Die Deersheimer Peter-und-Paul-Kirche ist wieder bekrönt. Zum Abschluss der Turmdachsanierung wurden Kugel und Wetterfahne aufgesetzt.

Deersheim l "Joachim" meinte es gut mit den Deersheimern. Der Sturm legte am Freitagnachmittag eine Pause ein, als die restaurierte und nun goldene Bekrönung auf die Turmspitze der Deersheimer Peter-und-Paul-Kirche gesetzt wurde.

Groß war das Interesse der Deersheimer an diesem Festakt. Der Peter-und-Paul-Verein, der die Turmsanierungsarbeiten in Auftrag gab, lud die Einwohner ins Dorfgemeinschaftshaus ein, wo sie die Bekrönung und auch die Dokumente, die später in die Kapseln kamen, aus nächster Nähe begutachten konnten.

Vereinsvorsitzender Rüdiger Brandt zeichnete nochmal den langen Weg bis zur Turmsanierung auf. Von 2007 an hatte der kleine Verein drei Förderanträge ans Land gestellt, aber stets ohne positiven Bescheid. Als Lotto Sachsen-Anhalt im Jahr 2010 39 000 Euro bewilligte, kam der Stein ins Rollen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schloss sich mit 40 000 Euro an, das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten mit 70 000 Euro, und letzte Finanzierungslücken schlossen die Harzsparkasse mit 10 000 Euro und der Landkreis Harz mit 5000 Euro. Rüdiger Brandt vergaß aber auch nicht die Deersheimer zu erwähnen, die auf Benefizaktionen für die Turmsanierung spendeten, beispielsweise durch den Kauf von 141 Schiefertafeln, die von den Spendern namentlich gekennzeichnet wurden und nun ans Turmdach genagelt sind.

Am 21. September, nachdem noch einige bürokratische Hemmnisse überwunden waren, erfolgte der Startschuss für die Turmsanierung. "Wir hatten Glück mit dem Wetter", atmete Brandt auf. Das Turmdach ist seit Freitag fertig, nun folgen noch Restarbeiten am Mauerwerk.

"Dieser Auftrag war für mich ein absoluter Höhepunkt", bekannte der Deersheimer Bauunternehmer Reinhold Eichloff. Das sicher im doppelten Sinne, denn in so luftiger Höhe arbeiten seine Maurer und Zimmerleute nur selten. "Es war ein schwieriges Arbeiten auf kleinstem Raum." Für die Turmschieferarbeiten holte er sich mit Walter Meyer einen Spezialisten aus Wernigerode.

"Sie sind noch nicht fertig, Herr Brandt", dämpfte Architekt Helmut Urbisch ein klein wenig die Euphorie. Wenn der Wunsch der Deersheimer, dass die großen Turmglocken wieder läuten, erfüllt werden soll, müsse der Glockenstuhl repariert werden. Was aber weniger als die 174 000 Euro dieses Bauabschnitts kosten wird.

Als Anfang November die Bekrönung vom Turm genommen wurde, fanden die Deersheimer darin Dokumente von 1901 und 1963, verstaut in einer Hülse. Fortan ruhen zwei Hülsen in der Kugel auf der Turmspitze. Zum einen mit den alten Dokumenten bzw. deren Kopien, zum anderen mit aktuellen Dorfbeschreibungen, Fotos und Zeitungen. "Die alten Dokumente werden wir nochmal in der Kirche ausstellen", kündigte Walter Hirschelmann vom örtlichen Arbeitskreis für Geschichte und Kultur an. "Dann kann sie sich jeder in Ruhe anschauen." Einiges Spannende habe er den alten Schriftstücken schon entnommen. So soll es 1889 und 1891 größere Überschwemmungen im Dorf gegeben haben, und bei der Turmdachreparatur 1901 sei ein Handwerker aus Dardesheim abgestürzt.

Installateurmeister Alfred Unger verschloss die beiden Dokumentenhülsen - wie alle hoffen - für die nächsten hundert Jahre.

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