Mit dem geplanten Bürgerwindpark und einem Pilotprojekt zur Erzeugung von Windgas soll das Bioenergiedorf Tangeln vervollkommnet werden. Initiator Günter Willer stellte die Vorhaben jetzt erstmals vor.

Tangeln l Das Biowärmenetz, das von den Tangelner Bürgern über eine eigene Genossenschaft selbst finanziert wird und etliche Haushalte mit Heizenergie aus der örtlichen Biogasanlage versorgt, ist ein voller Erfolg. "75 Mitglieder hat die Genossenschaft bereits. Und weitere 15 Anträge auf Anschluss liegen vor. Doch dazu müsste die Biogasanlage erweitert werden und das ist derzeit nicht geplant", erläuterte Günter Willer, Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Unternehmens, im Pressegespräch.

Statt dessen will der Rohrberger den Status Tangelns als Bioenergiedorf, des einzigen in Sachsen-Anhalt neben Iden, weiter ausbauen. Nächster Schritt ist der Bau eines Bürgerwindparks. Vier Windräder sollen nahe dem Ort, mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Darnebecker Berg, errichtet werden, zwei vom Landwirtschaftsunternehmen, eines von einer Firma und eines von den Bürgern selbst. Dazu wird voraussichtlich im Juni oder Juli eine eigene Bürgerwindgenossenschaft gegründet. "An ihr können sich die Tangelner, aber auch Interessenten aus der Region beteiligen", erklärte Günter Willer.

Vorteile für die Genossenschaftsmitglieder: Sie können regenerativen Strom zu einem günstigeren Preis als die derzeitigen Hauptversorger beziehen und erhalten entsprechend ihrer Anteile eine "ökonomisch sinnvolle Dividende". Willer kündigte zudem eine Preisgarantie über einen längeren Zeitraum ("Fünf Jahre wäre sinnvoll") an. Ziel sei es, dass das Geld in der Region bleibt und den Menschen vor Ort Nutzen bringt.

Bei einer Einwohnerversammlung im vergangenen Jahr haben sich 92 Prozent der Tangelner für den Bau der Windräder ausgesprochen, die eine Nabenhöhe von 135 Metern erreichen sollen. Dass es nicht wie anderenorts zu Widerstand kam, führt Günter Willer auf das Vertrauen zurück, das die örtlichen Akteure genießen. "Hier kommt eben nicht ein Investor aus der Ferne, der Geld machen will, sondern alle haben etwas von dem Projekt", erklärte er. Dennoch würden alle Vorgaben nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz eingehalten, etwa was Schattenwurf oder Infraschall betrifft. "Im Moment werden die Auswirkungen auf den Vogelschutz untersucht und der sogenannte Scooping-Termin durch die Regionale Planungsgemeinschaft vorbereitet", so Willer. Dabei kommen Vertreter verschiedener Behörden, Verbände und Experten zusammen, um das Vorhaben abzuklopfen.

Noch innovativer ist der dritte Schritt zum Ausbau des Bioenergiedorfes. Mit Hilfe des Altmarkkreises, des Salzwedeler Innovations- und Gründerzentrums (IGZ), des Fraunhofer-Instituts und der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe ist ein Pilotprojekt geplant, bei dem überschüssiger Windstrom in Methangas umgewandelt und damit gespeichert werden kann. Dafür gibt es zwei Varianten: Zum einen über Elektrolyse, zum anderen mit Hilfe von Bakterien. Bei beiden wird das Kohlendioxid, das bisher bei der Biogaserzeugung in die Luft entwichen ist, verbraucht. "Dann kommen nur noch Wasserstoff und Sauerstoff aus dem Schornstein", so Willer.

Finanziert werden soll das Pilotprojekt, das nicht vor 2014 startet, mit Hilfe von Fördermitteln. Das produzierte Windgas könnte über eine Druckstation ins normale Erdgasnetz eingespeist oder in der Biogasanlage mitverwendet werden. "Damit bräuchten wir dort weniger Input, etwa an Mais, für die Erzeugung des gleichen Gasertrags", erklärte Willer. Der viel kritisierten Vermaisung der Landschaft könne damit entgegengewirkt werden.