Weferlingen (aro) l "Hallo heißt auf arabisch Marhaban", sagt Scheruan Schecho. Er sitzt mit fünf seiner Landsleute an einem Tisch im Kantorat und lernt deutsch. Der Syrer lebt nach wochenlanger Flucht seit einem Dreivierteljahr in Deutschland und spricht die deutsche Sprache bereits sehr gut. Deshalb dolmetscht er auch ein bisschen für seine Landsleute, die noch etwas mehr Probleme haben. Über das deutsche "Hallo" ist er längst hinaus.

Die Flüchtlinge haben Schreibblöcke vor sich und schreiben Wörter oder ganze Sätze auf. Sätze wie "Wann fährt der Bus ab?" oder "Wieviel kostet das?". Das sind Wörter und Sätze, die sie im Alltag brauchen.

Der Verein ZusammenLebenWeferlingen und die evangelische Kirchengemeinde in Weferlingen haben das Sprachcafé gemeinsam ins Leben gerufen. Nach einem ersten Treffen in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber steht der Termin: Donnerstagabend 18 Uhr im Kantorat an der Kirchstraße.

Deutsche, die sich die Zeit nehmen und bereit sind, etwa anderthalb Stunden mit Flüchtlingen zu sprechen, sind willkommen. Die Initiatoren hoffen, dass noch mehr Weferlinger kommen werden, um den Zugezogenen zu helfen. Der Raum ist immer voll.

Die Asylbewerber, die schon einige Monate da sind, haben einen Deutschkurs der Kreisvolkshochschule absolviert und dabei Grundkenntnisse gelernt. Doch das reicht längst nicht, außerdem fehlt die Sprachpraxis.

Viele Wörter bekommen sie nur schwer über die Lippen, da muss immer wieder geübt werden. Dafür ist der Donnerstagabend da. Die Kirchgemeinde sorgt für etwas zu trinken und ein paar Kekse auf den Tischen. Auch aus anderen Kirchgemeinden kommen teilweise Gesprächspartner. Jörg Lauenroth-Mago aus Rätzlingen hat schon gute Kontakte zu den Asylbewerbern geknüpft, er bringt am Donnerstagabend noch Verstärkung mit, auch einen finnischen Austauschschüler, der gut deutsch spricht. So wird die Runde noch bunter.

Zwischendurch lädt Pfarrer Vesterling mal zu einem Spiel in den Garten ein. Ein Ball fliegt in die Runde, dabei werden Zahlen oder die deutschen Begriffe für Körperteile oder Lebensmittel geübt. Der Pfarrer bietet auch mal eine extra "Deutschstunde" in der Woche an und öffnet das Kantorat für ein weiteres Kursangebot zum Deutschlernen. Alle sind ehrenamtlich im Einsatz. Die Kreisvolkshochschule hat Ferien. Da einige Flüchtlinge gesagt hatten, sie würden gern etwas tun, würden gern helfen, erzählte ihnen Pfarrer Vesterling vom Kirchenputz am Freitagabend. Wer helfen möchte, ist gern gesehen, doch sie müssen nicht kommen, versicherte er den Flüchtlingen. Eine große Gruppe Syrer stellte sich ein und half, die christliche Kirche zu säubern, obwohl die Männer anderen Glaubens sind. Sie wollen etwas zurückgeben. So sind mehr Flüchtlinge als Deutsche mit Besen und Staubsauger im Einsatz, um im Gotteshaus reinezumachen. Am nächsten Tag ist hier eine Hochzeit.

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