Seit dem Oderhochwasser von 1997 pflegen Klietz und die polnische Stadt Czerwiensk partnerschaftliche Beziehungen. Das ist jetzt 15 Jahre her, im Ortsteil Nietkow wurde das Jubiläum gefeiert.

Nietkow/Klietz l Es war schon ein sehr ergreifender Augenblick, als in der frisch sanierten Schule des Czerwiensker Ortsteiles Nietkow alle Deutschen das altbekannte Kinderlied von der "Kleinen weißen Friedenstaube" sangen: "Du sollst fliegen Friedenstaube, allen sag es hier, dass nie wieder Krieg wir wollen, Frieden wollen wir."

Das geschah aus gutem Grund: Erika Schirmer, die Schöpferin dieses in der DDR allen Kindern bekannten Liedes, war zum Jubiläum in ihren Geburtsort zurückgekehrt. Im damaligen Polnisch-Nettkow wurde sie 1926 unter dem Familiennamen Mertke geboren, im Winter 1945 musste sie wie alle anderen Deutschen auf der Flucht vor der heranrückenden Front eilig die Region verlassen. Es wurde eine Flucht ohne Heimkehr - Erika Schirmer wohnt jetzt in Nordhausen.

Die Odyssee eines anderen Nettkowers endete in Hoyerswerda, ein dritter strandete auf der Insel Rügen. Weil alle überhastet aufbrachen, gibt es kaum noch Erinnerungsstücke an die alte Heimat, auch die Verbindungen fehlen.

Doch eines ist den drei Senioren gemeinsam: Einen Krieg wollen sie nie wieder erleben - und haben darum ihren Frieden auch mit der Vergangenheit geschlossen. Sie alle freuten sich, dass Schule, Klubhaus sowie viele Wohnhäuser in Nietkow saniert wurden. Anwesend waren bei der deutsch-polnischen Feierstunde auf ausdrücklichen Wunsch von Erika Schirmer auch Schüler aus Nietkow, die viele Fragen an die "Ureinwohner" hatten: Wo habt ihr gewohnt oder wie war es in der Schule?

Neben den drei ehemaligen Nettkowern waren Delegationen aus Klietz sowie aus dem Drebkauer Ortsteil Greifenhain - er befindet sich in der Lausitz - an die Oder gekommen. Die Greifenhainer und Nietkower besuchen sich seit vielen Jahren bei Sport- und Dorffesten, denn Drebkau ist ebenfalls Partnerstadt von Czerwiensk.

Die deutschen Gäste nahmen an der feierlichen Namensgebung der frisch sanierten Schule teil, waren bei der Lehrertagsfeier zugegen und besichtigten die nahe Woiwodschaftshauptstadt Zielona Gora - früher hieß sie Grünberg.

Die Klietzer Abordnung wurde von Bürgermeister Jürgen Masch geleitet, der natürlich nicht mit leeren Händen kam. Er überreichte Schulleiterin Beata Klos-Wygas eine Fotocollage mit Erinnerungen an Klietz und den gemeinsamen Schüleraustausch sowie einen Gutschein: Darin werden 15 polnische Schüler für eine Woche ins Schullandheim nach Klietz eingeladen.

Auch 1997 waren polnische Kinder und Jugendliche nach Klietz eingeladen worden. Kurz nach dem Oderhochwasser hatte die Seegemeinde bei der polnischen Botschaft nachgefragt, welchen Ort man unterstützen könne. Die Wahl fiel auf Czerwiensk, hier waren vor allem die Ortsteile Laski und Nietkow betroffen - dort hatte das Hochwasser teils bis zu anderthalb Meter hoch gestanden. Die Klietzer spendeten Geld und Mobiliar.

Neben Jürgen Maschs Lebensgefährtin Elke Hartmann befand sich in der Delegation mit Kornelia Limp, Uta Braun und Ingo Freihorst auch ein Betreuertrio, das beim langjährigen deutsch-polnischen Jugendaustausch mit von der Partie gewesen war. Erst in diesem Jahr war Klietz Gastgeber fürs große Camp der Partnergemeinden gewesen.

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