Sandau l Keine Sorge hat Ernst Busse, dass die Sandauer Kirche am Heiligen Abend gut gefüllt ist. Der Quempas wird dort schon seit Jahrhunderten gesungen. So auch an diesem Sonnabend. Doch zu den Proben kommen erfahrungsgemäß immer nur wenige Leute, bedauert der Kirchenälteste. Für die Generalprobe heute Abend ab 18 Uhr wünscht er sich viele Frauen, Männer und Kinder, die in der Kirche den Wechselgesang üben.

An den beiden letzten Adventssonntagen wurde bereits im Pfarrhaus geprobt. Am vergangenen Sonntag waren es gerade zwei Handvoll Leute, die der Einladung von Ernst Busse gefolgt waren. "Ach, wir kennen den Quempas doch", hört er oft als Begründung, weshalb die Proben ausgelassen werden. "Doch abends in der nur durch Kerzenschein erleuchteten Kirche haben manche dann doch Bedenken wegen des Textes."

Als der heute 79-Jährige zur Schule ging, wurde der Quempas im Unterricht geübt. Auch die Hefte mit dem lateinischen und deutschen Text fertigten die Kinder selbst an. Er hat eine ganze Sammlung an Liedheften zum Quempas zu Hause.

Seit vielen Jahren gibt es nun die Texte in gedruckter Form für alle, die in den vier Chören mitsingen. "Zu DDR-Zeiten mussten wir für den Druck das Papier vom Kreis genehmigen lassen, aber wir haben es bekommen", berichtet Ernst Busse. Später ließ die Kirchengemeinde die lateinischen Zeilen von Fachleuten durcharbeiten. Sie beruhen auf dem Havelberger Quempas, der aus dem Messbuch des Havelberger Domdechanten Matthäus Ludecus von 1589 überliefert ist.

Zum Quempas steht der Männerchor auf der Empore, die anderen drei Chöre vor dem Altar. Sie singen sich im Wechselgesang die Weihnachtsbotschaft zu. Die meisten Kinder und Erwachsenen bringen sich ihre mit einer Manschette umwickelte Kerze mit. Aber die Kirche hat auch welche vorrätig.

Einer, der seit 15 Jahren regelmäßig zu den Proben kommt, ist Sebastian Schulz. Der ehemalige Wulkauer begleitet den Wechselgesang auf der Orgel. Von Magdeburg aus fährt er auch heute zur Generalprobe nach Sandau. Heiligabend ist er wieder da. Dem 33-Jährigen, der in seiner Freizeit in einer Band spielt, macht es Spaß, beim Quempas mit dabei zu sein.

Zu den Jüngsten, die am vergangenen Sonntag mit Ernst Busse probten, gehörten Martin Hinmüller und Benjamin Busse. "Für uns ist das ganz normal, wir haben den Quempas schon so oft gesungen", erklären die Jungs.

Es gab auch mal ein Jahr, da sollte der Quempas von Trompetenspiel begleitet werden. Doch war es so kalt in der Kirche, dass kaum ein Ton herauszukriegen war, erinnert sich Ernst Busse. Meist erklang zum Gesang die Orgel. Doch bevor es die neue elektronische Orgel in der Kirche gab, musste beim alten Instrument mit Ausfällen gerechnet werden. "Wir haben in einem Jahr auch mal a cappella gesungen."

Für heute Abend rät Ernst Busse allen, sich warm anzuziehen, denn die Kirche ist kalt. 4,4 Grad waren es am Sonntag. Doch sollte sich davon niemand abhalten lassen, denn ein bisschen Übung macht die Aufführung am Heiligen Abend sicherer.

 

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