Wieder einmal haben Bauarbeiter an der Drackenstedter Kirche das Zepter in der Hand. Nach umfangreichen Arbeiten, die in der jüngeren Vergangenheit vor allem den Innenbereich der Kirche betrafen, ist nun der Turm an der Reihe. Er bekommt einen neuen Putz.

Drackenstedt l Der Kirchturm der Drackenstedter Nicolai-Kirche trägt derzeit einen grünen Mantel. Dieser versteckt ein Gerüst, auf dem die Mitarbeiter eines Magdeburger Denkmalpflegebetriebes ihren Dienst tun. Der romanische Turm, der wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden ist, hat dringend eine Sanierung nötig und soll neu angeputzt werden.

Wie die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Beate Schmidt, weiß, ist die Kirche früher, wahrscheinlich zur Barockzeit, einmal angeputzt worden. Doch der Zahn der Zeit und Wind und Wetter haben ganze Arbeit geleistet, so dass der Putz nach und nach abfiel. Die alten Feldsteine wurden immer mehr sichtbar. "Die Bauarbeiter haben jetzt den restlichen Putz abgeklopft", so Beate Schmidt.

Wer jetzt aber denkt, dass es besser ist, wenn die Steine ungestört vom Putz zur Geltung kommen, den muss die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates enttäuschen: "Wir haben uns entschieden, den alten Zustand mit dem Putz wieder herzustellen, da so der Turm auch besser geschützt ist."

Während der Bauphase soll auch die romanische Säule in einer der beiden Schallluken originalgetreu wieder hergestellt werden. Bisher klafft hier - im Gegensatz zu der benachbarten Schallluke - ein großes Loch.

Die Umsetzung dieser Bauarbeiten schwirrt, wie Beate Schmidt erklärt, schon eine ganze Weile in den Köpfen des Gemeindekirchenrates herum. Bereits 2008 haben die ersten Planungen begonnen, der Antrag auf Fördermittel über das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) ist 2009 aber abgelehnt worden. Doch die Kirchengemeinde hielt an ihrem Vorhaben fest, denn der Architekt hatte den Blick auf die Schäden am Turm gelenkt. Erneut wurde ein Antrag auf Fördermittel gestellt, diesmal unter dem Dach der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Flechtinger Höhenzug".

Argumente, die für eine finanzielle Unterstützung der Bauarbeiten sprechen, hat Beate Schmidt einige. Zum einen wird die Kirche regelmäßig genutzt - und das nicht nur zu kirchlichen Veranstaltungen. Beispielsweise wurde sie zur 900-Jahr-Feier des Ortes als Veranstaltungsort genutzt. "Heiligabend haben wir hier schon bis zu 120 Besucher gehabt", fügt Beate Schmidt hinzu. Außerdem führt die Straße der Romanik an der Kirche vorbei. Mit Hinblick auf das bevorstehende Reformationsjubiläum verweist sie noch auf eine Besonderheit. Unweit des Altars ist eine Tafel aufgehängt, die aufzeigt, welche Drackenstedter Bürger im Jahre 1817 hier das Reformationsjubiläum gefeiert haben. Die Argumente haben auch die Geldgeber überzeugt. Die Leader-Mittel wurden im Sommer 2012 bewilligt.

"Wenn wir da aber gleich mit den Bauarbeiten begonnen hätten, wäre das Risiko zu groß gewesen, dass wir in den Winter hineinkommen. Bei Frost können diese Arbeiten aber nicht erledigt werden", begründet die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates den Antrag, die Fördermittel erst in diesem Jahr einsetzen zu dürfen. Bis Ende August bleibt nun Zeit, dem Turm eine neue Haut zu geben. Insgesamt sind für die Baumaßnahme 60000 Euro veranschlagt, 23000 Euro kommen aus dem Leader-Topf. Von den Eigenmitteln trägt die kleine Kirchengemeinde Drackenstedt 2000 Euro und den Rest der Kirchenkreis Egeln.

Doch auch in der Zeit, als der Turm von St. Nicolai auf eine Schönheitskur warten musste, sind in der Kirche die Bauarbeiter häufig ein und aus gegangen. Begonnen wurde einst mit der Erneuerung des Dachstuhls und des Daches. Da das Pfarrhaus verkauft wurde und heute zu einem Wohnhaus umgebaut ist, wurde in die Kirche eine sogenannte Winterkirche eingebaut. Der Altarraum wurde neu ausgemalt und das Tonnengewölbe erneuert. Zuletzt widmeten Fachleute sich dem Schwamm an der Nordwand und führten hier die Trockenlegung aus.