Im Februar wird der Wanzleber Stadtrat über eine Erhöhung der Kita-Gebühren entscheiden. Während schon jetzt viele Eltern dagegen Sturm laufen, macht die Verwaltung auf das jährlich anfallende Millionendefizit in den Kitas der Einheitsgemeinde aufmerksam.

StadtWanzleben-Börde l Der Stadtrat entscheidet im Februar unter anderem über eine Erhöhung der Kita-Gebühren. Dagegen laufen schon jetzt viele Eltern Sturm.

Doch die Verwaltung weist auf eine Notwendigkeit, denn das jährliche Defizit ist enorm. 1,985 Millionen Euro standen 2010 im Minusbereich, wenn man die Unkosten von neun Kindertagesstätten in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben - Börde zusammenrechnet. Die Einnahmen aus Elternbeiträgen, Landes- und Kreispauschalen sind da schon rausgerechnet. Das bedeutet, dass ein Kitaplatz pro Monat und Kind den Finanzhaushalt der Einheitsgemeinde mit rund 680 Euro belastet. Insgesamt kostet ein Platz rund 800 Euro. Die Differenz wird durch Elternbeiträge und Kreis- bzw. Landespauschalen gedeckt.

Größte Posten sind und bleiben die Lohnkosten

Sozialamtsleiterin Sylvia Dammering: "Die Lohnkosten stellen dabei den höchsten Ausgabenposten dar."

Sie rechnet vor, was neun Kindertagesstätten der Einheitsgemeinde jährlich kosten. So wurden im vergangenen Jahr 2,462 Millionen Euro an Pauschalen und Elternbeiträgen eingenommen. Dem gegenüber standen allein an Personalausgaben 3,18 Millionen Euro für die 78 Erzieher (Vollzeitkräfte) in jenen neun Einrichtungen. Das Fachpersonal ist übrigens gegenwärtig für rund 750 bis 760 Kinder verantwortlich. Dazu kamen dann noch einmal 919000 Euro an Sachausgaben für 2010.

"Die Kosten für die Erzieher sind nun einmal so wie sie sind, es ist ja auch bei der Kinderbetreuung Fachpersonal notwendig", erklärt Sylvia Dammering.

Man müsse dennoch weiter die Kosten minimieren, aber eben auch die Einnahmen anheben. "Auch wenn das bei den hohen Defizitsummen einen Tropfen auf den heißen Stein bedeutet. Denn mit der geplanten Erhöhung ab 2012 im Krippenbereich von rund 50 Euro pro Platz und Monat würde das gerade mal eine Reduzierung des jährlichen Millionendefizites von rund 200000 Euro ausmachen", so Dammering.

Genau sieht der neue Kita-Gebührentarif folgendes vor: Während Eltern derzeit monatlich für einen Ganztags-Krippenplatz 160 Euro bezahlen, soll nach dem neuen Tarif der Elternbeitrag für die Null- bis Dreijährigen auf monatlich zu zahlende 213,50 Euro steigen. Beim Kindergartenkind (3 bis 6 Jahre) soll der Monatsbeitrag von 130 auf 156,50 Euro ansteigen.

Für einen Halbtags-Krippenplatz sollen ab dem nächsten Jahr 132,50 Euro statt wie bisher 100 Euro monatlich zu zahlen sein. Für einen Halbtags-Kindergartenplatz werden dann statt 90 Euro monatliche Kosten in Höhe von 106 Euro fällig. Die Hortgebühr soll von 50 auf monatlich 70,50 Euro angezogen werden.

Die Zahlen standen so übrigens auch schon vorher im Konsolidierungskonzept und liegen dem Landkreis auch schon vor. Im Januar werden sich die Ortschaftsräte positionieren müssen und im Februar der Stadtrat eine Entscheidung treffen.

Aufgenommen wurde jetzt auch die Geschwisterstaffelung. Der Sozialausschuss legte folgende Regelung fest: Jedes betreute Geschwisterkind bezahlt 90 Prozent der Platzgebühr.

Sylvia Dammering könne den Ärger und den Unmut der Eltern über die Kita-Gebührenerhöhung gut verstehen, aber man sollte sich alle Fakten anhören und abwägen.

Denn, ein Argument der Eltern war, dass selbst in Magdeburg die Kitagebühr etwas billiger ist als dann künftig in der Einheitsgemeinde. "Das stimmt zwar, liegt aber auch daran, dass sich unsere Kita-Einrichtungen rein in kommunaler Trägerschaft befinden", erklärt die Sozialamtsleiterin.

In Magdeburger seien diese alle in Freier Trägerschaft und arbeiten damit zum Teil auch kostengünstiger. Die Stadt regelt das dort über Zuschüsse. Abgerechnet wird über den Träger.

Freie Trägerschaft für Kita Dreileben denkbar

Aus diesem Grund könne man sich als eine der Möglichkeiten für den Weiterbetrieb der von der Schließung bedrohten Kita in Dreileben eine freie Trägerschaft vorstellen, zum Beispiel durch die evangelische Kirche.

"Wir haben bereits Gespräche dazu aufgenommen", erklärte Dammering. Sie wisse, dass eine Kostendeckung für eine kommunalgeführte Kita nahezu unmöglich ist.

Aber die Belastung für den Haushalt der Einheitsgemeinde sei immens und sollte deshalb so gering wie möglich gehalten werden.