Haldensleben l Viel zu tun hatten Corinna und Remo Leder sowie Melanie Wilke am Donnerstag gegen Abend im Bülstringer Torturm. Die Drei vom Turm-Team hatten es nämlich übernommen, die "Lösegeld"-Uhren im Uhrenverschlag anzubringen. Als die Leute vom Turm-Theater am Dienstag auf dem Sternenmarkt den Weihnachtsmann entführten, hatten sie die Haldensleber gebeten, 24 alte Uhren als "Lösegeld" abzugeben. Genau so viel Uhren fehlten nämlich noch an den 100, die die historische Weule-Uhr im Bülstringer Torturm in diesem Jahr zum 100. Geburtstag erhalten sollte. Von den angestrebten 100 Uhren hingen nämlich erst 76 im Verschlag.

Seit dem Frühjahr sammelte das Team, das die Stadtgeschichtsausstellung im Bülstringer Torturm betreut und Stadtführungen anbietet, Uhren zum Geburtstag. "Die erste Uhr, die beim Jacobimarkt als Geschenk gebracht wurde, ist auch 100 Jahre alt wie die Turmuhr", erinnert sich Corinna Leder. Das Jahr über brachten immer mal wieder Besucher die eine oder andere Uhr. Ruth Appel, die einst mit ihrer Arbeitsgemeinschaft Junger Historiker das Turm-Team und die Stadtgeschichtsausstellung begründete, hat besonders viele Uhren zusammengetragen.

"Fünf Uhren kamen sogar per Post aus der Eifel", erzählt Corinna Leder. Die engagierte Stadtführerin hatte auch einer Reisegruppe aus der Eifel die Kreisstadt und den Turm gezeigt, und die Gäste hatten dabei von der Uhren-Aktion erfahren. Eine Frau aus dieser Gruppe hatte dann zu Hause Uhren gesammelt und nach Haldensleben geschickt.

Die Initiative des Turm-Theaters hat nun dazu geführt, dass wesentlich mehr Geschenke für die Jubiläumsuhr zusammengekommen sind, als anvisiert. Viele Haldensleber wollten offensichtlich dem Weihnachtsmann und dem Turm-Team helfen. 70 Uhren waren tagsüber im Bürgerbüro und abends bei den Engeln des Weihnachtsmannes auf dem Sternenmarkt abgegeben worden. Und dann entdeckte Rolf Koppenhöfer vom Turm-Theater noch weitere zehn Uhren im Briefkasten, so dass jetzt insgesamt 156 Uhren im Turm hängen und die Weule-Uhr damit sogar schon die Geschenke für die nächsten Jahre weg hat.

Ein kleiner Wecker von 1936 ist zum Beispiel dabei und ein Ruhla-Wecker von 1965. Sogar noch original verpackte neue Uhren, und zwar Werbegeschenke, wurden abgegeben. So haben die Haldensleber mit ihren Zeitmessern den Bogen über ein ganzes Jahrhundert geschlagen.

Das Turm-Team macht jetzt Winterpause. Die letzten Führungen haben die Turm-Leute mit Laternen in der Dämmerung unternommen, was sehr stimmungsvoll war, erinnert sich Corinna Leder. Sie begrüßt die Gäste gern mit einem Lied auf der Flöte.

Im Winter ist es für Führungen zu kalt im Bülstringer Torturm. Die 76 Stufen der steilen Treppen, die bis zur Glocke hochführen, sind dann zu feucht, und es ist zu gefährlich, sie zu erklimmen. Nur Remo Leder muss dennoch regelmäßig die Treppen hinaufklettern. Er ist nämlich dafür zuständig, dass die große Turmuhr immer richtig geht.

Im Frühjahr zum Jacobimarkt wird der Turm wieder aufgemacht, dann ist wieder an jedem Wochenende geöffnet. Und wenn die Besucher die 61 Stufen bis zum Uhrenverschlag emporgestiegen sind, können sie auch die vielen unterschiedlichen Zeitmesser bestaunen, die hier an den Wänden hängen.