Auf acht Jahre gemeinsamen Wirkens schauen in diesen Tagen die Mitglieder des Halberstädter Arbeitskreises gegen Sozialabbau. In der Bilanz ist einiges erreicht, aber es sind auch noch Wünsche offen.

Halberstadt l Als die Hartz-IV-Gesetze vorbereitet wurden, regte sich Widerstand in Deutschland. In Halberstadt fanden sich Gewerkschafter, Politiker und andere Interessierte in einem Arbeitskreis gegen Sozialabbau zusammen. "Die erste Demo am 8. Dezember 2003 führte spontan nach einer Kundgebung am Johannesbrunnen hoch zum Stadtzentrum", erinnert sich Marlies Jehrke. Die Spontanität zog Ärger mit dem Ordnungsamt nach sich, inzwischen sind alle Kundgebungen, Demos und Aktionen ordentlich angemeldet.

Im Vier-Wochen-Rhythmus traf man sich dann in der Innenstadt, informierte zu den bevorstehenden Änderungen. Die 2000 Teilnehmer einer Demonstration durch die Kühlinger Straße erreichen die Aktionen schon lange nicht mehr, sagen Jehrke und Peter Dierich. Aber resigniert, nein, das hätten sie nie. "Vielleicht schämen sich manche Betroffene, seit man sie in der kleiner gewordenen Schar eher erkennen kann", mutmaßt Jehrke. "Oder sie befürchten Probleme mit möglichen späteren Arbeitgebern", ergänzt Peter Dierich. Nicht immer werde es gemocht, wenn sich jemand für die "Unterschicht" einsetzt.

Noch immer halten sich hartnäckig Vorurteile, wissen die beiden Halberstädter zu berichten. "Aber längst nicht jeder Langzeitarbeitslose ist ein Faulenzer oder gar ein Säufer, wie es gern gesagt wird. Und es ist auch nicht so, dass man ruck,zuck einen neuen Job bekommt", sagt Jehrke.

Lange Zeit begleitete der DGB die Aktionen, bot Weiterbildungen an, beschaffte die notwendigen Informationen. Jetzt mache sich bemerkbar, dass der DGB vor Ort nur noch eine Außenstelle ist, die Zusammenarbeit ist ein bisschen komplizierter geworden.

Stolz sind die Mitglieder des Arbeitskreises auf Aktionen wie den "Gorilla im Zentrum", als sie zu einem Weltspartag zeigten, wieviel Geld einem Hartz-IV-Empfänger am Tag zusteht, was das für das Essen und anderes bedeutet. Auch der "Unterschichtenball" sorgte für Furore und ihr Engagement, als es mit der KoBa Jobcenter Harz in den Anfangszeiten viele Probleme gab. "Inzwischen sitzen wir in größeren Abständen mit KoBa-Chef Dirk Michelmann an einem Tisch und klären viele Fragen direkt", berichtet Jehrke. So sei es unter anderem gelungen, die Beachtung des Datenschutzes zu verbessern. "Manches ändert sich aber nur sehr zäh", sagt Dierich. Beide bemängeln die Atmosphäre im Jobcenter Halberstadt - lange Warteschlangen, keine Sitzmöglichkeiten und jeder bekommt mit, was vorne am Schalter besprochen wird. Einen großen Wunsch haben beide: eine unabhängige Beratungsstelle, in der Bescheide erklärt oder Ansprüche erläutert werden. "In Berlin gibt es schon Bescheid-Erklärer, notwendig wäre so etwas aber auch für die Menschen hier."