Die Eltern-Stammtische an den Grundschulen der Hohen Börde wurden am Donnerstag in Eichenbarleben fortgesetzt. Pädagogen der Kitas Eichenbarleben und Ochtmersleben sowie der Olbetal-Grundschule stellten sich dem Gespräch.

Eichenbarleben/HoheBörde l Kritische Elternmeinungen an der pädagogischen Arbeit in der Olbetal-Grundschule, dem Hort, und den beiden Kitas waren am Donnerstag in der Aula der Grundschule kaum zu vernehmen. Durchweg schätzten die Eltern das Lernen ihrer Kinder an ihrer kleinen Landschule sehr. Derzeit gehen 56 Kinder in die Olbetal-Schule, die Klassen sind überschaubar. Jeder kennt an der Schule Jeden, die Atmosphäre ist familiär, auftretende Probleme und Sorgen der Eltern werden auf dem kurzen Wege geklärt.

Zustand der Sanitäranlagen ist das drängendste Problem

Drängendstes Problem ist nach Ansicht einiger anwesender Eltern und auch des Schulelternrates der Zustand der über 30 Jahre alten Sanitäranlagen. Das Problem ist seit Jahren bekannt, schon die damals noch selbständige Gemeinde Eichenbarleben wollte das Problem lösen. Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel erklärte: "Wir haben mit dem örtlichen Klempner darüber gesprochen, aber über kurz oder lang werden wir an einer Erneuerung wohl nicht vorbei kommen, doch dafür müssen wir Förderanträge stellen." Das Thema wird sicherlich auch den Arbeitskreis zur Schulentwicklung (siehe Kasten) beschäftigen, der auch Empfehlungen für die Investitionen an den sechs zu erhaltenen Grundschulen abgeben soll. Der Arbeitskreis wird seine Arbeit nach Abschluss aller sechs Elternstammtische aufnehmen.

Differenzierte Meinungen zum "Lesen durch Schreiben"

Differenziert sehen die Eltern die im Deutschunterricht der Schulanfänger angewandte Methode "Lesen durch Schreiben". Die Kinder lernen hierbei erst das Schreiben und hierdurch dann das Lesen. Dabei schreiben die Kinder die Wörter und Sätze erst einmal so auf, wie sie sie hören. Dies ist natürlich nicht gleich rechtschreiblich korrekt, sondern lautgetreu. Das Wort wird zergliedert in seine einzelnen Laute und dann notiert.

"Grundfertigkeiten sind wichtig. Ich würde meine Kinder immer wieder in diese Schule schicken."

Vater Kay Brüggemann

Die auch unter Wissenschaftlern diskutierte Methode ermöglicht nach Ansicht von Vater Kay Brüggemann zwar ein schnelles Lesevermögen, berge aber auch Probleme für die dauerhafte Rechtschreibkompetenz der Kinder in sich. Andere Eltern wie Jaqueline Kapahnke waren hingegen von der Leselernmethode begeistert. Kay Brüggemann erinnerte daran, dass neben den vielen schulischen und außerschulischen Angeboten in Arbeitsgemeinschaften und bei Projekten die wesentlichen Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen nicht zu kurz kommen sollen und erklärte: "Ich würde meine Kinder immer wieder in diese Schule schicken". Grundschuldezernent Volker Kulak unterstrich die "gelungene Verbindung von erlebnisorientierten Bildungsangeboten mit der Vermittlung von Grundfertigkeiten". Viele der anwesenden Gäste waren von der Vorstellung der pädagogischen Konzepte und der Erziehungspraxis in den beiden Kitas, dem Hort und der Grundschule selbst beeindruckt. Der Hermsdorfer Gemeinderat Linhard Wiedmann erklärte: "Das war eine tolle Vorstellung und ich kann nur alle Pädagogen der anderen Schulen und Kitas dazu aufrufen, an diesen Elternstammtischen teilzunehmen, um von den Erfahrungen ihrer Kollegen zu hören und Anregungen für die eigene Arbeit zu gewinnen."

Jürgen Kebernik, Koordinator der Elternstammtische und des Arbeitskreises Schulentwicklung, betonte: "Ich habe den Eindruck, dass sich an dieser Schule und in den Kitas nicht nur die Kinder wohlfühlen, sondern auch ihre Erzieher und Lehrer".

"Gute Altersmischung der Lehrer, durch die offene Lernformen stärker Einzug gehalten haben."

Jürgen Kebernik

Kebernik lobte die "gute Altersmischung des Lehrerkollegiums, durch die ganz offenbar offene Lernformen wie Werkstattunterricht und Tagespläne noch stärker Einzug gehalten haben." Der Wechsel zwischen dem lehrerzentrierten Frontalunterricht und offenen Lernformen weise in die richtige Richtung

In der Einladung zum Elternstammtisch etwas unklar formuliert war laut Angaben von Mutter Susann Bähre die Tatsache, dass auch die Arbeit der Kitas so ausführlich vorgestellt werden würde. "Ich denke, dass das von beiden Kita-Vertretern Gehörte gerade für Eltern angehender Schulkinder sehr interessant gewesen wäre." In der Tat haben die bisher durchgeführten Stammtische in Bebertal und Eichenbarleben gezeigt, dass durch die von den Kindergartenerzieherinnen vorgestellte Kita-Arbeit und die Zusammenarbeit mit der Grundschule wertvolle Kenntnisse und Hinweise für angehende Schul-Eltern vermittelt werden.

Angebot zu mehr Information über alternative Bildungswege

Der Eichenbarleber Erhard Karpe, stellvertretender Leiter der größten Magdeburger Berufsschule am Krökentor, rief dazu auf: "Verfolgen Sie weiter den Weg, eine offene Grundschule zu sein, halten Sie Kontakt zu den Eltern, wozu auch Auswärtsspiele im Elternhaus gehören." Karpe machte sich dafür stark, bereits lange vor dem Schul- eintritt der Kinder mit den Eltern über Möglichkeiten und Vorteile einer ortsnahen kommunalen Grundschule zu reden. "Gleiches gilt auch für die Entscheidung über die weiterführenden Bildungswege nach dem vierten Schuljahr. Da stehe ich gern als Ansprechpartner zur Verfügung". Jürgen Kebernik war sehr angetan von dieser Idee: "Nicht immer ist das Gymnasium das individuell Beste für ein Kind. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie auch mit einem Sekundarschulabschluss und anschließenden Weiterbildungsmöglichkeiten an Berufsschulen sogar das Abitur erreicht werden kann. Genau darüber wollen wir auch in unserer Zukunftswerkstatt reden."

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