Für einen Leserbrief sorgte kürzlich eine erneute Baumfällaktion in Warnau: Die letzten alten Linden standen in der Bautrasse und mussten nun ebenfalls weichen. Auch der Ortschaftsrat sprach darüber.

Warnau l Als "einen beispiellosen Akt von Willkür" sowie "massive Verschwendung von Steuergeldern" kritisiert der Garzer Ralf Hartmann die Baumfällaktion in der Alten Lindenstraße in Warnau in seinem Leserbrief. "Trotz einvernehmlicher Absprachen darüber, was an Bäumen erhalten bleiben soll", seien ihr alle alten Linden zum Opfer gefallen. Zuvor seien sogar Baumgutachten erstellt worden, aus denen klar hervorging, welche Bäume gesund und damit erhaltenswert seien.

Gerade die schönen Haveldörfer mit ihren intakten Alleen hätten ihn vor acht Jahren bewogen, sich hier anzusiedeln. Er befürchtet darum beim weiteren Straßenbau in Vorbereitung auf die Buga Schlimmstes für die Orte.

Intakt war die Lindenallee in Warnau jedoch schon lange nicht mehr. Schon vor Jahren waren die kranken Bäume gestutzt worden, da immer wieder trockene Äste herabgefallen waren. Das Gutachten zum Straßenbau sei nur nach Sicht erfolgt, erklärte Ortsbürgermeisterin Sonja Isecke.

Erst nach dem Fällen sah man die Bescherung: Viele der Lindenstämme waren innen total vermodert. Zweidrittel der Wurzeln waren sogar schon abgefault, informierte der Bauherr, die Stendaler Landesstraßenbaubehörde, auf Nachfrage. Die Anwohner waren froh über die Fällaktion, befürchteten sie doch - nicht zu Unrecht, wie sich jetzt zeigte - dass die Linden irgendwann umstürzen. Das Fällen war auch mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.

Sonja Isecke hatte mit eigenen Augen gesehen, wie vermodert einer der Bäume gewesen war, informierte sie kürzlich auf der Ortschaftsratssitzung. Die Bäume standen mitten oder sehr nah an der Trasse für die Bordsteine, auch wegen der Baufreiheit hätten sie nicht bleiben können. Ein kleiner Trost für die Naturfreude: Nach dem Straßenbau wird beiderseits wieder eine Lindenallee entstehen, die Bäume stehen dann sogar dichter als vorher.

Ansonsten sind die Bauarbeiter wegen des langen Winters um eine Woche in Verzug. Die Firma aus Steckelsdorf bemüht sich aber, das wieder herauszuholen. "Die Zusammenarbeit klappt gut, die Firma geht auf unsere Probleme und Hinweise ein", infor- mierte die Ortsbürgermeisterin. Das gilt auch für die Müllabfuhr.

Weniger zufrieden waren die Warnauer mit der innerörtlichen Umleitungstrasse, die vom Kindergarten durch den Wald hin zur Neuen Straße führt. "Achtung Kindergarten!" warnen große Transparente am Zaun der Kita zu eilige Autofahrer. Und das gleich aus zweifachem Grund: Zum einen wegen der hier spielenden Kinder und zum anderen wegen der langen Staubfahnen, die jedes Fahrzeug in der Trockenheit hinter sich herzog.

"Jeden Abend sind wir alle total verdreckt", beklagten sich die Erzieherinnen. Gleiches galt für die Anwohner, die Fenster offen lassen können sie nicht. Ein Wasserwagen der Baufirma, der die Umleitung regelmäßig wässerte, konnte alles nur etwas mildern.

Derzeit läuft der erste von drei Bauabschnitten, er erstreckt sich von der Kindertagesstätte bis zur Tischlerei. Der Gehweg wird gleichzeitig mit der Straße errichtet. Die Borde sind zum Großteil gesetzt, auch die Entwässerungsrohre sind verlegt. Denn die Ortsdurchfahrt wird später komplett entwässert. Das Wasser fließt in einen Graben, der dann hoffentlich nicht mehr so sehr wie jetzt stinkt. Das jedenfalls hofft Anwohner Klaus Koch, zugleich Ratsmitglied.

Weil die innerörtliche Umleitung keinen zufriedenstellt, gibt es eine Planänderung: Ist der Straßenunterbau eingearbeitet, soll die Lindenstraße für die Warnauer erst einmal wieder provisorisch freigegeben werden.

Wegen des Maifeiertages findet die nächste Bauberatung erst am Donnerstag, 2. Mai, um 10 Uhr statt. Ansonsten ist immer mittwochs Treff.