Martin Meißner liest heute Abend aus seinem neuen Buch "Blutholz - ein Altmarkkrimi". Der gebürtige Lockstedter lebt und arbeitet in seiner Heimat.Volksstimme-Mitarbeiter Philip Najdzion hat mit dem 68-Jährigen vorab über sein Buch und die Arbeit als Schriftsteller gesprochen. Die heutige Lesung beginnt um 19 Uhr in der Klötzer Bibliothek.

Volksstimme: Sie sind vorwiegend von Ihren Kinderbüchern bekannt. Wieso jetzt Ihr erster Krimi?

Martin Meißner: Eigentlich habe ich Kinderbücher geschrieben, weil mein Lehrerberuf dafür eine gute Basis bot. Ich war 40 Jahre im Schuldienst und habe selber vier Kinder. Die ersten Versuche waren erfolgreich. Es war naheliegend weiterzumachen. "Manuel und der Waschbär" aus dem Jahr 1983 zum Beispiel wurde 100000-mal aufgelegt. Später habe ich noch Kurzgeschichten für Erwachsene verfasst. Dass jeder Autor auch einen Roman anstrebt, liegt auf der Hand. Zumal mir das epische, breite Erzählen irgendwie liegt.

Volksstimme: Aber wieso dann ein Krimi?

Meißner: Der Leser wird merken, dass es gar kein richtiger Krimi ist. Das Buch ist eher ein Gesellschaftsroman, der sich den Mantel eines Krimis nur umgelegt hat.

Der Krimi ist zurzeit gesellschaftsfähig und zieht die Leser an. Ist angesagt, wie man es heute so nennt. Was ich vermitteln will, kann ich gut in einen Krimi packen. Und mit Speck fängt man Mäuse.

Volksstimme: Haben Sie im Fernsehen oder bei Büchern einen Lieblingskommissar?

Meißner: In meiner Familie werden gerne Krimis geguckt und gelesen. Die Bücher von Henning Mankell und anderen liegen hier überall herum. Insofern komme ich zwangsläufig damit in Berührung. Ich bin aber kein Krimileser und gucke die auch nicht. Ich stoße dazu und ziehe mich bald wieder zurück. Einen Lieblingskommissar habe ich nicht, weil ich die gar nicht richtig kenne.

Volksstimme: Was ist Ihr Kommissar Hans Hanik für ein Typ?

Meißner: Er lebt von seiner Frau getrennt. Sie schreibt Gedichte. Doch damit kann er nicht viel anfangen. Mit seinen 55 Jahren ist er in seinem aufregenden Beruf eher unaufgeregt. Aktionismus ist ihm fremd. Er ist keiner, der Sympathie verbreiten will. Die Leute müssen ihn so nehmen, wie er ist. Er kennt das Leben und das hat ihm eine gewisse Verschlagenheit gebracht. Darin ist er mir wohl ähnlich.

Volksstimme: Welche gesellschaftlichen Probleme spricht Ihr Roman an?

Meißner: Da der Roman im Schulmilieu spielt, ist die Schule das Fenster, durch das die Wirklichkeit betrachtet wird. Im bäuerlich geprägten Umland der Stadt Beverhol siedeln städtische Leute, die ländlich leben wollen, grünes Gedankengut mitbringen und der staatlichen Autorität trotzen. In zugespitzter Form schicken sie ihre Kinder nicht in die Schule, wodurch sich ihre sympathischen Lebensansätze als unhaltbar erweisen. In der Stadt Beverhol regiert durch Tradition begründet das Geld. Woher es kommt, wird nicht gefragt. Wer schweigt, hat es angenehm. Wer nicht, muss aufpassen.

Volksstimme: Wie sieht eigentlich ein typischer Tag in Ihrem Leben als Schriftsteller aus?

Meißner: Sie müssten doch denken: Wer hier kein Schriftsteller wird, ist selber schuld. Hier am Ortsrand von Lockstedt mit dem weiten Blick über die Natur. Sie waren selber angetan von der Gegend. Für meine Arbeit finde ich hier alles, was nötig ist. Ich bin ja nicht gezwungen, mir einen Tagesrhythmus im Schreiben anzugewöhnen. Hier ist es immer ruhig. Da brauche ich keinen Plan. Ich schreibe nicht jeden Tag. Es muss sich auch was ansammeln.

Volksstimme: Wie sind Sie zur Schriftstellerei gekommen?

Meißner: Ich habe mein Talent irgendwann entdeckt, Geschichten so zu schreiben, dass die Leute sie gerne lesen. Mit 25 Jahren vielleicht. Es ging mit Kurzgeschichten in Zeitschriften los. Und wer erstmal gedruckt ist und gelesen wird, der kann es schlecht lassen, der hat Feuer gefangen.

So ist ein Ende des Geschichtenerzählens wohl nicht in Sicht.

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