Havelberg l Den Beschluss über die Anbindung eines Altarmes der Havel in Höhe des alten Betonsteinwerkes hat der Havelberger Stadtrat bei einer Enthaltung einstimmig gefasst. Wie berichtet, ist im Zuge der Errichtung eines Informationszentrums Sachsen-Anhalt "Natura 2000" bis zur Bundesgartenschau diese Reaktivierung des Altarmes vorgesehen. Dies soll im Rahmen der Havelrenaturierung erfolgen. Ein weiterer Beschluss auf der Ratssitzung betraf dieses Thema ebenfalls. Die Stadt will für das Info-Zentrum eine Fläche von 1000 Quadratmetern per Erbbaupachtvertrag zur Verfügung stellen. Hier sprach sich der Stadtrat ebenfalls einstimmig dafür aus.

In der vorangegangenen Diskussion hatte Ratsmitglied Sven Hetke darauf aufmerksam gemacht, dass der Anschluss des Altarmes im Ausschuss unter dem Aspekt heftig debattiert wurde, ob die Arbeiten bis 2015 geschafft werden können. Das Argument der Planer, man könne ansonsten den Besuchern anhand einer Baustelle gut zeigen, wie Havelrenaturierung funktioniert, stieß nicht auf positive Resonanz. Denn eine Baustelle wolle die Stadt ihren Gästen sozusagen im Eingangsbereich der Buga keinesfalls präsentieren.

Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich berichtete, dass mit den Verantwortlichen abgesprochen sei, dass die Anbindung bis 2015 fertig sein muss, ansonsten dürfe der Altarm nicht angeschlossen werden. Herbert Luksch wollte wissen, wie es mit der Verlandung, die an der Einfahrt zum Winterhafen ein Problem darstellt, aussieht. Der Winterhafen befinde sich im Innenradius des Havelstromes, der Altarm im Außenradius, weshalb sich die Strömungsverhältnisse dort ganz anders darstellen. Der Bereich würde sich 20 Jahre selbst freihalten, antwortete Klaus Heidrich.

Das Info-Zentrum "Natura 2000" ist ein zusätzliches Angebot zur Bundesgartenschau 2015, mit dem das 23 Millionen Euro kostende, über mehrere Jahre laufende Projekt Renaturierung der Unteren Havel in der Öffentlichkeit dargestellt werden soll. Das zweigeschossige Ausstellungszentrum informiert unter Nutzung multimedialer Möglichkeiten etwa über die Themen Mensch und Fluss, Hochwasserschutz, Auenwald und Auendynamik. Mit dem Anschluss des Altarmes und der somit zu schaffenden Insel - symbolisch für die einst in der Nähe vorhandene Petroleuminsel - wird in der Praxis gezeigt, wie das sogenannte Gewässerrandstreifenprojekt umgesetzt wird. Ein Aussichtssteg führt vom Info-Zentrum auf die Insel.

Für die Ausflugsschifffahrt ist eine Landestelle vorgesehen, ebenso für Wassertouristen. Im Bereich des ehemaligen Betonsteinwerkes soll die Auenfunktion dargestellt werden. Auch nach der Gartenschau soll das Info-Zentrum Besucher anlocken und ein attraktives touristisches Angebot etwa an Havel- und Elberadweg, Straße der Romanik und "Blauem Band" sein.

Der Förderantrag für die Planung wird bis Februar gestellt, hatte Klaus Heidrich beim Treffen des Fördervereins "Naturschutz im Elb-Havel-Winkel" über das Vorhaben der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe informiert (die Volksstimme berichtete). Im nächsten Jahr soll die Planung für beide Projekte erfolgen, damit 2013/14 gebaut werden kann.