Bodendorf l "Ich bin ein Russenkind!" Dieser Satz kommt Katharina Gumz ganz selbstverständlich über die Lippen. Dass sie eines ist, war im Nachkriegsdeutschland jedoch alles andere als selbstverständlich. Davon erzählt sie in ihrem Buch "Nachkriegswehen".

Es ist das erste Buch, das die gebürtige Walbeckerin, die heute im Süplinger Ortsteil Bodendorf lebt, geschrieben hat. Und das, obwohl sie schon seit gut 30 Jahren Gedichte und Geschichten zu Papier bringt. Sie ist Mitglied im "Haldensleber Schreibzirkel", trifft sich dort regelmäßig mit Gleichgesinnten zum Erfahrungsaustausch. "Von meinen Freunden habe ich vieles dazugelernt", sagt Katharina Gumz.

Dass "Nachkriegswehen" erst ab Januar dieses Jahres und nicht schon eher entstanden ist, sei beabsichtigt gewesen, erklärt sie. "Die Geschichte, meine Geschichte, die liegt schon lange da. Aber ich hatte sie mir als Einführung in ,mein literarisches Schaffen` vorgenommen. Das war von Anfang an so geplant."

Auf knapp 60 Seiten zeichnet die Hobbyschriftstellerin das Leben ihrer Heldin nach und gibt damit auch gleichzeitig einen kleinen Einblick in das Leben in der damaligen sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR. Dass ihre Heldin Katharina heißt, sei kein Zufall, betont sie: "Ein Teil von Katharina bin ich selbst. Doch es ist keine Autobiografie. Ich habe zwar vieles einfließen lassen, das ich selbst erlebt habe, aber auch, was mir andere Leute in diesem Zusammenhang erzählt haben. Und es ist ebenso viel Gesponnenes dabei."

Die Roman-Katharina wird - genau wie die Autorin - 1947 geboren und ist das Ergebnis einer Liebe zwischen der 18-jährigen Johanna und Gregor, einem Offizier der Roten Armee. Doch solch ein Verhältnis ist nach dem 2. Weltkrieg alles andere als gern gesehen, wird vielmehr als Schande betrachtet. Das bekommt die kleine Katharina, das "Russenkind", fast täglich zu spüren, ohne den Grund dafür zu kennen. Von ihrer Mutter zurückgelassen, den Vater nie zu Gesicht bekommen, wächst das Mädchen bei den Großeltern auf und sucht mit christlichen und sozialistischen Geboten ihre eigenen Werte in der DDR. Und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater...

"Ich habe das Buch für die Heimat geschrieben"

Katharina Gumz

"Ich habe mit dem Buch meine Seele aufgeräumt", erklärt die Bodendorferin. Den ersten Schritt dazu hatte sie aber bereits vor einigen Jahren getan. Für das Buch "Bankerte! - Besatzungskinder in Deutschland nach 1945" hat Katharina Gumz ihre Lebensgeschichte der Autorin, Historikerin Silke Satjukow, geschildert. Dieses Auseinandersetzen mit der eigenen Geschichte sei letzendlich ausschlaggebend für "Nachkriegswehen" gewesen, meint Gumz.

An den Pranger, so betont sie, wolle sie niemanden stellen. "Ich habe das Buch für die Heimat geschrieben", versichert sie. Auch deshalb plant sie eine Lesung in Walbeck, in dem Ort, in dem sie geboren wurde und ihre Kinder- und Jugendzeit verbracht hat - dort, wo sie "Tatarenkind" und ihre Mutter "Russendirne" gerufen wurde. Auch im Haldensleber Mehrgenerationenhaus EHFA ist eine Lesung geplant.

100 Exemplare sind von "Nachkriegswehen" in der Erstauflage gedruckt worden. "Dafür habe ich finanzielle Unterstützung vom Landkreis bekommen", möchte sich Katharina Gumz auf diesem Weg bedanken. Ebenso bei ihrem Verlag aus Nienburg, mit dem sie schon seit mehreren Jahren gut zusammenarbeite, wie sie betont.

"Nachkriegswehen" von Katharina Gumz, ISBN 978-3-939667-31-5, ist im Haldensleber Bücherkabinett sowie in Apotheken in Haldensleben erhältlich.