Nach fast anderthalb Jahren wurden gestern die Straßensperren am Dammühlenweg abgebaut. Dort ist die Brücke zwischen Althaldensleben und dem Gewerbegebiet jetzt wieder befahrbar. Damit wurde auch die letzte von 50 Brücken über den Mittellandkanal fertiggestellt.

Haldensleben l "Frei bis zur Brücke", dieses Schild stand gestern um kurz vor zehn Uhr noch an der Einfahrt zum Dammühlenweg. Knapp eine Stunde später wurde es schleunigst entfernt. Hatten doch Vertreter der zuständigen Ämter und Mitarbeiter der Baufirmen die Brücke mit einer kleinen Feier wieder für den Verkehr freigegeben. Drei Millionen Euro wurden für die Arbeiten und den Neubau investiert.

"An unserem Element, dem Wasser, mangelt es heute nicht", versuchte Ingelore Hering, Starkregen und Sturm schönzureden. Die Präsidentin der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte hatte geladene Gäste an das Haldensleber Kanalufer gebeten, um die Bauarbeiten an der Dammühlenbrücke für beendet zu erklären.

Im Juni 2010 hatte man begonnen, die alte Brückenkonstruktion, die zu niedrig war, abzureißen und durch einen hochwertigen Neubau zu ersetzen. Seitdem war auch der Dammühlenweg von der Haldensleber und der Althaldensleber Seite aus eine Sackgasse gewesen. Seit gestern sind nun die Einschränkungen für die Nutzer der Wasserstraße und für die Autofahrer beendet. "Nun müssen die Schiffsführer nicht mehr den Kopf einziehen, um weiterzukommen", verdeutlichte Wolfgang Duffner die Dringlichkeit dieser Baumaßnahme. Als man in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts den Kanal gebaut hätte, sei die Brückenhöhe von rund vier Metern sicher für damalige Verhältnisse angemessen gewesen. "Aber die Entwicklung ist fortgeschritten." Deshalb brauche man die Durchfahrtshöhe von 5,25 Metern für Container- und moderne Binnenschiffe.

Wasserstraße ersetzt jährlich rund 360000 Lkw-Fahrten

Der gestiegene Umschlag an den Häfen zeige ja schon, wie erfolgreich die Investitionen in den Mittellandkanal seien, erklärte der Vertreter vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Allein auf dem östlichen Teil des Mittellandkanals würde man jährlich neun Millionen Tonnen Güter umschlagen. "Damit ersetzen wir 360000 Lkw-Fahrten." Die Erneuerung der Brücken sei ein wichtiger Teil des Verkehrsprojektes gewesen. "Denn schon eine zu niedrige Brücke reicht aus, um ganze Regionen einzuschränken und von der Entwicklung abzuschneiden", so Duffner.

Deshalb hatte die Fertigstellung der Dammühlenbrücke in mehrfacher Hinsicht große Bedeutung. "Sie ist die letzte der 50 Kanalbrücken gewesen, die wir im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 17 in der Osthaltung des Mittellandkanals erneuert haben. Im Projekt selbst trägt die Dammühlenbrücke die Nummer 476", erklärte Ingelore Hering. "Die Etappe ¿Neubau der Brücken\' gehört damit der Vergangenheit an. Das jüngste Kind der siebenköpfigen Brückenfamilie Haldensleben ist nun erneuert", freute sich die Amtspräsidentin.

Die Bedeutung der Wasserstraßen stellte auch Staatssekretär Klaus Klang heraus, der in Vertretung von Verkehrsminister Thomas Webel gekommen war. Er hatte kürzlich einen Termin in Hamburg. Dort wurde über die Nutzung von Wasserstraßen gesprochen. "Die Bedeutung von Hinterlandhäfen ist für die Zukunft der Großhäfen wie zum Beispiel den Hamburger immens wichtig", so Klang. Nicht nur Haldensleben, sondern ganz Sachsen-Anhalt mit seinen 600 Kilometern Bundeswasserstraßen und dem Wasserstraßenkreuz als zentralem Knotenpunkt käme so eine große Bedeutung zu. Haldensleben sei außerdem aufgrund des hier getätigten Güter-Umschlags einer der fünf wichtigsten Häfen des Bundeslandes.

In der Rolandstadt hat man die Bedeutung der Kanallage erkannt und für sich genutzt. "Bei uns finden Schiffsgüter und Container eine Alternative zu Straße und Schiene", erklärte Bürgermeister Norbert Eichler. Außerdem sei der Transport auf dem Wasser umweltschonend und wirtschaftlich. Eichler lud die Anwesenden ein, im Sommer des nächsten Jahres einem weiteren wichtigen Termin am Ufer des Mittellandkanals beizuwohnen: "Bei hoffentlich besserem Wetter - aber das ist im Sommer ja zu erwarten - wollen wir die Gewerbefläche am Südhafen komplett übergeben."

Bilder