Wird es in Sandau einen Bürgerladen geben? Bislang jedenfalls stehen viele Elbestädter dem Vorhaben eher skeptisch gegenüber. Der Arbeitskreis beriet kürzlich wieder zu dem Thema.

Sandau l Es sieht auf den ersten Blick gar nicht gut für den Bürgerladen aus: In ganz Sandau befinden sich 420 Haushalte, sie alle hatten vor einiger Zeit den Umfragezettel zum geplanten Bürgerladen erhalten. Doch nur 114 Sandauer beteiligten sich an der Umfrage. Und auf die Frage, ob sie sich mit 300 Euro je Anteil an der Finanzierung des Ladens beteiligen würden, gaben lediglich 19 Sandauer eine positive Antwort, 35 waren noch unentschlossen.

Nötig sind laut vorsichtigen Schätzungen allein 65000 Euro für Warenbeschaffung, Mobiliar und Hallensanierung - außen vor bleiben dabei die bislang noch ungeklärten Kosten für Kauf oder Miete der Halle. Zwei Termine mit dem Geschäftsführer der PUG-Genossenschaft, der die Halle gehört, waren bislang geplatzt. Gestern war in Schönhausen ein weiterer Termin angesetzt.

Wolfgang Hellwig und Silvio Wulfänger vertraten bei der Arbeitskreissitzung die Ansicht, dass sich weit mehr Sandauer bereit erklären würden, einen Anteil zu erwerben, wenn dieser 200 Euro betragen würde. Dann wären noch immer 300 Anteile zur Finanzierung nötig. Ohne genügend Geld wäre das Projekt zum Tode verurteilt - zudem würden schlichtweg die Käufer fehlen. Von nur 50 Sandauern kann kein Laden leben.

Olaf Schmidt schlug zur Kostenreduzierung vor, die Halle mit Trockenwänden aufzuteilen: Vorn sollten Bäcker, Bürgerladen und Getränkehandel einziehen, hinten später ein Bürgerzentrum. Auch ein Café könnte entstehen. Wichtig ist für ihn, die Halle schnellstmöglich zu eröffnen.

Neben der Finanzierung seien die Nutzungskonditionen für die Halle und auch die Rechtsform für den Träger des Bürgerladens noch ungeklärt, wies Wolfgang Hellwig hin. Axel Dosch und Wolfgang Gröll, die beiden Berater aus dem Brandenburgischen, favorisieren als Rechtsform die "Bürgergemeinschaft", ein der Genossenschaft ähnliches Modell.

Eine kleinere Verkaufsfläche, wie von Olaf Schmidt vorgeschlagen, würde die Kosten nicht automatisch minimieren. Vorhalten müsse man bei beiden Varianten teure und energieintensive Kühlgeräte, denn Molkerei- und Tiefkühlprodukte sind immer gefragt. Je kleiner die Bürgerläden seien, um so höher sei der Anteil an Frischeprodukten, wusste Wofgang Gröll aus Erfahrung. Auch sei es nicht angebracht, mehrere Pächter in der Halle zu haben, einer reicht völlig aus.

Sparen könne man an der Heizung in der Halle, regte Axel Dosch an. Die Leute behalten beim Einkauf schließlich ihre warmen Sachen an. Auch die Personalräume brauchen nicht beheizt werden. Das Café könnte man mit schwedischen Wänden abtrennen und separat beheizen.

Dem Vorschlag von Christa Pooch-Kowalczyk, den Bürgerladen ehrenamtlich zu betreiben, wiesen Wolfgang Gröll als auch Silvio Wulfänger zurück: Mindeststandards seien auch beim Bürgerladen nötig, Fachkenntnisse sind vonnöten und Bücher zu führen - Ehrenamtler könnten damit überfordert werden. Zudem müsse jemand den Hut aufhaben. Auch die Idee von Olaf Schmidt, einen Verein zu gründen, der den Laden betreibt, fand keine Befürworter. Das sei zu riskant, hieß es.

"Die Sandauer müssen für den Bürgerladen begeistert werden", mahnte Silvio Wulfänger. Mit deren Motivierung steht und fällt die Finanzierung und somit das gesamte Konzept.

Darum wolle man im kommenden Jahr, eventuell noch im Januar, auf einer weiteren Einwohnerversammlung die Sandauer über konkrete Ergebnisse informieren, sagte Wolfgang Gröll. Womöglich sogar schon in der Kaufhalle. Dabei sein soll als praktisches Beispiel und Motivator auch ein altgedienter Betreiber eines solchen Ladens. Denn Bürgerläden funktionieren sogar in weit kleineren Orten als Sandau, auch in der Nähe von größeren Einkaufszentren.