Bachs Weihnachtsoratorium erklang am Wochenende in der Havelberger Stadtkirche. Es gehört in vielen Familien zu den stimmungsvollen Vorbereitungen auf das Fest, meistens werden die ersten drei Kantaten davon aufgeführt.

Havelberg l Wenn die ersten Paukenschläge das weltbekannte Werk eröffnen, gefolgt vom Orchester mit Trompete, wartet man gespannt auf den ersten Chorsatz "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage". Man ist gefangen von dieser Musik, dem volkstümlichen Werk Bachs mit seiner frohen Botschaft auf die Geburt von Jesus. Melodien anderer Werke sind verwendet, eine übliche Kompositionsform der damaligen Zeit. So ertönt zum Beispiel "Vom Himmel hoch" dreimal mit unterschiedlichem Text und Rhythmus.

Der Havelberger Kantatenchor hatte sich gründlich auf diese Aufführung vorbereitet. Für langjährige Chormitglieder war es eine Wiederholung. Neu waren alle vier Solisten, das Brandenburgische Konzertorchester Eberswalde und die teilweise Einbeziehung vom Kinderchor. Man glaubte, den Atem anhalten zu müssen, als der Tenor Taejin Cho aus Leipzig sein erstes Rezitativ anstimmte mit einer hohen, klaren Stimme, mit Leichtigkeit gesungen.

Drei große Chorszenen

Viel Wärme strahlte die Altistin Helena Köhne aus Berlin bei ihrer Arie "Bereite dich, Zion" aus. Seine kräftige, wohlklingende Stimme stellte der Bass Matthias Vieweg aus Bad Doberan unter Beweis. Als Engel hatte Birgit Bockler am wenigsten zu tun. Im Mittelpunkt stand natürlich der Kantatenchor. Drei große Chorszenen hatte er zu bewältigen. Im zweiten Teil war es "Ehre sei Gott", das der Chor mit strahlenden Sopranen, zügigem Tempo, Leichtigkeit musizierte. Auch die Männerstimmen kamen gut zur Geltung. "Herrscher des Himmels" im dritten Teil war ebenfalls wieder ein Ohrenschmaus. Die Choräle waren Ruhepunkte zwischendurch. Mit der lyrischen weltberühmten Weihnachtssinfonie, den Soli von Violine und Flöte fügte sich das Orchester neben der Gesamtbegleitung gut in das bekannte Werk ein.

Beachtenswert war die Leistung des jungen Domkantors Mike Nych. Ein zügiges Tempo, exakte Einsatzgebung, vorwiegend auswendig dirigiert mit ausgezeichnetem Kontakt zum Chor zeichneten ihn aus. Viel Beifall gab es für die Gesamtleistung. Erfreulich war, dass sich die Aufführung fast nahtlos an das Schaffen seines Vorgängers Gottfried Förster anreihte. Auch die Sänger spendeten dem jungen Chorleiter Applaus.

"Nun kann es nach dieser ausgezeichneten Aufführung Weihnachten werden", zeigte sich die Musikliebhaberin Waldtraud Henschel aus der Domstadt begeistert.