Anwohner von Klüden, Dorst und Zobbenitz sind empört über Geruch von Gülle und Gärresten. Sie befürchten, dass eine intensive Landwirtschaft die Qualität des Grundwassers in der Region stark beeinträchtigt. Ein Vororttermin des Umweltamtes hat ergeben, dass keine Verstöße vorliegen.

Zobbenitz l "Gärreste und auch Gülle werden per Schiff nach Bülstringen und dann per Lkw in unsere Region transportiert. Diese Gärreste wurden auf die alten Siloanlagen der LPG-Nachfolgebetriebe in den umliegenden Orte verteilt. Immer wenn es die Vegetation zulässt, werden diese Flüssigkeiten ausgebracht. Die Geruchsbelästigung ist groß", fasste Heinrich Aderholz aus Zobbenitz, sachkundiger Einwohner im Bauausschuss der Gemeinde Calvörde, seine Beobachtungen zusammen.

Groß sind die Befürchtungen, dass die Gülle sogar aus Holland angefahren wird. Sensibilisiert auf dieses Thema habe ihn ein Volksstimme-Artikel "Gülle belastet Grundwasser" vom 1. August 2013. Dort war zu lesen, dass von den 520 Grundwassermessstellen in Sachsen-Anhalt jede Fünfte in den vergangenen Jahren überhöhte Nitratwerte verzeichnet. Das hatte Jeanette Tandel, Sprecherin im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, auf Volksstimme-Anfrage mitgeteilt. "Demnach gibt es laut Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Uthmöden in Sachsen-Anhalt die höchste Nitratbelastung von 367 Milligramm pro Liter und in Ellersell in Höhe von 178", sagte Aderholz. Auffällige Werte, bei denen deutlich mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser gemessen werden, kommen demnach im ganzen Land vor. Häufungen gibt es allerdings im Landkreis Börde und mehreren Kreisen im Süden Sachsen-Anhalts.

"Wir machen uns große Sorgen, dass der Nitratgehalt auch in unserem Grundwasser ansteigt, und dass wir durch diese Überdüngung unser eigenes Grundwasser nicht mehr nutzen können", ergänzte Aderholz. Große Bedenken hat auch Erwin Schoof, Ortsteilbeauftragter in Klüden. "Wir können die Gülletransporte und die für Klüden geplante Biogasanlage nicht einfach so hinnehmen."

Nach Aderholz Wissen seien es nicht nur die Holländer, die viel zu viel Gülle auf die Äcker und Wiesen bringen. "Ich kann auch unsere Landwirte verstehen, dass sie die preiswerte Gülle als Dünger nutzen. Aber das kann nicht zu Lasten des Grundwassers gehen."

Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) nahm die Bedenken der Bürger ernst und bat das Umweltamt des Landkreises um Rat.

Durch Mitarbeiter des Fachdienstes Natur und Umwelt des Landkreises fand daraufhin eine Vorortkontrolle statt. "Es wurde nichts festgestellt. Ein Eingreifen der Behörde ist nicht notwendig. Das heißt, die Gülleausbringung, die stattfindet, ist zulässig und in Ordnung. Es gab auch keine übermäßige Geruchsbelästigung. Es ist nun mal so, dass wenn Gülle ausgebracht wird, es auch nach Gülle riecht. Dafür sind wir nun mal im ländlichen Raum", sagte Dieter Torka Leiter vom Fachdienst Natur und Umwelt. Es gäbe keine Hinweise darauf, dass es sich um Gülle aus Holland handelt. "Es gibt holländische Landwirte, die hier ansässig sind, die sich auch holländischer Fahrzeuge bedienen. Sie fahren aber nur die Gülle aus ihren Ställen auf das Feld. Dort wird die Gülle in ein Ausdüngungsfahrzeug umgeladen. Alles andere wäre auch nicht zulässig. Da hätte es ein Zulassungsverfahren über die Bundesbehörde geben müssen", erklärte der Leiter des Umweltamtes.

Der Bülstringer Hafen habe eine Zulassung für die Verladung von Düngemitteln. "Dort werden Gärreste aus einer Biogasanlage in Nordrhein Westfalen, die auch Düngemittel sind, antransportiert, entsprechend umgeladen und ordnungsgemäß auf die Flächen aufgebracht. Das sind zugelassene Mengen. Es gibt entsprechende Abnahmeverträge mit den ansässigen Landwirten. Darin stehen genau die Mengen und Flächen. Das ist momentan alles so in Ordnung", betonte Torka.

Zu den Plänen für die Errichtung der Biogasanlage in Klüden sagte der Fachdienstleiter: "Die Anlage, die dort entstehen soll, wird eine reine landwirtschaftliche Biogasanlage. Das heißt, dass dort nur die Gülle, die auf dem gleichen Grundstück befindlichen Rindermastanlage anfällt, verarbeitet werden darf." Das Genehmigungsverfahren läuft noch.

"Aufgrund der Zunahme der Biogasanlagen fallen eben auch sehr viel mehr Gärreste an als früher. Es sind mehr Transporter unterwegs. Das sehen und riechen natürlich die Leute", erklärte er. Aderholz betonte: "Wir haben ja noch Viehbestände in Calvörde, Klüden und noch an einigen Orten mehr. Zusätzlich gibt es noch die große Biogasanlage in Satuelle, wo auch Gärreste produziert werden. Zusätzlich kommen dann noch Tanker von sonst wo her. Damit sind wir nicht einverstanden. Das Umweltamt ist zwar aktiv, aber die können ja nicht überall sein." Deshalb müssten - nach Aderholz Ansicht - die Bürger weiterhin wachsam sein. "Wir haben schließlich auch eine gewisse Verantwortung für die nachfolgenden Generationen", so der Zobbenitzer.