Das Richtfest der neuen Obertageanlage am Erdgasspeicher Peckensen ist gefeiert worden. Die Firma Storengy Deutschland GmbH investiert etwa 60 Millionen Euro in die Erweiterung.

Nipkendey l "Für das Richtfest fehlt eigentlich das Dach auf der Verdichterhalle. Sie sind zwei Wochen zu früh da", sagte Arno Büx, Geschäftsführer der Storengy Deutschland GmbH, am Mittwoch auf dem Gelände des Erdgasspeichers Peckensen nahe Nipkendey. Er forderte die Anwesenden auf, sich das Dach des Gebäudes, das neben anderen zur neuen Obertageanlage gehört, einfach vorzustellen. Und er lieferte die Begründung, warum das Vorhandene erweitert werde: "Wir glauben ans Erdgas - und dessen Speicher. Wir sind gerne hier." Die strategische Entscheidung für die Erweiterung des altmärkischen Speichers sei in Paris getroffen worden, bei der Muttergesellschaft Storengy S.A.

Der hiesige Speicher sei für das Unternehmen seit 14 Jahren wichtig. 1998 seien die Planungen für einen Erdgasspeicher gestartet worden. 2002 habe die Speicherung in einer Kaverne begonnen. Die Pilotanlage sei in den Jahren 2008 bis 2010 um zwei Kavernen erweitert worden. Jetzt seien zwei weitere Kavernen geplant. "Damit erhöhen wir unsere Speicherkapazität auf ein Volumen von rund 400 Millionen Kubikmetern", schilderte Arno Büx. Mit dieser Menge könnten 160000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Energie versorgt werden, beschrieb er. Peckensen sei der zweitgrößte von insgesamt sieben Speichern der Firma Storengy. "Insgesamt investieren wir 154 Millionen Euro für diesen Ausbau, davon zirka 60 Millionen für die Erweiterung der Obertageanlage", sagte der Geschäftsführer.

Er verwies auf gute Kontakte zu den hiesigen freiwilligen Feuerwehren, die auch schon vor Ort geübt hätten. Sein Dank galt zudem der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Verwaltung vor Ort und den zuständigen Ämtern, aber auch dem Landesverwaltungsamt und dem Landesbergamt für Geologie und Bergwesen für schnelle und professionelle Genehmigungen.

Landrat Michael Ziche begrüßte es, dass in das Bauvorhaben auch Unternehmen aus der Region mit einbezogen seien. Er dachte laut darüber nach, ob es vielleicht künftig auch möglich sei, hier in Biogasanlagen gewonnenes Gas zu speichern. Auf dem Papier sei eine Versorgung in der Region zu 80 Prozent gewährleistet. Allerdings gebe es Probleme mit der Speicherung. Das Unternehmen Storengy bezeichnete er als "wichtigen Partner in der Region, der sich lösungsorientiert mit dem Naturschutz und wasserrechtlichen Pro-blemen auseinandersetzt". Er berücksichtige die Belange der Region, führte er weiter aus.

"Das erste Erdgas hier ist 1968 in 3000 Metern Tiefe entdeckt worden. Bereits ein Jahr später begann die Förderung", gab Christiane Lüdemann, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Beetzendorf-Diesdorf, einen geschichtlichen Einblick. In besten Zeiten habe der Erdgasförderbetrieb 1500 Angestellte gehabt. Nach der Wende habe sich die Situation grundlegend geändert. Seit 2002 sei die Erdgas-Lagerung in den Mittelpunkt gerückt. "Der Name Erdgasspeicher Peckensen ist erhalten geblieben, obwohl er eigentlich zwischen Ellenberg und Nipkendey liegt", schilderte Christiane Lüdemann. Dies hänge damit zusammen, dass die einstige Lagerstätte bis nach Peckensen reiche. Die Bürgermeisterin bedankte sich für die Nachbarschaftsvereinbarung, die Storengy mit der Gemeinde Wallstawe und der VG abgeschlossen habe. Auf diese Weise würden jährliche Sponsoringmittel für die Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Auch die Feuerwehren würden von der Unterstützung profitieren.

Anlage wird gespiegelt und die Kapazität verdoppelt

Projektleiter Eyk Meier brachte das Bauvorhaben auf einen Punkt: "Wir spiegeln die gesamte bestehende Anlage und verdoppeln damit die Kapazität und die Produktivität des Erdgasspeichers Peckensen." Das bedeute, dass alles - von den Leitungen bis zu den Anlagen auf dem Gelände - größer dimensioniert werden müsse. Eyk Meier nannte einige Zahlen: Auf einer Strecke von mehr als 20 Kilometern würden Rohrleitungen verlegt. Die neue Gasverbindungsleitung zum Netzkopplungspunkt Steinitz sei 13 Kilometer, die Soleleitung zum Transport der bei der Kavernenherstellung anfallenden Salzsole nach Gieseritz fast sechs Kilometer lang. Die Verdichter, hergestellt in den USA, seien schon seit Monaten unterwegs. In Halberstadt würden sie derzeit für die Bedürfnisse des hiesigen Speichers komplettiert. Ende Oktober sollen sie bei Nipkendey eintreffen, Anfang März 2013 in Betrieb genommen werden.

Nach dem Richtspruch luden die Storengy-Mitarbeiter Eyk Meier, Robert Wermuth und Achim Lange zu Führungen über das Betriebsgelände ein.

 

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