Die Kapelle der Heiligen Anna auf dem Gut Glüsig war gestern das Ziel von mehr als 400 katholischen Christen. Die Wallfahrt zum Kapellenberg hat seit 1646 Tradition.

Glüsig l "Ein Wallfahrt ist das Symbol, auf dem Wege zu sein. Eine Wallfahrt ein sichtbarer Ausdruck für das Beten mit Beinen und Füßen. Christen schreiten voran, verharren nicht in der Vergangenheit, sondern schauen in die Zukunft. Nichts bewegen, nichts verändern, immer beim Alten sein - das bedeutet tot zu sein. Wir müssen uns bewegen auf unserem Weg und die Kirche in die Welt hineintragen": In seiner Wallfahrtspredigt auf dem Kapellenberg rief der Dessauer Maristenpater Georg Galke seine Schäfchen zu progressivem Tun im Leben und Glauben auf.

Die heilige Anna, die Mutter Marias und Großmutter Jesu Christi, der die St.-Annen-Kapelle geweiht ist, mahne die Christen dazu. Sie gebe Gelassenheit und Ruhe, wie Pater Georg es selbst von seiner Großmutter Helene erfahren habe. "Meine Großmutter meinte es gut mit mir, gab mit auf einem Stück meines Lebens Ruhe, Heimat und Liebe. Das war ihr Dienst an meinem Leben, damit ich Dienst an den Menschen tun kann. Dafür danke ich ihr."

"Die Gründe für unsere Wallfahrt sind heute andere, aber für uns bleibt die Wallfahrt fruchtbar für den Glauben und für unser Leben."

Pfarrer Konrad Harmansa, Zelebrant des Festgottesdienstes

Aus Dankbarkeit für die Verschonung vor einer Pest-Epedimie hatten vor 366 Jahren die Nonnen des Althaldensleber Zisterzienserinnenklosters die Wallfahrt zum Klostervorwerk in Glüsig zu Ehren der heiligen Anna gestiftet (siehe Kasten). "Die Gründe für unsere Wallfahrt sind heute andere, aber für uns bleibt die Wallfahrt fruchtbar für den Glauben und für unser Leben", begrüßte der Zelebrant des Festgottesdienstes, Pfarrer Konrad Harmansa, die Gäste aus allen Himmelsrichtungen.

Wärmende Worte für Gläubige unterm Regenschirm

Zwei Stunden vor dem Einzug der katholischen Gemeinden der Pfarrei St. Christopherus auf den Kapellenberg waren die Wallfahrer in zwei Prozessionszügen in Richtung Glüsig aufgebrochen. Das Kreuz voran tragend, sangen und beteten die Wallfahrer auf ihrem Weg durch Bördelandschaft. Andere kamen mit Fahrrädern, im Auto oder zu Fuß. Mit Picknickkörben, Decken und erwartungsfrohem Lächeln strömten die Katholiken aus den sieben Kirchengemeinden der Pfarrei St. Christopherus, viele Freunde aus befreundeten Gemeinden von Magdeburg bis Helmstedt auf den Kapellenberg. Unverzichtbar waren gestern Regenschirme. Mit den ersten Takten des Festgottesdienstes setzte strömender Regen ein. Sakrale Gesänge und Pater Georgs Predigt wärmten die Seelen der Wallfahrer.

Sänger der Pfarreichöre aus Althaldensleben, Groß Ammensleben, Haldensleben und Wolmirstedt und aus der niedersächsischen Partnergemeinde Helmstedt sowie Bläser aus Helmstedt und Haldensleben gestalteten den Festgottesdienst eindrucksvoll.

Zeit zur Besinnung fanden Wallfahrer nach dem Gottesdienst im Allerheiligsten der Annen-Kapelle. Zeit für Begegnung bot traditionell ein buntes Treiben zwischen Gottesdienst und Abschlussandacht.

Auf die kleinen Besucher warteten Pony-Kutschfahrten. An Ständen informierten Kirchenfördervereine über ihre Ziele. Buchhändler und die Bahnhofsmission luden zu Gesprächen. Wem der Picknickkorb nicht reichte, dem reichten Caritas-Mitarbeiter deftige Erbsensuppe und Kartoffelsuppe. Das stärkte den Leib und der Glaube die Seele.

   

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