Die Sanierungsarbeiten am Deich sind inzwischen in die Gemarkung Wolmirstedt vorgedrungen.

Wolmirstedt l Tag für Tag bringen Traktoren auf ihren Anhängern Kies aus dem Barleber Kieswerk zum Elbdeich nach Glindenberg. 190 000 Tonnen werden sie bis zum Jahresende an der 2440 Meter langen Baustelle abgekippt haben. Eine unvorstellbar große Menge, sie entspricht 190 Millionen Tüten Zucker, wie er im Supermarkt steht.

Mit dem Kies wird der bestehende Deich vergrößert. Der Deichfuß wird landseitig um 12 bis 15 Meter erweitert und schlussendlich etwa 30 Meter breit sein. Die Endhöhe wird drei bis vier Meter betragen. Der gesamte Stützkörper des Deiches soll bis Jahresende stehen. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, sagt Burkhard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Nicht zuletzt steht das zumeist trockene Wetters der vergangenen Wochen für den stetigen Baufortschritt Pate.

Die Entscheidung, den Kies mit Traktoren anfahren zu lassen, hat einen pragmatischen Grund. "Wir können damit direkt auf den Deich ins Baufeld hinein fahren und den Kies an Ort und Stelle abladen", sagt Helge Reymann, der Projektverantwortliche des LHW. An anderen Deichabschnitten wurde der Kies von den Lkw vor der Baustelle abgekippt, anschließend auf Dumper verladen und auf dem Deich verteilt. Dieser Zwischenschritt des Abkippens und Wiederaufladens entfällt nun.

Steht der Deichkörper, werden im neuen Jahr die Deichwege gebaut. Etwas unterhalb der Deichkrone wird die Berme, ein drei Meter breiter Deichverteidigungsweg, entstehen. Darauf können im Hochwasserfall schwere Einsatzfahrzeuge wie Sattelschlepper fahren. Die Krone selbst wird weniger belastbar gestaltet. Sie bekommt einen zwei Meter breiten asphaltierten Kronenkontrollweg, der zwar im Ernstfall auch Fahrzeuge trägt, aber hauptsächlich für Kontrollgänge dient. Damit wäre der Deich DIN-gerecht ausgebaut. Ende April soll es soweit sein. Dann kann sich Glindenberg sicher fühlen.

Ursprünglich war der DIN-gerechte Ausbau des Deiches gerade in diesem Deichabschnitt 2c nicht vorgesehen. Da er direkt durch den Wald führt, sollte Hochwasser von einer Spundwand in Schach gehalten werden. Das sollte das Fällen vieler Bäume vermeiden.

2013 war der Deich weich wie Pudding

Das Juni-Hochwasser 2013 hat jedoch eines Besseren belehrt. Die drohende Überflutung Glindenbergs, der stark durchweichte Deich, der das Gefühl gab, auf einem Pudding zu gehen, und nicht zuletzt der Deichrutsch am Kilometer Sechs, haben alle Entscheidungsträger für den DIN-gerechten Ausbau des Deiches plädieren lassen.

Der Abend des 12. Juni 2013 ist fest ins kollektive Gedächtnis der Glindenberger gebrannt. Sirenen heulten, Einsatzfahrzeuge rauschten durchs Dorf, wer noch da war, sollte evakuiert werden. Manche weigerten sich. Es ging gut aus, der Deich hielt, aber es war verdammt knapp.

Am Kilometer Sechs war in den Abendstunden gegen 18 Uhr des 12. Juni 2013 ein Stück Deich abgerutscht. Der Deich drohte zu brechen. Besonders in diesen Stunden wurde ein Deichverteidigungsweg schmerzlich vermisst. Einsatzkräfte mussten sich durch den Wald kämpfen. In einer nächtlichen Aktion fällten sie rund einhundert Bäume, damit Fahrzeuge mit Sandsäcken an die schadhafte Stelle gelangen konnten. Die Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr und THW standen bei der Aktion hüfthoch im Wasser.

Die Bäume, die nun für die planmäßige Erweiterung des Deiches fallen mussten, wurden vor der Brutzeit der Vögel bis Ende Februar geschlagen. Nabu und Umweltbehörden haben ihren Segen gegeben. Eine Schneise entstand und der wasserseitig stehen gebliebene Wald soll unter anderem den Deich im Winter vor Eisschollen schützen.

Motorräder dürfen nicht auf der Deichkrone fahren

Achtsamkeit erfordern die Bauarbeiten in diesem Waldstück trotzdem. Es steht als FFH-Gebiet - Flora-Fauna-Habitat - unter besonderem Naturschutz. Werden beispielsweise Laichgewässer berührt, müssen sie an anderer Stelle wieder entstehen. Naturschützer, der Forstbetrieb und das Umweltamt wachen akribisch darüber.

Vor dem Beginn der Deicherweiterung haben Archäologen das Areal unter die Lupe genommen. Sie haben allerdings weder Zeugnisse uralter Zeiten noch Munition gefunden. Das Gelände soll völlig fundfrei sein.

In der Gemarkung Heinrichsberg ist der Deichabschnitt fertig. Trotzdem hat sich schon Ärger angebahnt. Die Deichkrone wird immer wieder von Motorradfahrern befahren. Das Befahren mit Motorfahrzeugen sei jedoch generell verboten, betont Reymann, zudem werden Anwohner dadurch belästigt. Demnächst sollen eine Beschilderung und eine Schranke das Fahrverbot auf dem Deich bekräftigen. Auch als öffentlicher Radweg wird der Deich nicht gewidmet. Fußgänger und Radfahrer dürfen den Weg am Fluss trotzdem nehmen, sind aber lediglich geduldet.

 

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