Nach der Ankündigung, dass die DSL-Versorgung bis zum Jahresende in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben - Börde umgesetzt werden kann, korrigierte die Telekom gestern ihre Aussage und gab als Freischaltungstermin das Frühjahr 2012 an.

Hemsdorf l Thomas Assel aus Hemsdorf fühlt sich, was das Thema Breitbandausbau in der Einheitsgemeinde betrifft, verschaukelt. "Es hieß immer, dass unser Ortsteil Hemsdorf Internet über LTE, also über Funk, bekommen soll. Zeitgleich gab es in unserem Ort einen Aushang von der Stadt, wie wir dabei verfahren sollten." Für die Volksstimme hat er nun seine Erfahrungen aufgeschrieben: "Es gab die Information, dass Hemsdorf als einziger Ort der Stadt kein ,normales\' DSL bekommt, sondern Internet per ,LTE\'. Laut dem Aushang am schwarzen Brett sollten interessierte Bürger in den T-Punkt gehen und dort einen Test-Router bekommen. Wenn alles funktioniert, kann ein Vertrag abgeschlossen werden. So weit, so gut. Also bin ich am 25. November in den T-Punkt gefahren (MD-Flora Park) und habe dort mein Anliegen vorgetragen. Zuerst wurde mir gesagt, dass es in Hemsdorf noch gar kein Internet per LTE gibt. Die nette Dame sagte mir, dass, selbst wenn sie wollte, sie es nicht buchen könnte, da es im System nicht drin steht. Weiterhin teilte sie mir mit, dass es auch nicht möglich ist, einen Router zum Testen auszuleihen. Wenn man sich dafür entscheidet, schließt man einen Vertrag für zwei Jahre fest ab und bekommt dann den Router zugeschickt."

Der nächste Schock seien für den Hemsdorfer dann die Kosten gewesen. "Telefon plus LTE-Internet kosten zusammen mehr als ein normaler DSL-Kunde für einen vergleichbaren Anschluss zahlt. Man kommt sich da ein bisschen verschaukelt vor. Um noch ein zweites Angebot einzuholen, ging ich noch zu 1 1. Dort sagte man mir, LTE ist momentan in der Testphase und das bieten nur Telekom und Vodafone an. Also ab zu Vodafone. Wenn LTE verfügbar wäre, was würde es kosten und wie wäre das Prozedere? Hier besteht auch die Möglichkeit, den Zugang vier Wochen zu testen. Aber wie schon erwähnt - LTE soll nicht verfügbar sein." Auch Leser Falko Schmidt aus Groß Rodensleben fragt sich, wann die Telekom die schnelle Breitbandverbindung endlich freischaltet. "Der Sprecher der Telekom sprach ja betreff der Freigabe erst jüngst von Mitte Dezember. Ende vergangener Woche habe ich bei der Telekom direkt im Vertrieb angerufen, dort hatte man leider noch keine Infos über einen DSL-Anschluss für unsere Gemeinde", erzählt er und hofft, dass er spätestens zum Fest das schneller Surfen nutzen kann - sozusagen als Weihnachtsgeschenk.

Auf mehrmalige Volksstimme-Nachfrage gab dann am Montag Pressesprecher Georg von Wagner, der Anfang November mitgeteilt hatte, dass im Laufe des Dezembers die Anschlüsse auf die höheren Bandbreiten umgestellt werden, an, dass die Freischaltung erst im kommenden Frühjahr zum Abschluss gebracht werden könne. Zum Thema Hemsdorf sagte er, dass dieser Ortsteil laut Vertrag mit der Einheitsgemeinde erst gar nicht zum Ausbaugebiet gehöre. "Hier bauen wir nicht aus. Das LTE kommt nicht von uns", sagte er.

Gestern, also einen Tag später, korrigierte er seine Auskunft per E-Mail wie folgt: "In Zusammenhang mit der Ausschreibung in der Stadt Wanzleben-Börde wurde unsererseits (Telekom, Anmerk. d. Red.) in Aussicht gestellt, dass für die Versorgung des Ortsteils Hemsdorf ein LTE-Mast in Betrieb genommen wird. Allerdings wurde dies nicht mit einem konkreten Datum hinterlegt." Doch was bedeutet das jetzt im Klartext für die Hemsdorfer?

Darauf antwortete von Wagner so: "Das heißt, dass der festnetzgestützte Breitbandausbau in den Ortsteilen Bergen, Blumenberg, Bottmersdorf, Domersleben, Eggenstedt, Klein Germersleben, Klein Wanzleben, Groß Rodensleben, Hohendodeleben, Klein Rodensleben und Schleibnitz weiter vorangeht und im Frühjahr 2012 zum Abschluss gebracht werden wird. Das Netz kann dann in den genannten Ortsteilen in Betrieb gehen. Das ist so mit der Stadt vertraglich vereinbart worden. Hingegen nicht vertraglich vereinbart wurde der Aufbau einer LTE-Station für die Breitbandversorgung im Ortsteil Hemsdorf. Anwohner können daher nicht davon ausgehen, dass der LTE-Mast zeitgleich mit der Inbetriebnahme des DSL-Netzes in den anderen genannten Ortsteilen in Betrieb gehen wird."

Doch dass der Mobilfunkmast am Standort Hohendodeleben für den Dienst LTE betriebsbereit ist, wurde der Stadt bereits Mitte September schriftlich von der Telekom Netzproduktion mit Sitz in Leipzig mitgeteilt. Zum Sendebeginn wurden allerdings keine Angaben gemacht.

Hans-Martin Schulze, Ansprechpartner bei der Firma Harzoptics, sagte mit der Lesermeinung konfrontiert: "Ich möchte zunächst aus meiner Erfahrung sagen, dass es Leserbriefe gibt, die bei mir Unverständnis hervorrufen, aber für die meisten Leserbriefe bin ich dankbar. So schlimm das ,Einzelschicksal\' und auch deren Verarbeitung für den einen oder den anderen User sein mag, gibt es immer wieder Bürger, die auf ein Defizit mit Recht hinweisen und/oder durch ihren Hinweis eine Beschleunigung der Lösung erwirken. So wie auch dieses Beispiel zeigen wird."

Folgende Beispiele nannte er als Behinderungsfaktoren für den Ausbau: "Wenn ein Funk-Netzbetreiber die Ausschreibung gewonnen hat, dann hat er mit bestimmten Funkstandorten bereits ,spekuliert\', für die er im Genehmigungsverfahren aber dann keine Zustimmung bekam. Gebäude wurden als Funkstandorte ausgewiesen, wo die Statik einen Aufbau der Antenne nicht zuließ. Der Denkmalschutz gestattete den Anbau der Außenantennen beim Nutzer nicht."

Hans-Martin Schulze warb deshalb um Verständnis für eventuelle Verzögerungen. Derweil fragen sich Anwohner aus Dreileben, wann die Baulöcher beispielsweise in der Lindenstraße endlich wieder geschlossen werden. Schließlich soll es bald Frost geben. Seit Wochen würde sich hier nichts bewegen, hieß es am Leser-Telefon. Die Volksstimme-Anfrage beim Bauamt ergab, dass hier die Telekom gebuddelt hat. Die Baugruben sollen noch in dieser Woche geschlossen werden, teilte die Verwaltung mit.

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