauses", kritisiert er. "Der Harz macht den Mund nicht auf."

"Wir können Gäste nicht nur mit frischer Luft für den Harzkreis interessieren."

Jürgen Jüling verlangt von allen Verantwortlichen mehr Fantasie im Kampf um den Fortbestand des Nordharzer Städtebundtheaters. Er könne sich gut vorstellen, dass man unter anderem die Kreismusikschule mit ins Boot nehmen könne. Auch der Vorschlag von Halberstadts ehemaligem Oberbürgermeister, Dr. Harald Hausmann, eine Kultur GmbH für den Harzkreis zu gründen, in dem das Theater fest verankert ist, sei ein guter Vorschlag. Damit könne man den gordischen Knoten vielleicht sogar lösen, um das Theater auf sichere finanzielle Füßen zu stellen.

Bislang finanzieren der Landkreis Harz (1,87 Millionen Euro), die Stadt Halberstadt (1,05 Millionen Euro) und die Stadt Quedlinburg (443 256 Euro) das Theater. Das Land Sachsen-Anhalt stellt jährlich nochmals 3,38 Millionen Euro zur Verfügung. Der Haushalt 2012 wird derzeit in der Zweckverbandsversammlung diskutiert.

Im Etat-Entwurf 2012 sind auch mehrere Ziele zur Aufrechterhaltung des Dreisparten-Theaters aufgeführt. Eine Kooperation mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode, wodurch eine Reduzierung der Anzahl der Musikerstellen im Zweckverband mögliche wäre, und eine Fusion mit dem Theater Eisleben, wozu bereits erste Verhandlungen geführt worden seien.