Halberstadt l Für zwei Stunden ließ sich am Sonntagabend ein begeistertes Publikum im ausverkauften großen Haus des Nordharzer Städtebundtheaters von Wil Salden und seinen Musikern in die 1940er Jahre entführen.

Die gutgelaunten Musiker des "The World Famous Glenn Miller Orchestra", so der volle Name, korrekt mit Anzug, Fliege und Einstecktuch bekleidet, und die Sängerin Anna-Maria Nitschke gestalteten mit "In the Miller Mood" ein Konzert, bei dem Liebhaber der Swing-Musik im Speziellen und die Glenn Millers im Besonderen voll auf ihre Kosten kamen. Die unverwechselbare "Moonlight Serenade", die zunächst vom Band erklang, bis das Orchester seine Plätze eingenommen hatte, stimmte das Publikum gleich zu Beginn des Abends auf den einmaligen Glenn Miller Sound ein. Neben so bekannten Evergreens wie "A String Of Pearls", "Little Brown Jug", "Pennsylvania 6-5000", "Tuxedo Junction", "The Saint Louis Blues March" waren auch weniger bekannte Titel von Miller zu hören. So zum Beispiel "V-Hop", bei dem nicht nur die Finger der Musiker auf der Bühne schnipsten, sondern auch manche Besucher Mühe hatten, einigermaßen still auf ihrem Platz zu sitzen.

Mit viel Szenenapplaus wurden die Soli der perfekt spielenden Musiker bedacht, die in wechselnder Folge an der Bühnenrampe ihr Können zeigten. Zu den Höhepunkten gehörte zweifellos "Four Brothers" von den vier Saxofonisten mit Wechselsoli geblasene.

Vervollständigt wurde die von der Volksstimme präsentierte musikalische Reise in das vergangene Jahrhundert durch Kompositionen anderer Bandleader aus den 1940er Jahre wie Harry James, Ray Anthony und Benny Goodman.

Anna-Maria Nitschke erinnerte mit ihrer warmen, dezent swingenden Alt-Stimme an Ella Fitzgerald, Helen Forrest und Doris Day. Mit "somewhere over the rainbow" eroberte sie endgültig die Herzen der Zuhörer. Die Moonlight Serenaders setzten mit ihr zusätzliche gesangliche Akzente.

Der Show kam zugute, dass die Bandmitglieder nicht steif vor ihren Noten saßen, sondern auch für gelegentliches Schmunzeln sorgten, unter anderem, wenn sie Schalldämpfer nutzten, die wie rote Hütchen aussahen. Oder wenn die blitzenden Posaunen, Saxofone und Trompeten, wenn sie nicht gerade geblasen werden, auch zum effektvollen Schwenken und ein wenig zum Paradieren dienten. Dafür gab es manchen Zusatzbeifall.

Beim Ohrwurm "In the Mood" verließen die Posaunisten sogar die Bühne und stiegen bis in die obersten Ränge des Theaters hinauf. Auch der Saxofonist Peter Peuker sorgte für so manchen Lacher im Publikum.

Wie das Orchester mit der "Moonlight Serenade" das Konzert eröffnete, endete es auch traditionell mit diesem Titel. Doch Beifall über Beifall, es wurde mit den Füssen getrampelt und stehende Ovationen des Publikums forderten Zugaben von Wil Salden und seinen Musikern. Und dabei durfte natürlich der bereits lange erwartete "Chattanooga Choo Choo" nicht fehlen.

Heiter gestimmt, die eine oder andere Melodie des Abends summend, verließen die Zuhörer das Städtebundtheater. Das Konzerterlebnis "In the Miller Mood" wird in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen des einmaligen "Miller-Sounds". Für viele Besucher war der Auftritt von Wil Salden und seinem exzellenten Orchester eine Wiederbegegnung mit der Musik ihrer Jugend.