Kaum erwarten konnten die 45 Bewohner der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung der Neinstedter Anstalten das Weihnachtsfest. Jeder wusste, es gibt Geschenke und eine Aufführung der Weihnachtsgeschichte im "Haus Bonin".

Calvörde l "Ihr seid heute ganz besondere Lichter", sagte Annerose Schulze, Leiterin der Häuser der Neinstedter Anstalten in Calvörde. In diesem Jahr schlüpften nicht die Betreuer und Mitarbeiter in die Figuren der Weihnachtsgeschichte, sondern die älteren Bewohner, die nicht mehr in den Werkstätten, sondern in der Tagesförderung arbeiten.

Annerose Schulze erzählte zuvor die Geschichte von einer Kerze, die große Angst hatte, von einem Zündhölzchen angezündet zu werden und herunter zu brennen. "Wir brauchen ja auch alle ein Zündholz, um mal leuchten zu können. Wenn wir nicht leuchten, sind wir kalt und starr", sagte die Leiterin der Einrichtung. Sie erklärte: "Die Bewohner sind oft die Lichter, aber manchmal auch die Zündhölzer. Wir nehmen in unserem Leben die verschiedenen Rollen ein."

Trotz der Vorfreude auf die Geschenke war es mucksmäuschenstill. Sehr emotional war die Weihnachtsstimmung. Mehr als die Hälfte der Bewohner der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung feierten gemeinsam Weihnachten. Die anderen verbringen das Fest bei ihren Familien. Deshalb versuchten die Mitarbeiter der Wohnhäuser, den behinderten Frauen und Männern Weihnachten mit besonderen Zuwendungen die nötige Wärme zu geben.

"Wir wollen dankbar sein. Es gibt viele Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns", sagte Annerose Schulze und begrüßte die Ehrengäste, wie Rosemarie Kaatz vom Kuratorium der Neinstedter Anstalten, Vertreter der Familie Nathusius und Calvördes stellvertretenden Bürgermeister Wolfgang Lindner.

Das Krippenspiel hatte Heilpädagogin Anette Klug, Leiterin der Tagesförderung, mit den Frauen und Männern einstudiert.

Die Maria spielte Liesel Aermes. Martin Dickmann saß als Joseph an ihrer Seite. Als Hirten kamen Gisela Skibowski, Bodo Jauerneck und Bärbel Böcker zum Stall nach Bethlehem. Gisela Bohn, Brigitte Lars, Gisela Hoffmann und Praktikantin Lisa Herrmann flogen als Engel zum Ort des Geschehens. Hildchen Wichert, Frieda Palme und Christel Pätzold folgten als Könige dem Licht. Als Darsteller dabei waren auch Hildegard Resch als Wirtin, Marga Gerhardt und Britta Dibischek, ehrenamtliche Helferin.

Für Christel Pätzold war Heiligabend auch ein besonderer Tag, denn sie feierte ihr Wiegenfest. Ihre Mitbewohner ließen die 75-Jährige hochleben.

Tosenden Applaus bekamen die Darsteller. Es wurde an den Weihnachtstagen gebetet und viel gesungen. Es gab eine Bescherung, ein leckeres Festessen, wie eine Weihnachtsgans und andere Köstlichkeiten, Tränen und natürlich auch viel Freude. Ein Dankeschön ging an die Calvörder. "Wir werden von den Leuten hier akzeptiert und bekommen viele Spenden", sagte Annerose Schulze.