Etwas verändert präsentiert sich seit dem Wochenende der Platz hinter dem Gebäude der einstigen Kamernschen Schule. Wo früher die Schüler Sport trieben, stehen nun eine Schwitzhütte sowie diverse Pfähle. Die Objekte entstanden beim Sommercamp des "neugierig"-Vereins.

Kamern. Um die 30 Teilnehmer aller Altersgruppen hatten sich an der einstigen Sekundarschule am Weg zum See zum kreativen Holzbauseminar eingefunden, welches am Freitag begann. Kompetenter Ratgeber in Sachen Holz- und Lehmbau war Volker Rosner-Horváth.

Das umfassendste Vorhaben beim Wochenend-Seminar war die Schwitzhütte. Diese ist aus dem indianischen Kulturkreis bekannt, aber auch Kelten und Germanen kannten den Sauna-Vorgänger. Aus mit Stricken verbundenen Weidenzweigen wurde dazu eine runde Kuppel errichtet. In deren Mitte kam eine Vertiefung, hier sollten später die heißen Steine liegen. Das Geflecht wurde anschließend mit Decken belegt.

Am Sonntag musste der Heizer sehr früh aufstehen, denn bereits um 7 Uhr sollte das Sauna-Prozedere beginnen: Ein heißer Stein nach dem anderen wird dazu vom Feuer in die Hütte getragen und mit Kräuter-Wasser übergossen.

Die amerikanischen Indianer versprachen sich von dem Ritual nicht nur Gesundheit und die Heilung von Krankheiten, das Ganze besaß auch einen spirituellen Hintergrund – das Verschmelzen mit der Erde. Deshalb wurde in den Hütten nicht nur geschwitzt, sondern auch gesungen und gebetet.

Der rituelle Platz wurde dazu mit bunten Bändern begrenzt, die an langen dünnen Stangen im Wind flatterten.

Ihnen zur Seite wurden einige weitere Pfähle gestellt, welche die vier Himmelsrichtungen sowie die Elemente Erde, Luft, Wasser und Feuer symbolisierten. Solche mit Symbolen verzierten Pfähle erfüllten bei den alten Indianern zugleich die spirituelle Funktion eines Wächters.

Die entsprechenden Robinienpfähle gestalteten die Seminarteilnehmer natürlich ebenfalls selbst. So bearbeiteten die Geschwister Anna und Luisa Warnstedt aus Kuhlhausen den Süd-Stamm, Mutti Iris Warnstedt war mit Jördis Wellmann aus Klietz für den Luft-Pfahl zuständig. Ihn symbolisierten ebenfalls bunte Bänder, die im Wind lustig flatterten. Und der junge Sandauer Johannes Busse schnitzte in den Erde-Pfahl Kriechtier- und Insektensymbole.

In jeder der Gruppen waren auch Kinder und Jugendliche vertreten, denn ihnen galt das eigentliche Augenmerk des Lehrganges. Denn der im Vorjahr neu gegründete Verein "neugierig e.V.", der von Jördis Wellmann geleitet wird, hat sich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben. Das Sommercamp war Bestandteil des Projekts "bauen und bilden", wie Stefanie Wischer vom Vorstand informierte. Dabei sollen die Jüngeren lernen, wie Werkzeuge gehandhabt werden, um praktische Intelligenz zu entwickeln. Zugleich lernen sie bei der Arbeit, das Geschaffene anderer zu achten und achtsam damit umzugehen.

Das Camp wurde mit Geld aus dem Sozialfonds der Europäischen Union über das Programm "Stärken vor Ort" gefördert. Aus diesem Grunde war es für die Teilnehmer auch kostenfrei. Die Zubereitung der Verpflegung erfolgte gemeinsam, ebenso die Arbeitsberatungen.

Dass der Lehrgang auf dem Gelände der einstigen Schule ausgetragen wird, hat seinen Grund: Der Verein hat das Objekt inzwischen erworben und will es wieder mit Leben erfüllen. Und zwar soll das Haus wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden und als Schule dienen.

 

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