Immer wenn sich das Jahr verabschiedet, ruft der Verein "Freunde und Förderer des Prignitz-Museums" aus Havelberg zu einer Weihnachtsspendenaktion auf. Seit 1993 ist das der Fall. In diesem Jahr steht dabei ein Kleid im Mittelpunkt.

Havelberg l Ein zweiteiliges Promenadenkleid aus der Zeit um 1900 ist es wert, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Es kam 1983 aus dem Nachlass der Havelbergerin Olga Oelke in den Textilfundus des Museums. Seide, Satin, feine Wolle, Tüll und Spitzen machen es zu einem äußerst repräsentativen Kleid.

Beim Spaziergang vervollständigen Hut, Spitzenhandschuhe, Fächer und Sonnenschirm den mondänen Auftritt seiner Trägerin.

Die Schleppe wurde beim Gehen nach vorne gerafft und mittels einer am Saum angenähten Schlaufe gehalten.

Das Kleid entspricht der damaligen Mode der Sans-Ventre-Linie - graue Seide mit einem schwarzen Kleinmuster in Jaquardbindung - von der sich die Damen der Gesellschaft mittels eingearbeiteter Korsagen und enggeschnürter Hüftgürtel eine schlanke, figurbetonte Silhouette "ohne Bauch" versprachen.

Die vom Korsett abhängige Mode galt lange als chic und bekam nur allmählich Konkurrenz durch das locker hängende, untaillierte Reformkleid.

In der Beschreibung des zweiteiligen Promenadenkleides heißt es unter anderem: "Oberteil: Stoff vorn stark gebauscht, Garnierung mit schwarzer Posamenteriespitze (Tüll, Gimpen, Kordeln) und Chiffon-Rüschen mit Tüllspitze (Kunstfaser), Einsatz aus rohweißer feiner Wolle in abgeleiteter Leinwandbindung mit querlaufenden Biesen, das Futter der Vorderteile aus braunem Baumwollsatin, im Rücken aus braunem Baumwollköper, mit Metallstangen gesteift; um die Taille ein steifer Gürtel mit Haken und Öse; Schultern mit Schadstellen. Rock: hinten gerüscht, wahrscheinlich ursprünglich mit einer kleinen Turnüre, Schleppe mit Besenborte (darin eingewebte Herstellerbezeichnung ,Vorwerk Primissima\'), Futter aus Halbwolle in Leinwandbindung, statt eines Stoßbandes ein Volant aus gestärktem, in Kellerfalten gelegtem Gittertüll mit Einsatz und Abschluss aus Klöppelspitze (insgesamt elf Zentimeter breit), hinten rechts neben dem Schlitz eine in die Naht eingelassene Tasche aus dem Futterstoff, Verschluss hinten am Bund mit Haken und Ösen."

Das Kleidungsstück befindet sich in keinem guten Zustand. Zerschlissene Partien in der Seide (Ätzstellen von Flecken) und Mottenlöcher in der Wolle sind unter anderem Gründe dafür. Um es zu erhalten und erstmals im Museum öffentlich ausstellen zu können, bedarf es dringend der Restaurierung. Damit dies mit größtmöglicher Sorgfalt geschehen kann, bittet der Verein der Freunde und Förderer des Havelberger Prignitz-Museums Jedermann um finanzielle Hilfe.