Im Schwimmbad des Bodelschwingh-Hauses Wolmirstedt ist es am Mittwoch zu einem Unfall mit ätzendem Chlorgas gekommen. Ein Mitarbeiter des Schwimmbades hatte offenbar zwei Chemikalien verwechselt. Zwei Menschen erlitten eine Atemwegsreizung. Kräfte von Feuerwehr, ABC-Fachdienst, Polizei sowie Rettungsdienst waren im Einsatz.

Wolmirstedt l Weil ein Mitarbeiter offenbar zwei Behälter mit Chemikalien vertauscht hat, ist im Schwimmbad des Bodelschwingh-Hauses am Mittwochmorgen stark ätzendes Chlorgas ausgetreten. "Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter vom Behindertensportverband, der das Schwimmbad betreibt, wollte Chlor auffüllen und hat dabei wahrscheinlich die Behälter verwechselt", erklärte Bernadette Olma, Pressesprecherin der Behinderteneinrichtung.

"Wir wissen noch nicht genau, was zusammengekippt worden ist. Das ist das Schwierige."

Kai Pluntke, Kreisbrandmeister Landkreis Börde

Daraufhin sei es zu einer starken chemischen Reaktion gekommen, bei der das gefährliche Chlorgas freigesetzt wurde.

Die Feuerwehr sperrte das Gelände im Umkreis von 30 Metern rund um den Unfallort ab. Insgesamt 17 Fahrzeuge und 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr Wolmirstedt sowie des Fachdienstes ABC des Landkreises Börde, dazu Polizeiautos und Krankenwagen waren seit 9.10 Uhr im Einsatz. In blauen, luftdichten Chemieschutzanzügen und schwerer Atemschutztechnik betraten Einsatzkräfte den Technikraum des Therapie-Schwimmbades im Haus 3 der Einrichtung. Sie lüfteten und trugen insgesamt fünf Behälter mit Chemikalien ins Freie.

"Wir wissen noch nicht genau, was zusammengekippt worden ist. Das ist das Schwierige", sagte Kreisbrandmeister Kai Pluntke. Laut Polizei hat der Schwimmbad-Mitarbeiter das Chlor vermutlich mit einem Reinigungsmittel gemischt. Beispielsweise mit einem Flockungsmittel: Mit diesem werden Schmutzpartikel im Wasser zusammengelagert, so dass sie besser herausgefiltert werden können. Aber auch Behälter mit Säuren - ebenfalls zur Reinigung des Wassers gedacht - haben sich laut Kreisbrandmeister Kai Pluntke in dem Raum befunden. Das Stoffgemisch solle nun über eine Chemie-Fachfirma untersucht werden.

Während Feuerwehr und ABC-Fachdienst noch im Einsatz waren, trafen auch drei Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht Magdeburg am Unfallort ein. "Es gab eine Fehlbedienung, die nicht hätte passieren dürfen", sagte Dezernatsleiter Dietrich Probst. "Wir sind dabei, zu prüfen, ob eine Gefahrenbeurteilung des Arbeitgebers mit bestimmten Betriebsanweisungen vorliegt - ob zum Beispiel die Behälter richtig gekennzeichnet sind."

Eine Gefahr für die Umwelt aufgrund des ausgetretenen Chlorgases habe laut Gewerbeaufsicht zu keinem Zeitpunkt bestanden. "Chlorgas ist schwerer als Luft. Es hat sich am Boden des Kellers gesammelt und konnte sich nicht ausbreiten", sagte Dezernatsleiter Dietrich Probst. Neben dem ehrenamtlichen Mitarbeiter vom Behindertensportverband habe auch ein Beschäftigter des Bodelschwingh-Hauses eine Atemwegsreizung erlitten und wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei hat deshalb die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Unfallverursacher aufgenommen. Weiter sei glücklicherweise niemand verletzt worden, sagte Bernadette Olma. "Die Bewohner befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon in den Werkstätten", erklärte sie. Gegen 13 Uhr war der Einsatz beendet. Die Bewohner durften nach ihrer Arbeit wieder in ihre Zimmer zurück.

 

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