Diskutiert haben Bauausschuss und Einwohner über die Errichtung von Klein-Biogasanlagen am Ortsrand von Calvörde und Klüden. Anwohner befürchten Lärm- und Geruchsbelästigungen. Außerdem sei der Eingriff in die Natur zu groß. Mehrheitlich hat der Ausschuss grünes Licht für die Bauvorhaben gegeben.

Calvörde/Klüden l "Es besteht ein öffentliches Interesse, wenn es sich um den Bau von Biogasanlagen handelt, die letztendlich die Menschen, die Natur und die Umwelt beeinflussen", sagte Wolfgang Eggers, Bewohner von Calvörde, in der Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Calvörde. Dabei bezog sich Eggers auf zwei Bauanträge, die ursprünglich im nichtöffentlichen Teil der Zusammenkunft behandelt werden sollten.

Bauausschussvorsitzender Olaf Schmidt (CDU) entsprach mit Zustimmung der Ausschussmitglieder der Forderung auf Öffentlichkeit und änderte die Tagesordnung. "Es sind zwei Biogasanlagen, die Landwirte errichten wollen. Die Landwirte wollen Gülle verarbeiten", sagte Schmidt.

Entstehen sollen die Anlagen zum einen außerhalb von Calvörde in Richtung Zobbenitz und zum anderen außerhalb von Klüden in Richtung Roxförde. "Es sind Kleinanlagen, die ausschließlich der Güllevergärung dienen. Die Leistung der Anlagen beträgt 75 Kilowatt - das ist eigentlich sehr gering. Die Gärreste sollen in die bestehende Gülleanlage umgepumpt werden. Der Geräuschspegel darf maximal nachts 45 Dezibel betragen", erklärte Schmidt. Die anfallende Wärme wollen die Landwirte selbst nutzen. "Die Anlagen sind wegen ihrer Größe nach der 4. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) nicht genehmigungspflichtig. Durch die Anlagen wird konfessionelle Energie gespart. Das heißt, die Kohlendioxid-Bilanz verbessert sich und die Methanemission der vorhandenen Gülleanlage wird deutlich reduziert", sagte Schmidt.

Eggers meinte hingegen: "Dieses Vorhaben soll wieder einmal landwirtschaftliche Fläche kosten. Wenn man das Naturschutzgesetz Sachsen-Anhalt nimmt, darf keine landwirtschaftliche Fläche dafür genutzt werden, wenn es Alternativen gibt." Und so eine Alternative gäbe es seiner Meinung nach, wenn eine Fläche im Calvörder Gewerbegebiet für das Vorhaben genutzt wird. "Da, wo die Anlage gebaut werden soll, ist auf der östlichen Seite die Grenze vom Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet Klüdener Pax-Wanneweh nur etwa 50 bis 100 Meter weit weg. Auf der südwestlichen Seite liegt das Vorhaben vom Natura 2000-Gebiet knapp 100 Meter weit weg", beschrieb Eggers und ergänzte: "Diese Naturschutzzonen haben noch einen Ruheraum, der überschneidet sich. Wir müssen die Natur ernst nehmen, sonst schlägt sie furchtbar zurück." Auf Grund von naturschutzrechtlichen Bestimmungen könne gar kein Bau genehmigt werden.

"Die Waldohreulen, Schleiereulen und Käuzchen, die wir hier haben, die brauchen abends Ruhe, um ihre Paarungspartner zu finden. Außerdem brauchen die Eulen Stille, um die Geräusche der Mäuse und der anderen kleinen Nager als Nahrung zu finden. Das ist bei 45 Dezibel in der Nacht nicht möglich", ist sich Eggers sicher und betonte: "Uns Menschen trifft der Lärm ja auch 365 Tage im Jahr 24 Stunden lang. Das ist doch erschreckend." Der Ausschussvorsitzende entgegnete: "Wenn Pkw vorbeifahren, ist die Geräuschbelastung viel höher."

Ein weiterer Kritikpunkt von Eggers ist, dass die Ausgleichs- und Eingriffsregelung nicht korrekt beachtet wird. "Pro Quadratmeter bebauter Fläche müssen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durchgeführt werden. Wer Natur verbraucht, muss Natur ersetzen", weiß Eggers. Er ist sich beim Blick auf die gesetzlichen Regelungen sicher, dass es in den Unterlagen bei der Berechnung grobe Fehler gibt.

Außerhalb des Geländes gäbe es laut Schmidts Ausführungen keine Geruchsbelästigung. "Die Geruchsbelastung wird als sehr gering eingeschätzt", sagte er. "Die Abfallprodukte stinken mörderisch", entgegnete Eggers.

Eggers fragte außerdem, woher die Gülle kommt? Er befürchtet, dass es einen Gülle-Tourismus aus Holland geben könnte. "Verarbeitet werden mindestens 51 Prozent Gülle aus dem eigenen Betrieb. Die restliche Gülle kommt aus umliegenden Betrieben", versicherte Schmidt und rechnete vor: "Etwa 26 Kubikmeter umfasst die Anlage. 51 Prozent muss der Landwirt selbst verarbeiten. Übrig bleiben etwa 13 Kubikmeter. Das ist ein Tankwagen pro Tag."

Mehrheitlich gab der Bauausschuss grünes Licht für die Errichtung der Biogasanlagen. "Jetzt prüft und genehmigt der Landkreis Börde die beiden Bauanträge. Wer Bedenken hat, soll sich an den Landkreis wenden. Das ist nicht unsere Aufgabe", so Schmidt.