Tausende Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan, das ihr Leben retten könnte. Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, gibt es die Radtour "Pro Organspende".

Haldensleben l "Sie haben immer die Arbeit, aber Sie sehen nie den Erfolg. Deswegen wollen wir Ihnen symbolisch Danke sagen": Mit diesen Worten wandte sich Peter Kreilkamp, einer der Tour-Organisatoren, an Dr. Wieland K. Schulze, den Ärztlichen Direktor des Haldensleber Ameos-Klinikums.

Gegen Mittag machten die 29 Teilnehmer der Radtour am Krankenhaus Station und wurden dort von Wieland K. Schule und Pflegedirektorin Petra Wurzel empfangen. "Ich bin beeindruckt von ihrer Leistung und ihrem Projekt. Die Botschaft, die sie transportieren, unterstütze ich aus ganzem Herzen", erklärte der Ärztliche Direktor.

Zahl der Organspenden auf "dramatischem Tiefstand"

Denn auch wenn beim Zwischenstopp in Haldensleben fröhliche Stimmung herrschte, hat doch jeder Teilnehmer eine besondere Geschichte. Einige von ihnen haben selbst eine Niere gespendet. Andere haben Organe empfangen. Dazu gehört beispielsweise Gregor Schwert.

Der 60-Jährige aus Beckum in Nordrhein-Westfalen litt an einer idiopathischen Lungenfibrose. Die Krankheit führt dazu, dass die Lungenfunktion immer mehr nachlässt. "Ohne eine Transplantation ist die Folge unweigerlich der Tod", erklärte Gregor Schwert. Der heute 60-Jährige hatte Glück. Die Ärzte fanden für ihn ein passendes Organ. Und er überlebte die Operation.

Leider ist das nicht immer der Fall: "Die Sterbequote bei Lungenpatienten auf der Warteliste liegt bei 15 Prozent. Aber viele kommen erst gar nicht auf diese Liste", erläuterte Schwert. Patienten ab 65 Jahren würden nicht aufgenommen - ebenso wie viele Menschen mit Begleiterkrankungen. Auf alle Transplantationspatienten bezogen sterben in Deutschland täglich etwa vier Menschen, weil kein passendes Organ zur Verfügung steht.

Für Gregor Schwert ging es nach der Transplantation schnell wieder aufwärts. "Es war phänomenal, wie schnell ich genesen bin", betonte der 60-Jährige. Im Dezember 2013 habe er die neue Lunge erhalten. 2014 habe er bereits an der Radtour "Pro Organspende" teilgenommen. "Meinem Spender und dessen Angehörigen bin ich zu großem Dank verpflichtet", betonte der Beckumer.

Organisiert wird die Radtour von TransDia, dem Deutschen Sportverein für Transplantierte und Dialysepatienten. Wie dieser mitteilt, hätten die sogenannten Organspende-Skandale der letzten Jahre dazu geführt, dass die Zahl der Spenden einen dramatischen Tiefstand erreicht hätten. Gegenwärtig liege dieser bundesweit bei 10,9 Spendern pro eine Million Menschen. Auch darauf soll die Radtour aufmerksam machen.

"Wegen der Vorkommnisse in einigen Transplantationszentren in der Vergangenheit sind wir ehrenamtlichen Organisatoren und die Teilnehmer als selbst Betroffene der Meinung, dass wir uns auch weiterhin engagieren müssen, um dazu beizutragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Organspende wieder zurückzugewinnen", heißt es in einer Pressemitteilung zur Radtour.

Wie Peter Kreilkamp weiter ausführt, organisiere der Verein TransDia sogar deutsche Meisterschaften. "Man ist als Transplantierter durchaus in der Lage, ein normales Leben zu führen. Es gibt keine Garantien, aber die Chancen sind sehr hoch. Jeder Teilnehmer ist ein Beispiel dafür", so der Mit-Organisator.

Die Aktion gibt es bereits seit 2007. In diesem Jahr führt die Route binnen einer Woche von Berlin bis zum Deutschen Herzzentrum in Bad Oeynhausen. Täglich legen die Teilnehmer durchschnittlich 80 bis 100 Kilometer zurück. Unterwegs machen sie an Krankenhäusern Station, um auf ihr Anliegen hinzuweisen. Gleichzeitig möchten sie den Beschäftigten in den sogenannten "Entnahmekrankenhäusern" Dank sagen. Ohne deren Engagement käme letztlich keine Organspende zustande. In Haldensleben waren sie gestern zum ersten Mal.

Die Schirmherrschaft für die Aktion hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe übernommen. Für Interessierte besteht die Möglichkeit, bei den einzelnen Etappen mitzuradeln. "Jeder, der mit dem Thema etwas zu tun hat, kann mitfahren", so Peter Kreilkamp. Allerdings seien die Kapazitäten begrenzt. Potentielle Teilnehmer sollten sich daher im Vorfeld unter Telefon 02171/362266, 0171/2879925 oder anmeldung-rpo2015@arcor.de anmelden.

Weitere Informationen zur Radtour "Pro Organspende" gibt es im Internet unter der Adresse www.radtour-pro-organspende.de.