Mit der "Lachblüten-Therapie" ist in der Oschersleber Stadtbibliothek der "BibliotheksFrühling" zu Ende gegangen. Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Oschersleben (vs) l Dass Humor weit mehr als Schenkelklopfen ist, dass Humor tiefsinnig, entlarvend und sogar subversiv sein kann, bewies Alexander Finkel am Freitagabend in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Stadtbibliothek.

Mit seiner "Lachblüten-Therapie" war er der krönende Abschluss des diesjährigen Bücherfrühlings.

"Dass es Finkel durchaus ernst meint mit dem Humor, zeigt schon die Auswahl der Autoren derer er sich für seine Lachblüten Therapie bediente. Allen voran Kurt Tucholsky", berichtete Bibliotheksleiterin Simone Gille.

Angenehm unterschied sich der Sprachkünstler von so manch anderem "Humoristen" der Jetztzeit. So ging es nicht um plattes Lachen, sondern darum, dem "alltäglichen Wahnsinn", so die Ankündigung, ein probates Mittel entgegen zu setzen.

Gleich zu Beginn brachte Finkel mit einem subversiven Witz aus der Vorwendezeit das Publikum auf seine Seite. Überhaupt verlor der "Therapeut" nie den Kontakt zu seinen Patienten. Ein ums andere Mal wurde das altersmäßig bunt gemischte Publikum auf angenehme Weise mit einbezogen ins Geschehen.

Das Experiment klassische satirische Texte mit Fundstücken aus dem Internet zu mischen wurde vom Publikum immer wieder mit lautstarkem Zwischenapplaus gewürdigt. Finkel sparte kein Thema aus. So ging es um die Wirtschaftskrise ("Ein deutsches Volkslied"), um Tod und Hölle ("Vom Teufen" und "Mein Selbstmord"), die er im Wiener Dialekt vortrug. Überhaupt zeigte Finkel, dass er eine Vorliebe für den vergessenen Wiener Dichter Fritz Grünbaum und seinen morbiden Humor hat.

Heftige Seitenhiebe auf den Therapieboom der Neuzeit verteilte Finkel nach der Pause, in dem er ein "Kommunikations-Genie" aus seinem Alltag berichten ließ. Köstlich seine Erzählung der Frau, die alles besser weiß und dabei immer alle Fremdworte verwechselte. Hier tobte das Publikum förmlich. Auch eine sehr überspitzte Darstellung der diversen aktuellen Therapieformen traf den Nerv. So manch einer im Publikum nickte zustimmend.

Wie fein und pointiert sich Kurt Tucholsky seinerzeit mit Alltagsproblemen auseinandersetzte, zeigte Finkel mit dem "Kreuzworträtsel mit Gewalt".

Mit breitem Lächeln verließ das Publikum nach fast zwei Stunden die Bibliothek, nicht ohne sich bei der Leiterin Simone Gille für einen wieder einmal gelungenen Abend zu bedanken.