Regelmäßig wird auf dem Truppenübungsplatz Altmark alte Munition in die Luft gejagt. Sicherheit ist dabei das oberste Gebot von Sprengmeister Dieter Schwarz.

Letzlingen l Grillen zirpen in der ruhigen Heide. Plötzlich schrillt eine Sirene zweimal. Dann eine Explosion. Eine schwarze Wolke steigt in die Höhe. Ein dumpfer Knall schallt über den Truppenübungsplatz Altmark. Alte Granaten zerbersten in der Luft. Splitter scharf wie Rasierklingen fliegen umher. Aus einem Bunker beobachtet Sprengmeister Dieter Schwarz das Geschehen. Er hatte die Explosion aus sicherer Entfernung ausgelöst. Die Munitionsfunde auf dem Truppenübungsplatz in die Luft jagen - dafür sind Schwarz und sein Team vom technischen Polizeiamt verantwortlich. Sie sind Kampfmittelbeseitiger.

"Es darf nicht zur Routine werden", sagt der Sprengmeister. Er und sein Team müssen die Gefahren beim Sprengen minimieren. Die Sicherheit stehe an erster Stelle. "Bisher haben wir - toi, toi, toi - noch keine Unfälle gehabt." Die Munition wird mit Lastwagen zu dem Sprengplatz gefahren. Zirka 50 mal 50 Meter ist der Platz groß und etwa drei Meter tief. Er wirkt wie eine Art Trichter. Der Schall wird nach oben gelenkt. "Viel fangen zudem die Bäume in der Heide ab", sagt Thomas Herzog, Presseoffizier des Gefechtsübungszentrums.

Für die explosive Ware gräbt das Team von Schwarz mehrere Löcher. Sie legen oder stellen Granaten und andere Sprengkörper hinein. Dann setzen sie kleine Bomben darauf. Der Zünder der Hohlladungen ist mit etwas Sprengstoff verstärkt worden. Anschließend verbindet Schwarz die Zünder mit Kabeln. Mit Sand werden die Granaten etwas abgedeckt.

In einem Kabelschacht laufen die Sprengdrähte zusammen. Am anderen Ende der Leitung sitzt Dieter Schwarz in dem Bunker hinter Panzerglas. Seine Mitarbeiter haben sich und die Fahrzeuge in Sicherheit gebracht. Die Granatsplitter können bis zu 900 Metern weit geschleudert werden.

Nach dem großen Knall schaut Schwarz nach, ob alle Granaten hochgegangen sind. Erst dann gibt er Entwarnung. Sein Team befreit den Heide-sand von Splittern und Granatteilen. Oft sind zweimal pro Woche Sprengtage.

Schwarz ist mit kurzen Unterbrechungen seit 1996 in der Altmark dabei. 15000 bis 20000 Tonnen Munition, schätzt er, sind bislang aus dem Heideboden geholt worden. Etwa 80 Prozent ist Munition der Wehrmacht.

Sie nutzte den Platz von 1934 bis Kriegsende, um Waffen zu testen - wie später das sogenannte Fleißige Lieschen - eine Langstreckenwaffe, mit der London von der Atlantikküste aus beschossen werden sollte. Nach Kriegsende absolvierten die sowjetischen Streitkräfte in der Heide Manöver.

Gelagert werden die Fundstücke in der "Blauen Kuhle" nahe der Heidestraße. Kleinere Munition wird in der Hottendorfer Kampfmittelvernichtungsanlage zerstört.

   

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