Weferlingen (cbo). Schon seit langem hält am Bahnhof Weferlingen-Zuckerfabrik kein Personenzug mehr zum Zu- oder Ausstieg, doch es gibt sie noch, die berühmten Ausnahmen. Denn am 1. Mai legte an der alten Bahnsteigkante Lokführer Gerd die Bremse der Nohab an, und Zugführer Tom sprang auf den Bahnsteig und verkündete mit durchdringender Stimme den Halt: "Weferlingen Zuckerfabrik, Weferlingen Zuckerfabrik..., bitte einsteigen in Richtung Haldensleben!"

"Der Ostfalen-Courier hielt auf seiner Fahrt nach Haldensleben, um einer einzelnen älteren Dame an dem sonst verlassenen Bahnhof Weferlingen Zuckerfabrik Zustieg zu gewähren", berichtet Bahnfreund Jürgen Elsholz aus Salzgitter von dem ungewöhnlichen Zughalt. Gemeinsam mit ihrer Freundin aus Hannover möchte sie nämlich Haldensleben besuchen.

Natürlich war der Halt mit dem Bahnpersonal zuvor abgesprochen worden. Schon am Telefon erzählte die Dame aus alten Zeiten, wo sie zum Beispiel mit ihren Eltern in der 3. Klasse am Bahnhof Weferlingen-Zuckerfabrik eingestiegen war und wo es außer der Eisenbahn kaum ein vernünftiges Transportmittel gab, um von einem Ort zum anderen zu gelanden. Auf jeden Fall stellte das Erlebnis mit dem Ostfalen-Courier für die Weferlingerin eine Zeitreise dar, eine Zeitreise in Gedanken - viele, viele Jahre zurück in ihre Kindheit.

Nach kurzem Halt ertönt die durchdringende Stimme von Zugführer Tom: "Bitte die Türen schließen, der Zug fährt ab!"

Der Lokführer Gerd legt die Fahrstufe der Nohab MY 1147 ein, und schon dröhnen 2100 PS an der alten, halb vergessenen Bahnsteigkante entlang: "Adieu, Bahnhof Weferlingen Zuckerfabrik!"