Turmtheater-Leute haben gestern Abend den Weihnachtsmann entführt. 24 alte Uhren sind das Lösegeld. Wenn diese Uhren heute im Bürgerbüro oder abends beim Sternenmarkt abgegeben werden, wird der Weihnachtsmann heute Abend wieder Süßes verteilen.

Haldensleben l Der dreieinhalbjährige Kai kann gar nichts sagen. Er kann einfach nicht verstehen, was da gerade vor seinen Augen passiert ist. So wie Kai reagierten gestern Abend viele Kinder, und auch Eltern und Großeltern waren ratlos. Direkt vor ihren Augen wurde der Weihnachtsmann entführt! Als er mit den beiden Engeln aus dem Feuerwehrauto stieg, konnte er gerade noch "Hohoho" sagen, dann schnappten ihn auch schon die Leute vom Turmtheater und setzten ihn auf eine Ponykutsche. Und schnell verschwand die Kutsche um die nächste Ecke.

Mit dem Mikrofon erklärte ein Turmtheater-Mann, warum der Mann mit dem weißen Bart entführt wurde. Die beiden Engel verteilten Handzettel. "Entführt" stand darauf in großen roten Lettern über einem Foto vom Weihnachtsmann. "Wir, die Entführer aus dem Bülstringer Torturm, haben den Weihnachtsmann an einem sicheren Ort versteckt", verkünden die Theater-Leute. Natürlich müssen die Kinder keine Angst um den Geschenkebringer haben. Heute Abend wird er wieder auf die Leiter steigen und das nächste Fenster öffnen, wenn, ja wenn bis dahin Eltern, Großeltern oder andere Helfer 24 alte Uhren, egal ob Armbanduhren oder Taschenuhren, im Bürgerbüro oder am Abend bei den Helfern des Weihnachtsmanns abgegeben haben.

Die 24 Uhren werden einen Platz im Uhrenverschlag im Bülstringer Torturm erhalten. Sie bekommen dort einen Ehrenplatz. Die große Uhr im Bülstringer Torturm ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Johann Friedrich Weule, ein bekannter Uhrmachermeister, hat sie 1911 eingebaut. Als Geburtstagsgeschenk sollte sie zu diesem besonderen Jubiläum 100 kleine Uhren erhalten. 76 Uhren liegen bereits im Torturm. 24 Uhren fehlen also noch.

Und weil der Weihnachtsmann nur neue Geschenke bringt, also nicht mit alten Uhren aufwarten kann, müssen jetzt alle dem Weihnachtsmann helfen.

Gestern Abend blieb das Fenster mit der 13 geschlossen. Auf die Süßigkeiten mussten die Kinder dennoch nicht verzichten. Sie lauschten der Märchenerzählerin, die die Geschichte von der Müllerstochter und vom Rumpelstilzchen kundgab, und dann verteilten die Engel Süßes aus ihren Körbchen. Viele Knirpse setzten sich noch ins Karussell oder auf die kleine Eisenbahn und standen am Streichelzoo. Und auf dem Weg nach Hause waren sie vielleicht ein bisschen traurig, weil der Weihnachtsmann verschwunden ist. Sie hoffen, dass er heute Abend wieder kommt...