Von Smetana gibt`s die Moldau. Von Marian Lux "Die Havel". Am nächsten Sonnabend feiert diese neue Sinfonie ihre Uraufführung bei den Havelländischen Musikfestspielen auf dem Landgut A. Borsig in Groß Behnitz.

Havelberg l Die Bundesgartenschau unter dem Motto "Von Dom zu Dom - Das blaue Band der Havel" brachte den Musikproduzenten und Kulturmanager Michael Omilian auf die Idee, zu diesem Großereignis in der Havelregion den mit im Mittelpunkt stehenden Fluss musikalisch aufleben zu lassen. So wie es eben einst Bedich Smetana (1824 bis 1884) in seinem sinfonischen Zyklus "Mein Vaterland" für die Moldau getan hat.

Über drei Jahre kämpfte er für seine Idee, wurde anfangs belächelt, fand Unterstützer und sicherte schließlich die Finanzierung, an der sich das brandenburgische Kultusministerium ebenso beteiligt wie der Rotary Club Havelland und der Landkreis Havelland. Und er hatte vor allem einen Komponisten, der von seiner Idee der Havel-Sinfonie begeistert war: Marian Lux.

An einem stürmisch grauen Tag Mitte März holte sich dieser beim Besuch Havelbergs die letzten Inspirationen für sein Werk. Er fuhr mit Michael Omilian zum Ende der Havel, die bei Gnevsdorf in die Elbe mündet, und besuchte natürlich auch die Stadt, die den Fluss in ihrem Namen hat. Und obwohl das Wetter so grau war, zeigten sich beide begeistert von Havelberg und den Menschen hier. Nicht nur, weil sie in der Touristinfo so herzlich begrüßt wurden.

"Marian und seine Qualitäten kenne ich schon seit Jahren. Er hat spontan zugesagt, die Havel-Sinfonie zu komponieren", erzählt Michael Omilian, der seit 2010 im Havelland zu Hause ist. Im vorigen Jahr begann dann die Kreativphase. Inzwischen ist das 23-minütige Werk fertig. Ende April erfolgten die Proben und die Produktion der CD "Die Havel", die zur Premiere veröffentlicht und über alle Vertriebswege erhältlich sein wird. Der Uraufführung am 13. Juni durch das Filmorchester Babelsberg blicken beide mit Spannung entgegen.

Marian Lux kennt sich aus in der Musik. Seit 2005 arbeitet der 32-Jährige erfolgreich als Filmkomponist in Berlin. Für die ARD hat er die Musik zu den Märchenfilmen "Brüderchen und Schwesterchen", "Die kluge Bauerntochter" und "Die zertanzten Schuhe" geschrieben. Auch in der zu Ostern erstausgestrahlten Serie "Armans Geheimnis" stammt die Musik von ihm. Kinofilme tragen seine musikalische Handschrift.

"Das Finale ist ein wichtiger Punkt im Werk"

Für die amerikanische Entertainerin Gayle Tufts hat er die musikalische Leitung für ihre aktuelle Deutschland-Show übernommen und begleitet sie bei ihren Auftritten am Piano. Der junge Mann, der aus Bad Freienwalde stammt und 1987 am Berliner Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach seine musikalische Ausbildung begann, ist sehr vielseitig. Basierend auf "Die Leiden des jungen Werther" hat er für die Wetzlarer Festspiele 2015 das Musical "Lotte" komponiert.

Als brandenburgisches Kind fühlt er sich verbunden mit der Region und ihren Menschen, kann sich einfühlen in die Havellandschaft, der er nun ihre musikalische Note geben will.

Inspirationen holte er sich unter anderem auf einer Floßfahrt im vergangenen Herbst auf der Havel. Luftlinie sind es nicht mal hundert Kilometer von der Quelle bis zur Mündung, doch sind es aufgrund der vielen Windungen über 300 Flusskilometer von der Quelle im mecklenburgischen Ankershagen bis zur Mündung nördlich von Havelberg in die Elbe. "Ich habe auch viel gelesen. Zum Beispiel gibt es über 400 Havelsagen. Einige habe ich in die Sinfonie mit eingebaut", erzählt Marian Lux.

Für das Finale hatte er sich die Tour nach Havelberg fürs Frühjahr aufgehoben. Da war ein Großteil seines Werkes schon fertig. "Das war ein sehr intensives Erlebnis zu sehen, wie zwei Flüsse zusammenfließen. Wir waren die einzigen Menschen dort, der Wind blies. Das ist ein sehr spezieller Moment gewesen. Das Finale ist ein wichtiger Punkt im Werk, da ist es nur folgerichtig, sich das direkt anzuschauen." Dargestellt hat er in der Sinfonie die verschiedenen Facetten des Flusses, der die meiste Zeit als ruhiges Wasser dahinfließt, zum Wasserwandern und Verweilen einlädt, jedoch bei Hochwasser aufbrausend mit zerstörerischer Kraft wird. "Die Komposition lebt von den verschiedenen Dramaturgien. Sie ist auch ein bisschen mystisch, verspielt und träumerisch. Die Havel zeigt viele Facetten. Zum Beispiel auch, wenn sie sich in einen See ergießt. Es sind viele schöne Bilder, die den Weg in meine Komposition gefunden haben." Von der Musikart her beschreibt Marian Lux "Die Havel" als konventionell klassisch. Sie soll von einem Sinfonieorchester mit normaler Besetzung gespielt werden. Nach der Uraufführung nächsten Sonnabend folgt die nächste Aufführung bereits am 12. Juli im Buga-Park in Rathenow durch das Deutsche Filmorchester Babelsberg. Für 2016 ist Brandenburg anvisiert. Dass "Die Havel" irgendwann auch in Havelberg erklingt, sollte hoffentlich machbar sein.

Karten für das Openair am 13. Juni ab 16 Uhr, bei dem auch Filmmusik erklingt, gibt`s unter 033237/85963 oder unter www.havellaendische-musikfestspiele.de