Ausnahmezustand herrscht in Bösdorf. Die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Bösdorf/Rätzlingen und Umgebung haben zu den traditionellen Fahrsporttagen eingeladen. Über 100 Gespanne haben viel Geschick und Ausdauer gezeigt. Mehr als 80 Helfer waren im Einsatz.

Von Anett Roisch

Bösdorf l Turnieratmosphäre ist bei den Bösdorfer Fahrtagen und bei den Landesmeisterschaften in fast allen Ecken des Drömlingsdorfes zu spüren. Überall sind PS-starke Gefährte unterwegs. Rasante Fahrer hinterlassen große Staubwolken, so dass den Zuschauern der Atem stockt. Auf den Parkplätzen stehen die Blechkarossen dicht gedrängt, alles strömt in Richtung Turnierplatz. Hochkonzentrierte Gesicher bei den Gespannfahrern und ihren Teams. Für die Gastgeber ist das Turnier trotz Routine immer wieder eine Herausforderung.

"Alles läuft nach Plan. Es sind über 100 Gespanne. Es gab bisher keine Unfälle", freut sich der Vorsitzende des Vereins, Michael Müller. "Ohne die vielen Helfer, Freunde und Sponsoren würden diese Veranstaltungen nicht funktionieren", weiß Müller. Der Vereinschef lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und koordiniert mit Handy und Funkgerät den Ablauf auch aus der Ferne. Einige seiner Leute fahren mit Elektrorollern von einem Hindernis zum anderen, um aktuelle Neuigkeiten und Zwischenergebnisse auszutauschen.

Auf den Zuschauerplätzen werden kräftig die Daumen gedrückt. Fachgesimpel, wo man geht und steht. Reges Treiben herrscht auch am Kuchen- büfett. Genussvoll stopfen sich die Gäste mit den Köstlichkeiten voll, die die Frauen des Vereins und der beteiligten Orte gebacken hatten. Vom eigent- lichen Turnier kriegen viele der Helfer nichts mit. Dafür die Besucher entlang der Strecke um so mehr. Die Gäste erleben die Faszination Fahrsport hautnah. Am beliebtesten ist der Parcours am Ortseingang. Dort jagen die Fahrer mit ihren Pferden unerschrocken durch Wassergräben. Detlef Brandtner und seine Lebensgefährtin Kathrin Scholz aus Wolfsburg gehören zu den Stammgästen. Sie haben sich ihre Campingstühle mitgebracht. Die meisten Pferdefreunde brauchen keine gepolsterten Stühle. Sie gehen die Strecke ab und warten vorallem auf die heimischen Fahrer. Zu ihnen gehört der 17-jährige Markus Stottmeister. "Markus hat ein Hindernis mit Kühen auf dem Papier entworfen", sagt der Vereinschef und zeigt auf die lebensgroßen Kühe und auf die Bretter des Hindernisses, die genauso gefleckt gemalt sind, wie die Schwarz-Weiß-Gefeckten auf der Weide.

Markus Stottmeister ist nicht nur mit seinem Pony-Vierspänner Gewinner im Hindernisfahren, sondern er belegt auch in der Dressur den fünften und in der Kombi-Prüfung den zweiten Platz. Erstmals ist Markus auch mit den Vierspänner-Großpferden gefahren und in der Dressur platziert. Auch der Bösdorfer Eckhard Weißgerber vom heimischen Verein ist erfolgreich mit seinem Pony-Zweispänner unterwegs. Klaus-Dieter Gärtner aus Uelzen, der für den Bösdorfer Verein startet, wird mit seinem Zweispänner Vizemeister des Landes Sachsen-Anhalt.

Jörg Stottmeister, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, ist mit dem Zweispänner der Pferde die Prüfungen A und M mitgefahren. In der Jugendprüfung unter 16 Jahren fährt Amelie Müller, die Tochter des Vereinschefs, auf den Siegerplatz. Auf den dritten Platz kämpft sich Tom Stottmeister.

Nicht an den Start geht Jacqueline Heinecke. "Jacqueline bekommt in sechs Wochen ihr Baby und macht deshalb eine Pause", erklärt Jörg Stottmeister und ergänzt mit dem Blick in die Zukunft: "Das Lob der anderen Gespannfahrer hat uns beflügelt, dass wir im nächsten Jahr wieder eine Fahrsportveranstaltung organisieren werden."

 

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