Die Wohnungsgesellschaft Osterwieck hatte gestern Geburtstag. Das zu 100 Prozent städtische Unternehmen wurde 20 Jahre alt.

Osterwieck l Mit Ruhe und Beharrlichkeit könnte man die Arbeit der Wohnungsgesellschaft Osterwieck (WGO) in den zwei Jahrzehnten beschreiben, nach außen agierte das kleine Unternehmen unaufgeregt und modernisierte oder renovierte Jahr für Jahr ganz nach seinen Möglichkeiten einen Teil seines Gebäudebestandes.

Sicher liegt das auch am Personal, alles Osterwiecker, man kennt sich in der kleinen Stadt. Die ersten zehneinhalb Jahre war Klaus Gille der Chef. Als er 2002 in den Ruhestand ging, übernahm Marita Krelle-Schmidt die Leitung. Sie war vorher schon Prokuristin. Doch eigentlich ist sie bereits seit 1973 dabei. Damals begann sie bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) zu arbeiten. Daraus ging nach der Wende die WGO hervor - streng genommen nur aus einem Bereich der KWV, aus dem anderen Bereich wurde der städtische Bauhof gebildet, der heute gleichfalls noch existiert.

Anfangs war die WGO eine reine Verwaltungsgesellschaft. Erst zum 1. Juli 1993 übertrug die Stadt Osterwieck ihre Wohnungen dem Unternehmen als Eigentum. Das war aber kein Geschenk, im Gegenzug übernahm die WGO die Altschulden der Stadt für Wohnungsbaumaßnahmen aus DDR-Zeiten. Schulden, die die WGO heute noch belasten.

370 Wohnungen besitzt die Gesellschaft derzeit. Seit kurzem gehören auch zwei Wohnblöcke in Dardesheim dazu, die sie der neugebildeten Einheitsgemeinde abgekauft hat. In Osterwieck selbst besteht das Eigentum aus 28 Mehrfamilienhäusern. Mehr als die Hälfte ihrer Wohnungen befinden sich in Plattenbauten.

Die WGO besitzt auch mehrere Fachwerkgebäude in der Altstadt - und hat hier innerhalb der Altstadtsanierung ihre Spuren hinterlassen. Erst dieses Jahr wurde mit der Sanierung des Ärztehauses, Kapellenstraße 26, ein Millionen-Vorhaben abgeschlossen. Nur die Kapellenstraße 29 war einst noch aufwendiger zu modernisieren.

Von einigen Gebäuden hat sich das Unternehmen im Laufe der Zeit auch getrennt, heute wartet im Sanierungsgebiet lediglich noch die Neukirchenstraße 17c auf eine Modernisierung.

Neben den eigenen Wohnungen verwaltet die WGO weitere 430 Wohnungen für Dritte. Das sind in Osterwieck selbst viele Privathäuser, in zehn Orten ringsherum vor allem kommunale Gebäude. Nach der jüngsten Gebietsreform kamen Gebäude in Dardesheim, Deersheim, Hessen, Rohrsheim und Zilly hinzu; vorher waren es schon Gemeindewohnungen in Berßel, Bühne, Lüttgenrode, Schauen und Wülperode. Die Arbeit erledigt das Unternehmen mit einer schlanken Verwaltung von fünf Mitarbeitern, davon zwei Teilzeitkräften.

Gesellschafter der WGO ist allein die Stadt Osterwieck, seit 2010 nun als Einheitsgemeinde. Wahrgenommen wird das vom Stadtrat in Form der Gesellschafterversammlung sowie einem kleineren Aufsichtsrat, der sich auch aus Stadtratsmitgliedern zusammensetzt.

Obwohl viel passiert ist, Aufgaben gibt es für das 20-jährige Unternehmen noch viele. Der Leerstand steigt stetig, die Stadt hat vor allem zu viele Plattenbauten. Doch zu einem Abriss konnte sich die WGO noch nicht durchringen, weil damit ohne einen gleichzeitigen Altschuldenerlass nichts gewonnen wäre.

Auch wenn immer mehr Mieter in die Altstadt ziehen, wollen Stadt und WGO den Plattenbaubereich Florian-Geyer-Straße nicht vergessen und arbeiten an einem Konzept zur Belebung dieses Stadtviertels. Auf der Einwohnerversammlung am 1. Februar soll über neue Ideen informiert werden.